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Kompressor | Beitrag vom 02.07.2018

US-Journalist Jamie DupreeWie ein Radiomoderator seine Stimme zurückbekam

Von Guido Meyer

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Ein Mann steuert über ein Lenkrad ein Megafon im Kopf eines Mannes. (imago/Ikon Images)
Ein Mann steuert über ein Lenkrad ein Megafon im Kopf eines Mannes. (imago/Ikon Images)

Der US-Radiomoderator Jamie Dupree kann wegen einer seltenen Nervenkrankheit nur noch schwer reden. Mit Hilfe eines Computers moderiert er trotzdem wieder. Und das klingt fast echt.

Atlanta, Georgia - eine der zehn größten Städte der USA. Fast sechs Millionen Menschen leben hier. Die Unternehmen Coca Cola und CNN haben hier ihren Sitz - und: WSB. Die Region um Atlanta hat einen eigenen Radiosender für Verkehr, Wetter vor Ort und für Nachrichten aus der Region. Selbst für Nachrichten aus dem fernen Washington leistet sich der Sender einen Korrespondenten: Jamie Dupree, der - nach Einschätzung von WSB - "best vernetzte Mann in Washington".

Am 14. Juni 2016 war Jamie Duprees letzter Auftritt on air. Kurz darauf befiel Jamie Dupree eine seltene Nervenkrankheit, dystonische Zungenprotrusion. Sie unterbindet die Weiterleitung von Befehlen aus dem Sprachzentrum im Gehirn an die Zunge. Das Sprechen wird so gut wie unmöglich. Jamie Dupree behalf sich notdürftig, indem er bei Sprechversuchen einen Kugelschreiber in den Mund nahm.

Sprachschnipsel aus 30 Jahren zusammengestellt

Es falle ihm schwer, seitdem nur noch Onlineartikel schreiben zu können und nicht mehr auf der Antenne zu sein - aber er arbeite an seinem Comeback, so der heute 54-Jährige. Das dauerte zwei Jahre. Vor wenigen Tagen überraschte WSB-Morgen-Moderator Scott Slade seine Hörer mit der Ankündigung: Jamie ist nicht geheilt - aber er kehrt trotzdem zurück.

Einer Hightech-Firma in Europa sei es gelungen, Jamies Stimme technisch zu rekonstruieren. Herausgekommen sei eine synthetische Stimme: Jamie Dupree 2.0. Das Unternehmen CereProc im schottischen Edinburgh hat sich der dreißig Jahre Berufserfahrung Jamie Duprees bedient. Das heißt: Es hat Archivmaterial ausgewertet, gesampelt, auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt. Jedes einzelne Wort wurde in hundert einzelne Audiofiles zerlegt - mal war die Stimme oben, mal unten, mal hatte Jamie ein-, mal ausgeatmet.

Jamie Dupree klingt ein bisschen wie Siri und Stephen Hawking

In der vergangenen Woche dann war es soweit: Nach zwei Jahren Schweigen war Jamie Dupree - oder besser: Jamie Dupree 2.0 - wieder auf der Antenne zu hören. Der künstliche Jamie Dupree klingt ein bisschen nach Siri, ein bisschen wie Stephen Hawking.

James Cridland berät Radiosender weltweit. Er kommentiert diese Technik ironischerweise auch per CereProc-Software: Die Technologie sei noch nicht perfekt, aber schon einigermaßen nahe daran, sich wie ein Mensch anzuhören. Und Jamie Dupree selbst sagt: Wenn er nach wie vor seinen Lieblingsmoderator hören könne, der ihm binnen einer Stunde all das mitteilt, was er als Hörer wissen müsse, sei das doch sehr erfreulich. 

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Die eigene Stimme - vom Computer gerettet
(Deutschlandfunk Kultur, Elektronische Welten, 14.01.2008)

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