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Echtzeit | Beitrag vom 23.08.2014

USADie Riviera des Westens

Am Ufer von Salton Sea in der kalifornischen Wüste

Von Kerstin Zilm

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Kalifornien, Salton Sea, fotografiert am 31.10.2011 (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
Kalifornien: Salton Sea hat schon bessere Zeiten gesehen. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)

Wie eine Fata Morgana liegt mitten in der kalifornischen Wüste ein riesiger glitzernder See, der eine glamouröse Geschichte hat. An der Salton Riviera feierten Hollywoodstars, denen es in Palm Springs zu langweilig wurde. Doch das Wunder wurde zum Albtraum - einer stinkenden Einöde mit nur wenigen Zeugnissen besserer Zeiten.

August ist keine gute Zeit: 45 Grad ohne einen Flecken Schatten. Das Wasser badewannenwarm und das Allerschlimmste: Mit den trägen Wellen schwappen hunderte von toten Fischen ans Ufer.

Bombay Beach ist leer. Von den 300 Menschen, die hier laut Ortsschild leben, zeigt sich keiner. Nur verbarrikadierte Häuser, Holzschuppen, Wohnwagen, vertrocknetes Unkraut und Bretterzäune.  Bis eine Frau im Golfwagen erscheint - weiße Hose, pinkfarbenes T-Shirt, Baseballkappe über blondiertem Haar und ledriger Haut. Penny lädt ein in ihr hellgelbes Wohnmobil.

Die Fenster sind mit dunklem Stoff verhangen. Penny lässt sich auf die Bank neben dem surrenden Kühlschrank fallen. Sie erinnert sich an Yachtclubs, Wasserski und Martinis zum Sonnenuntergang - vor 50 Jahren:

"Wir hatten das Rat Pack hier, Marilyn Monroe, die Reichen und Schönen! Es war immer viel los. Besonders am Wochenende - da kamen sie aus der Stadt und haben sich ausgetobt. Dann sind sie zurück und waren wieder Ärzte und Anwälte. Hier hast du ihnen das nicht angesehen. Das waren gute Zeiten!"

Glamouröse Hochphase der 1960er

"Salton Riviera" hieß diese Gegend in den 60er-Jahren – mitten in der Wüste war in einer Salzebene ein künstlicher See entstanden, weil Jahrzehnte vorher Ingenieure versehentlich Wasser aus dem Colorado River umgelenkt hatten. Segelboote, Ausflugsschiffe und Fischerboote kreuzten über das glitzernde Wasser. Hollywoodstars fuhren in Luxus-Cabriolets am Ufer entlang. Musik und Gelächter von ihren Poolpartys schwebte über neu gebaute Bungalows und Villen. Immobilienhändler versprachen ein neues Palm Springs. Jahrzehntelang schien auch alles paradiesisch.

Doch dann sank der Wasserspiegel, der Salzgehalt von Salton Sea stieg. Die Fische starben.

Das Ufer selbst ist eine salzverkrustete Schicht aus Gräten vertrockneter Fische gespickt mit Vogeldreck. Der Gestank kroch schon bei der Anfahrt durch die Klimaanlage in Auto. Direkt am See ist er atemberaubend!

Heute kosten Grundstücke mit Strom- und Wasseranschluss hier unter tausend Dollar. Niemand will sie haben. Eine Ausnahme: Sylvester und Linda. Sie haben ihre Jobs in Los Angeles verloren und leben seit zwei Jahren in Bombay Beach. Cowboyhüte schützen sie vor Sonne beim Uferspaziergang mit ihrem Husky:

"Es ist ein Paradies. Sehr ruhig. Keine Nachbarn, die dir auf die Nerven gehen. Wir sind am Ende der Welt. Ich liebe es und möchte nirgendwo sonst leben."

Atemberaubender Gestank im Sommer

Das Notwendigste wie Dosengerichte, kalte Getränke, Sonnenschutz und Zahnpasta kaufen sie im Mini-Supermarkt am Ortseingang. Einmal im Monat fahren sie in ein Einkaufszentrum 25 Kilometer entfernt. Linda sagt: Winter und Frühling sind nach wie vor wunderbar. Im Sommer, gibt sie zu, stört sie der Gestank:

"Manchmal ist es wie ein weißes Laken, von hier bis zur anderen Uferseite, die ganze Salton Sea: tote Fische auf dem Wasser. Das würden sie in Palm Springs nicht zulassen!"

Von Zeit zu Zeit kommen Politiker und Wissenschaftler nach Bombay Beach. Sie versprechen eine Renaissance der kalifornischen Riviera. Geologen und Meeresforscher fahren mit Wasser- und Bodenproben zurück in ihre Labors.

Penny findet das alles lächerlich. Sie holt sich ein Bier aus dem Kühlschrank, zündet sich eine Zigarette an und winkt ab:

"Was finden sie raus? Es ist zu salzig, wir brauchen mehr Wasser! Das war’s! Gib mir die zwei Millionen, die ihr ihnen bezahlt, um das rauszufinden, Herrgott!"

Goldene Zeiten wird Penny an der Salten Riviera wohl nicht mehr erleben. Aber ein Hollywoodteam, das hier die perfekte Kulisse für den nächsten Science Fiction entdeckt – das wäre nicht ausgeschlossen…

Mehr zum Thema:

Meer - Vom Eintauchen, Auftauchen und Abtauchen (Deutschlandradio Kultur, Echtzeit, 23.08.2014)

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