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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.09.2020

US-Wahlkampf"Seit Trump ist nichts mehr schockierend"

Carla Minami im Gespräch mit Nicole Dittmer

Eine junge Wählerin in den USA steht zwischen "Vote" Schildern. (Getty / MediaNews Group / Mindy Schauer)
Am 3. November 2020 wählen die US-Amerikaner einen neuen Präsidenten. (Getty / MediaNews Group / Mindy Schauer)

Ein alter Mann wird US-Präsident, beide Kandidaten sind über 70 Jahre alt. "Ich finde mich in dieser Politik nicht wieder", sagt die 36-jährige Carla Minami. Sie hofft, dass es nach einem Sieg von Joe Biden zumindest wieder um Fakten gehen würde.

Die erste TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden war chaotisch und laut. "Ich war etwas enttäuscht, dass es vom Ton so niveaulos war, aber ich weiß nicht, wie es hätte anders sein können mit Präsident Trump", sagt Carla Minami.

Die 36-jährige US-Amerikanerin arbeitet als Deutschlehrerin für US-Diplomaten, die nach Deutschland gehen werden. "Die Debatte war länger als die meisten Menschen, die ich kenne, es aushalten konnten. Ich habe auch nur eine Stunde zugeschaut", sagt sie.

Politisch engagiert wegen Trump

"Für mich kam die große Überraschung 2016", sagt Carla Minami, "als Trump überhaupt gewählt wurde. Seitdem ist nichts mehr schockierend." Trumps Wahl habe dazu geführt, dass sie sich politisch engagiere. Früher habe sie nicht offen ihre politische Meinung geäußert, das mache sie aber jetzt.

2018 half sie bei zwei Wahlkämpfen in Pennsylvania und Florida. "Meine Kandidaten haben in beiden Fällen nicht gewonnen. Aber es hilft auf jeden Fall, dass man das Gefühl hat, man versteht, worum es geht, man ist aktiv, arbeitet mit und beschwert sich nicht nur."

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"Ich finde mich in dieser Politik nicht wieder", so Carla Minami auch mit Blick auf die zwei derzeitigen US-Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden. Sie glaube allerdings, dass man die zwei Kandidaten nicht miteinander vergleichen könne. Außer, dass sie beide "zwei alte, weiße Männer" seien, hätten sie nichts gemeinsam. "Der eine hat zumindest eine politische Karriere, kennt sich aus, vor allem in internationalen Beziehungen. Und der andere lenkt ab durch schlechtes Benehmen, interessiert sich nicht für Fakten und lässt keinen ausreden."

Es muss wieder um Fakten gehen

"Die meisten jungen Menschen, die ich kenne, haben sich nicht Biden gewünscht", sagt Carla Minami. Andere demokratische Kandidaten seien beliebter gewesen. Nun hieße es aber für viele junge Menschen in ihrem Umfeld, eine zweite Amtszeit von Trump zu verhindern. "Ich glaube, insgesamt verstehen wir, dass wir uns hinter Biden stellen und ihn unterstützen müssen."

Sollte Biden US-Präsident werden, hofft Carla Minami vor allem, "dass wir uns wieder auf ein Niveau begeben, wo es um Fakten geht".

(nho)

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