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Vollbild | Beitrag vom 14.09.2019

US-Schauspieler Brad PittDer Mann für das Happy-End-Gefühl

Von Anna Wollner

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Brad Pitt bei einer Pressekonferenz. Er trägt eine Schiebermütze. (Geisler-Fotopress)
In interessiert mehr das Dazwischen als die eindeutige Zuordnung: Der Schauspieler und Produzent Brad Pitt. (Geisler-Fotopress)

Er ist einer der wenigen großen Filmstars, die es noch gibt: Brad Pitt. Seit August begeistert er an der Seite von Leonardo DiCaprio in „Once Upon A Time in Hollywood“. Der Schauspieler ist mit seinen 55 Jahren auf seinem Karrierehoch angekommen.

Brad Pitt strahlt eine angenehme, sympathische Verbindlichkeit aus. Der Händedruck ist fest, das Lächeln sitzt und während seiner kurzen, knappen aber pointierten Antworten guckt er einem tief in die Augen, interessiert sich für sein Gegenüber. Das ist bei einem Star seines Kalibers keine Selbstverständlichkeit – man könnte vielleicht sagen, Brad Pitt ist mit seinen 55 Jahren ganz bei sich angekommen. Und auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Auch wenn er selbst darauf angesprochen – abwinkt.

"Nein, es fühlt sich nicht anders an als sonst. Ich nehme das alles ganz anders wahr als Sie. Es gibt Filme, die werden zum Hit und es gibt Filme, die werden es nicht. Da steckt man nicht drin, aber ich gebe mir für jeden Film gleich viel Mühe. Oder sollte es zumindest tun."

Zurückhaltend und doch präsent

Brad Pitt macht keinen Unterschied in seinem Spiel, steckt immer gleich viel Arbeit in seine Rollen – egal ob er als Astronaut Roy McBride ins All fliegt oder mit Leonardo DiCaprio durch das Hollywood der späten 60er-Jahre kutschiert. Er spielt dezent, zurückhaltend und ist dennoch stets präsent. Aktuell ist er das Bindeglied zwischen dem wilden Tarantino-Kino und dem epischen Ad Astra, das ganz auf seine Bilder vertraut. Absolut unterschiedlich und doch auch mit einer großen Gemeinsamkeit: dem Glauben ans Happy End.

"Von der Stimmung her könnten die beiden Filme unterschiedlicher nicht sein. Aber sie verbindet auch etwas. Beide Figuren, Roy und Cliff, glauben daran, dass am Ende alles gut wird. Auch wenn sie komplett unterschiedliche Ansätze haben. Roy ist ernst, Cliff ist easy-peasy."

Beide Männer zeichnet eines aus: das Schweigen. Das wäre dann auch eine Gemeinsamkeit mit Brad Pitt selbst. Er spricht eigentlich gar nicht gerne. Seine Rolle in Ad Astra ist für ihn eine Art Geschenk. Ein Geschenk, das genau zur richtigen Zeit kommt, denn erst jetzt habe er die nötige Reife, eine so tiefgründige Figur spielen zu können.

"Ja, zu 100 Prozent. Früher wäre ich noch nicht reif genug für solch eine Rolle gewesen. Ich glaube auch, dass junge Zuschauer den Film nicht richtig verstehen werden. Man braucht eine gewisse Reife und Verletzungen im Leben, man muss wissen, was Verlust bedeutet, vielleicht sogar Verlust der eigenen Kinder."

Gelegenheiten am Schopfe packen

Brad Pitt kommt es immer auf die Geschichten an. Nicht nur auf der Leinwand als Schauspieler - zu seinen denkwürdigsten Rollen gehören sicherlich "Fight Club", "Sieben", die "Oceans-Reihe", "Inglorious Basterds" und "Moneyball - die Kunst zu gewinnen" –, sondern auch als Produzent. Mit seiner Produktionsfirma "Plan B" hat er sich in Hollywood einen gewissen Ruf erarbeitet. Produziert die Filme, von denen andere lieber die Finger lassen und folgt bei der Auswahl seiner Projekte seinem Bauchgefühl.

"Ich gehe da immer nach meinem Bauchgefühl, verlasse mich auf meine Instinkte. Ich bin da ganz ähnlich wie Cliff Booth in 'Once Upon A Time in Hollywood'. Ich nehme Gelegenheiten, die sich ergeben mit, ohne groß darüber nachzudenken."

Nicht groß drüber nachdenken, das war auch bei Ad Astra sein Ansatz. Und der gemeinsame Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit Regisseur James Grey.

"James Grey und ich wollten schon immer mal gemeinsam einen Film machen, seinen letzten, 'Lost City of Z' habe ich produziert. Ich habe ihm hier einfach vertraut, denn wir wussten beide nicht so richtig, wie groß oder klein dieser Film werden wird. Und um ehrlich zu sein, wissen wir es immer noch nicht."

Die Zwischentöne sind interessanter

Ad Astra ist aus produktionstechnischer Sicht ein nahezu unzähmbares Biest. Die Dreharbeiten haben Grey und Pitt an ihre Grenzen getrieben. Vor allem wegen der technischen Herausforderungen. Beide scherzen über einen Vergleich zu den harten Dreharbeiten von Coppola in "Apocalypse Now". Nur jetzt eben im All und nicht im Dschungel.

Brad Pitt, der einstiege Schönling, steht mittlerweile für eine Art Film, die in Hollywood selten geworden ist. Komplexe Geschichten, ohne das klassische Teilung von Gut und  Böse, ähnlich wie im Kino der 70er-Jahre – Pitts Referenz an seine eigene Jugend.

"Ich will gute, komplexe Geschichten erzählen. Ich bin in den 70ern groß geworden, mit den Filmen dieser Zeit. Das ist noch immer meine Messlatte. Die Filme damals waren oft komplizierter als heute, vielschichtiger. Wer ist der Gute, wer ist der Böse?"

Als Produzent ist es ihm wichtig, die Lücke zu füllen, die in der amerikanischen Filmproduktion immer größer wird: Den klassischen Mittelbau zwischen den Extremen der großen Blockbuster und den Low oder No Budget Independent-Produktionen.

"Als Produzent merke ich immer wieder, dass es extrem kleine und extrem große Filme gibt. Aber es fehlt das Dazwischen, die goldene Mitte. Mit meiner Produktionsfirma Plan B versuchen wir diese Lücke zu füllen. Interessante Filme von interessanten Filmemachern. Das definiert mich als Produzent. ´Selma` zum Beispiel, die Martin Luther-King-Geschichte haben wir über sieben Jahre versucht umzusetzen. Erst durch den Erfolg mit ´12 Years A Slave` konnten wir ´Selma` machen. Das war quasi der Türöffner."

Projekt gezielt ausgesucht

"12 Years A Slave", "Selma", "Moonlight", "If Beale Street Could Talk" oder ganz aktuell in Vorbereitung die Colson-Whitehead-Serienadaption "Underground Railroad". Brad Pitt sucht sich auch als Produzent seine Projekte ganz gezielt aus. Nur in einer Sache werden wir Brad Pitt wohl niemals sehen. In einer Comicverfilmung als Superheld.

"Gott bewahre. Ich kann damit nicht so viel anfangen. Ich war auch nie der Star-Wars-Typ. Selbst als Kind war ich von der klassischen Gut-gegen-Böse-Geschichte gelangweilt. Ich mochte ´Alien`."

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