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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 04.05.2016

US-PräsidentschaftswahlenTrump beschädigt das Ansehen des ganzen Landes

Von Marcus Pindur

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Donald Trump bei einer Parteiveranstaltung der US-Republikaner (dpa / picture alliance / Erik S. Lesser)
Donald Trump bei einer Parteiveranstaltung der US-Republikaner (dpa / picture alliance / Erik S. Lesser)

Seine letzten Konkurrenten haben das Handtuch geworfen: Donald Trump wird damit Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Dass der gesamte Westen derzeit von Populisten überschwemmt werde, sei kein Zufall, kommentiert unser USA-Korrespondent Marcus Pindur.

Es hatte sich schon abgezeichnet in den letzten Wochen, aber nun ist es politische Realität: Donald Trump wird der Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei. Für viele Republikaner ist das, wie der gesamte Verlauf der Vorwahlen, ein Albtraum - ebenso übrigens wie für viele andere Amerikaner.

Sie sehen das Ansehen ihres Landes beschädigt durch einen frauenfeindlichen, fremdenfeindlichen, muslimfeindlichen, elitenfeindlichen, intellektuellenfeindlichen – und überhaupt ressentimentgesteuerten Kandidaten. Politische Inhalte – weitestgehend Fehlanzeige. Kompetenz wird ersetzt durch Ressentiment und Rabulistik.

Gefolge der großen Wirtschafts- und Finanzkrise

Die Welle des Populismus brandet derzeit in der gesamten westlichen Welt auf. Ob in Frankreich mit dem Front National, in Deutschland der AfD oder in England der UKIP-Partei. Es ist kein Zufall, dass diese Parteien und Bewegungen im Gefolge der großen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 zugelegt haben und aus ihrer Randexistenz heraustreten konnten.

Für die amerikanischen Republikaner ist die Lage verzweifelt. Trump repräsentiert nämlich eben nicht die republikanische Orthodoxie aus Steuererleichterungen für Höchsteinkommen, Ablehnung von staatlicher Hilfe zur Gesundheitsvorsorge und reaktionärem Kulturkonservatismus, der sich am deutlichsten in Homophobie und einer nicht enden wollenden Ablehnung jeglicher Kompromisse in der Abtreibungsfrage äußert.

Trump repräsentiert gerade diejenigen republikanischen Wähler, die von dieser Orthodoxie nicht profitieren. Normalverdiener, die keinen Collegeabschluss haben und die von der Globalisierung und freiem Handel besonders bedroht sind. Diejenigen, die auf gute öffentliche Schulen und ein bezahlbares College angewiesen sind.

Ein Wolkenkuckucksheim und das Blaue vom Himmel

Trump verspricht ihnen ein Wolkenkuckucksheim und das Blaue vom Himmel – und auch viele sogenannte Besserverdienende schließen sich dem autoritären Politikmodell an. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg, und Trump hat jetzt freie Bahn. Nicht wenige republikanische Politiker werden ihm folgen – Opportunismus ist die Cleverness der Rückgratlosen.

Doch viele werden sich Trump nicht anschließen. Viele republikanische Wähler werden im November nicht zur Wahl gehen, einige werden sogar Hillary Clinton wählen. In der allgemeinen Wahl ist die Wählerschaft in der Regel gemäßigter und steht politisch mehr in der Mitte.

Zwei Drittel aller Amerikaner sagen, dass sie Trump nicht mögen. Die Frage ist, wie weit die Versuchung des Populismus in die Mitte der Gesellschaft reicht. Derzeit kann dies niemand seriös vorhersagen. 

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