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Studio 9 | Beitrag vom 26.10.2016

US-WahlkampfÜberraschungen nicht ausgeschlossen

Von Bettina Klein

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US-Wahlkampf 2016: Hillary Clinton und Donald Trump kämpfen um das Amt. (picture / alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)
US-Wahlkampf 2016: Hillary Clinton und Donald Trump kämpfen um das Amt. (picture / alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)

Zwei Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl touren die Kandidaten Clinton und Trump durch die umkämpften "swing states", jene Saaten, in denen ein knapper Wahlausgang erwartet wird. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, das wissen beide.

An ihrem 69. Geburtstag sieht es nicht schlecht aus für die einstige First Lady und ehemalige Außenministerin. Fast alle Meinungsumfragen sehen Hillary Clinton mehrere Prozentpunkte vor ihrem Rivalen Donald Trump.  Und auch wenn Clinton nicht alle "battleground states" schon sicher sind – sie verfügt rein rechnerisch über einen Weg zum Sieg, so werden die Statistiker nicht müde zu betonen. Anders ist das bei ihrem  Herausforderer und dessen Erklärung klingt so eindeutig wie bekannt: Das System ist schuld, die Medien sind schuld, die Umfragen. "Kaputt, manipuliert, korrupt."

Skepsis gegenüber Meinungsumfragen

Zu den Verschwörern gegen Donald J. Trump und seine Anhänger haben sich aus dessen Sicht  nun auch noch die Meinungsforscher gesellt. Wie viel die Umfragen derzeit über das tatsächliche Wahlergebnis am 8. November aussagen, das beschäftigt indes nicht nur den republikanischen Kandidaten. Der Autor, Anwalt und politische Aktivist Van Jones kommentiert auf CNN aus Sicht der Demokraten das tägliche Geschehen.

"Das ist nicht das Jahr, auf Meinungsumfragen zu vertrauen", sagt er. 

Bei der Wahlbeteiligung hätten sie in Großbritannien total danebengelegen. Am Ende habe die Leidenschaft der Brexit-Anhänger die Arroganz der Gegner übertroffen. Keine gute Zeit also  für Selbstzufriedenheit, so Van Jones.

Steigende Kosten bei der Krankenversicherung

Die Furcht vor einer ungewissen Dynamik und davor, dass Hillary am Ende doch nicht genug Wähler mobilisieren kann, ist bei den Demokraten noch immer nicht völlig verschwunden. Es sind noch zwei Wochen hin, und Clinton-Unterstützer noch auf manche Überraschung gefasst. Gingen die Neuigkeiten aus den E-Mails und Fragen nach politischen Gefälligkeiten für  Spender der Clinton-Foundation fast unter im allgemeinen Trump-Getöse, so trifft die jüngste Nachricht einen echten Nerv der Republikaner: Gewaltig steigende Kosten  bei der Krankenversicherung. 22 Prozent mehr sind für bestimmte Policen fällig. Im Durchschnitt. In Arizona etwa beträgt der Anstieg 116 Prozent. 

Wird diese Nachricht nun die Wahl verändern? Eher nicht, sagt der frühere Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, der über Jahre an Obamas Seite mit dem Thema befasst war. Die Amerikaner hätten schon 2012 durch eine Wahl von Mitt Romney Obamacare abschaffen können, bekanntlich haben sie sich anders entschieden.

Clintons Vorsprung bei weiblichen Wählern

Doch wie viel Wahlkampf-Munition Republikaner tatsächlich daraus für sich beziehen können, werden die nächsten Tage erst  zeigen. Der Vorsprung, den Hillary Clinton bei weiblichen Wählern hat, fällt indes zumindest deutlich aus. Viel deutlicher als jener den Donald Trump bei männlichen Wählern genießt. "Nasty woman" raunte Trump bei der letzten TV Debatte Hillary Clinton zu, als habe er keine anderen Argumente mehr. Ein klassisches Schimpfwort, eines das sich mit "fies", "gemein" oder "hässlich" übersetzen lässt. Und wie so häufig - seine eigenen Worte eignen sich für seine Gegner am besten, um ihn zu attackieren. Die liberale Partei-Ikone der Demokraten, Elisabeth Warren, hat "nasty woman" in eine Art Kampfbegriff verwandelt, der nun Furore macht:

"Nasty women are smart and nasty women vote!” Wir haben genug von Typen wie dir, rief sie Trump bei einer Wahl-Veranstaltung in New Hampshire zu: "Nasty women sind klug und - sie gehen wählen!"  

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