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Tonart | Beitrag vom 11.03.2021

Valerie June: "The Moon And Stars: Prescription For Dreamers" Songs für den inneren Frieden

Von Oliver Schwesig

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 Die Sängerin, Songwriterin und Multi-Instrumentalistin Valerie June. (Renata Raksha)
"Jede Erfahrung, die man macht, ist wie eine kleine Schulstunde", sagt die Sängerin, Songwriterin und Multi-Instrumentalistin Valerie June. (Renata Raksha)

Nach innen schauen, träumen, positive Energien senden. Darum geht es auf dem Album "The Moon And Stars". Das könnte kitschig werden. Doch Valerie June hat eine Wahnsinns-Soulstimme und für ihre vertonten Meditationen einen schönen Sound gefunden.

Die Geschichte dieser Frau ist eine Märchengeschichte. Sieben Jahre lang schob sie als Reinigungskraft ihre Putzeimer durch die Straßen von Memphis, vorbei an Türen der großen legendären Soul-Studios der Stadt. Sie träumte davon, einmal dort aufnehmen zu können. Und dann, eines Tages erfüllte sich dieser Traum für die amerikanische Soul-Sängerin Valerie June.

Dan Auerbach von den Black Keys entdeckt sie und produzierte eines ihrer ersten Alben. Seitdem ist Valerie June eine feste Größe im amerikanischen Roots-Betrieb.

Nun ist "The Moon And Stars: Prescription For Dreamers" erschienen. June konnte für die Aufnahmen nun endlich die legendären Royal Studios von Memphis betreten.

Eine einzigartige Stimme

Ihr Gesang bohrt sich ins Ohr. Sie hat eine Stimme, die man wohl einzigartig nennen kann: drängend, brennend, aufmunternd. Mit der Lebensfreude des Gospels, der Wärme des Souls und der Erdigkeit des Bluegrass zelebriert Valerie June auf diesem Album den inneren Frieden.

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Es geht viel ums Träumen auf dieser Platte. Aber das Träumen versteht Valerie June nicht als Eskapismus. Im Gegenteil. Die Pandemie hat auch ihr den Blick nach Innen gekehrt. Sie sagt: Verwirrende Zeiten wie diese sollten uns auf unsere eigenen Stärken bringen. Wie in dem Song "Home Inside", die Heimat in uns.

"Nun, ich glaube, dass jedes Wesen seine Bestimmung hat. Aber was sagt man über Leute, die negative Energien haben, so jemand wie Trump? Da fragt man sich: Was ist denn seine Gabe? Ich glaube aber, dass jeder eine sinnvolle Gabe in sich hat. Und die Frage ist nun: Worauf konzentriert man sich, auf das Negative oder das Positive? Und ich finde, jede Erfahrung, die man macht, ist wie eine kleine Schulstunde. Und darum geht es mir in dem Song 'Home Inside'. Wir sind auf der Erde, weil wir eine Bestimmung haben."

Einen neuen Traum träumen

Auf diesem Album entwirft Valerie June ein Kontrastprogramm für unsere Zeit. Während andere auf ihren aktuellen Platten wütend sind, feiert Valerie June ganz simpel, fast frappierend, den inneren Frieden. Negativität bringt keinen weiter, sagt sie und lächelt buddhistisch bewegt – wie in dem Song "Smile".

"Die Realität, die wir jeden Tag sehen, die kreist uns im Kopf herum. Die Nachrichten stopfen uns jeden Tag voll mit negativen Sachen, und wir leben diese Geschichten nach und kreieren somit auch permament eine negative Realität. Ich bin jetzt fast 40, und wir arbeiten immer noch an den Idealen von John Lennon und Martin Luther King. Aber das geht nicht, indem wir uns dauernd Negatives erzählen. Ich sage: Wir müssen einen neuen Traum träumen."

Vertonte Meditationen

Valerie June hat für ihre vertonten Meditationen einen schönen Sound gefunden. Die Songs schreiten majestätisch langsam dahin. Brutzelnde Bläser, wärmende Hammondorgel, malende Streicher, der weise Gospelgesang – allen Elementen wird aber Zurückhaltung verordnet. Der Stilmix aus Gospel, Bluegrass und Soul ist hier kein effekthaschendes Retrofestival. Nein, die Klänge aus Memphis verknüpft Valerie June eher zu einem tollen gravitätischen Southern-Music-Teppich.

Kernstück der Platte von Valerie June ist die traumhafte Kollaboration mit der Soul-Legende Carla Thomas. Ja, genau die, die schon 1967 mit Otis Redding und ihrem Album "King & Queen" beim legendären Label Stax Soul-Geschichte schrieb. Der Song "Call Me a Fool" vereint Lehrerin und Schülerin zu einem kleinen Lehrstück darüber, dass man auch im Alter die Dummheit des Fehlermachens braucht, um seine Träume zu verfolgen.

"Ich glaube, dass jeder von uns seit der Kindheit Träume hat. Und wenn man älter wird, lehrt einen das Leben: Na ja, das mit deinen großen Träumen – das wird irgendwie nichts. Und in dem Song 'Call Me a Fool' bekommt der Protagonist gesagt: Du bist ein Dummkopf, wenn du nicht dem Weg folgst, den die Welt oder die Gesellschaft für dich vorgesehen hat. Der wahre Träumer aber sagt: Nein, das ist mir egal – ich verfolge weiter meine Träume."

Mitunter etwas kitschig

"The Moon And Stars: Prescription For Dreamers" – wie der Name schon sagt – will eine Anleitung für Träumer sein. Valerie Junes' Song-Träume haben manchmal etwas Missionarisches. Die Vision vom großen amerikanischen Traum der Verbrüderung klingt in dieser Dichte mitunter etwas kitschig. Bisweilen streifen die Songs mit klimpernden Glocken, Flöten und Synthesizer-Wänden esoterische Welten. Okay, das kann manchmal nerven.

Diese Songs sollte man aber nicht als Meditations-Soul missverstehen. Dafür sind sie einfach zu gut interpretiert. Valerie June hat das Erbe von Blues, Gospel und Soul verinnerlicht und mit Hilfe ihrer Wahnsinns-Stimme einen nostalgisch gesäuberten Roots-Sound erdacht. Die Botschaft mag simpel sein – die Musik ist es nicht. Reines Gold aus Memphis!

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