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Kompressor | Beitrag vom 29.03.2021

US-Poetin Amanda GormanWie übersetzt man "The Hill We Climb"?

Kübra Gümüşay, Hadija Haruna-Oelker und Uda Strätling im Gespräch mit Timo Grampes

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Die US-amerikanische Dichterin Amanda Gorman während der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden.  (picture alliance / Captital Pictures / RS / MPI)
Der Auftritt machte sie schlagartig berühmt: Die US-amerikanische Dichterin Amanda Gorman während der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden. (picture alliance / Captital Pictures / RS / MPI)

Wer soll Amanda Gormans "The Hill We Climb" ins Niederländische übertragen? Die Frage sorgte für Wirbel, wurde schnell zur Identitätsdebatte ausgeweitet. Hierzulande haben drei Frauen das Gedicht übersetzt. Im Kompressor erzählen sie von der Arbeit.

Der Auftritt der damals 22-jährigen Spoken-Word-Dichterin bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden Ende Januar macht Amanda Gorman weltbekannt. Ihr Gedicht "The Hill We Climb" ist ein Aufruf, die Spaltung der US-Gesellschaft zu überwinden.

Ende Februar wurde die Wertschätzung für die Künstlerin dann überlagert von einer Debatte: In den Niederlanden sollte das Gedicht durch die weiße Übersetzerin Marieke Lucas Rijneveld übertragen werden. Das beschrieb die Publizistin Janice Deul als verpasste Chance. Schnell wurde die Kritik verkürzt und zugespitzt auf die Frage, wer was übersetzen "darf".

Marieke Lucas Rijneveld zeigte Verständnis für die Kritik Deuls und gab den Übersetzungsauftrag zurück.

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Die deutsche Übertragung war zu diesem Zeitpunkt schon fertig, der Verlag Hoffmann und Campe hatte sich für ein Trio aus der Übersetzerin Uda Strätling, der Publizistin Kübra Gümüşay und der Journalistin Hadija Haruna-Oelker entschieden. In einem Kompressor Deluxe berichten sie von ihrer Zusammenarbeit und beziehen Stellung zur Debatte.

Verkürzte Debatte über Identität und Rassismus

"Ich denke, dass sich in den letzten Wochen sehr klar hervorgehoben hat, dass es ein sehr verkürztes Verständnis davon gibt, was eigentlich diejenigen, die eine gerechtere Sprache, eine gerechtere Gesellschaft, eine rassismuskritischere, geschlechtergerechtere Gesellschaft fordern, eigentlich wirklich möchten", betont Kübra Gümüşay in Bezug auf die Debatte über die Amanda-Gorman-Übersetzungen.

"Das Ziel ist nicht zu sagen, alle müssen nur noch aus ihrer rassifizierten Kategorie heraus sprechen, also immer sagen: Ich als weißer Mensch, ich als Schwarze Person, ich als muslimische Person, ich als homosexuelle Person. Sondern: Das Benennen der jeweiligen Position ist ja nur notwendig, um sichtbar zu machen, welche Mauern sich durch unsere Gesellschaft ziehen. Der zweite Schritt ist ja, diese Mauern aufzubrechen, sodass sie offenere, facettenreichere, verbindendere Gesellschaften sein können, in denen Menschen wirklich selbstbewusst, respektvoll, friedvoll miteinander leben können."

Literaturbetrieb ist sehr homogen

Ist ein sensiblerer Umgang diesbezüglich bei der deutschen Übersetzung des Gedichts "The Hill We Climb" gelungen? Hadija Haruna-Oelker bewertet die Zusammenarbeit jedenfalls positiv. Sie sah in der Arbeit in einem "intersektionalen oder mehrperspektivischen oder mehrfach Diskriminierungen im Blick habenden Team", eine Chance, mit Sprache zu arbeiten: "Wo es quasi eine Expertin für Lyrikübersetzungen gibt, dann mit der Kollegin Kübra Gümüşay, die ganz klar zum Thema Sprachsensibilität in Mehrsprachigkeit arbeitet, und mir, die die Schwarze Perspektive mitbringt."

Schließlich habe die Publizistin Janice Deul in der Debatte darauf hingewiesen, dass "es im Literaturbetrieb einfach sehr homogen zugeht, und wir sozusagen fragen müssten: Was muss man eigentlich tun, um im Literaturbetrieb zur Kenntnis genommen zu werden? Und da geht es natürlich um weitaus mehr als Hautfarbenfragen, sondern auch um Habitus, um Klasse und andere Themen."

Für sie sei die Zusammenarbeit sehr erhellend gewesen, betont auch die Übersetzerin Uda Strätling, weil sie einen anderen Einblick in die Schwierigkeiten der Begrifflichkeiten erhalten habe: "Dass ich nicht ohne Weiteres etwas als problematisch, diffamierend, kränkend empfunden hätte, wenn ich nicht noch einmal auf das Verständnis hierzulande hingewiesen worden wäre."

(lkn)

Hören Sie auch dien Beitrag "Tanz durch die Sprache: Die Gorman-Übersetzerinnen über ihre Arbeit" von Matthias Dell: 

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