Seit 17:50 Uhr Deutschlandfunk Kultur - Das Wahlstudio
Sonntag, 26.09.2021
 
Seit 17:50 Uhr Deutschlandfunk Kultur - Das Wahlstudio

Studio 9 | Beitrag vom 09.08.2014

US-Intervention im IrakEinsatz von Dauer?

Strategien für eine Stabilisierung des Landes

Von Marcus Pindur

Kurdische Peschmerga-Kämpfer im Nordirak auf einem Panzer nahe der Frontlinie von Khazer, 40 Kilometer westlich von Arbil. ( AFP / SAFIN HAMED)
Kurdische Peschmerga-Kämpfer nahe der Front westlich der Stadt Arbil. ( AFP / SAFIN HAMED)

US-Präsident Obama will keinesfalls Bodentruppen in den Irak entsenden. Die meisten Militärexperten glauben aber nicht, dass Luftangriffe allein ausreichen, um die ISIS-Kämpfer zurückzudrängen.

Vizepräsident Biden habe mit dem irakischen Präsidenten Fuad Masum telefoniert und ihn der Unterstützung der USA versichert, hieß es in einem Statement des Weißen Hauses. Wie weit diese Unterstützung gehen soll, und welche Rolle die USA dabei spielen sollen, ist allerdings umstritten. In Washington fürchtet man den sogenannten "Mission Creep" – das heißt, dass ein ursprünglich als kurze Intervention gedachter Einsatz sich mehr und mehr ausweitet und eine Eigendynamik entwickelt.

Obama selbst hatte erklärt, die USA könnten nicht die Probleme des Iraks lösen – und Bodentruppen seien ausgeschlossen:

"Als Oberkommandierender werde ich es nicht zulassen, dass die USA in einen weiteren Krieg im Irak gezogen werden. Wir unterstützen die Iraker im Kampf gegen diese Terroristen, aber amerikanische Bodentruppen werden nicht in den Irak zurückkehren."

Keine Bodentruppen - das ist Konsens

Das ist weitgehend Konsens in Washington. Und dennoch bleiben Fragen nach Ausmaß, Ziel und Strategie des Einsatzes. Führende Republikaner reagierten zurückhaltend. Der republikanische Senator John McCain sprach von einem halbherzigen Vorgehen und forderte weitaus entschlossenere Schritte. Je länger man zögere, desto größer werde die Bedrohung durch ISIS. Auch die demokratische Senatorin Dianne Feinstein äußerte Zweifel, ob vereinzelte Luftangriffe die Terrormiliz dauerhaft abschrecken könnten.

Die meisten Militärexperten glauben nicht, dass es bei einem kurzen, punktuellen Einsatz bleiben kann, so zum Beispiel der ehemalige Luftwaffenoffizier Cedric Leighton:

"Luftangriffe können sehr effektiv sein. Sie sind in jeder militärischen Strategie unabdingbar. Aber sie müssen gekoppelt sein an alle anderen militärischen und diplomatischen Elemente. Und das sehe ich derzeit nicht."

US-Politiker fordern Hilfe für die kurdische Peschmerga-Miliz

Schnelle Unterstützung der irakischen Armee und besonders der kurdischen Peschmerga-Miliz sei unabdingbar. Das ist der Tenor vieler Stimmen in Washington. Der ehemalige Staatssekretär im Außenministerium, Mark Kimmitt:

"Mein Gefühl sagt mir, dieser Einsatz ist ein Anfang, aber es ist gewiss nicht das Ende. Die Strategie der Obama-Administration, erst eine funktionierende Regierung in Bagdad zu haben und dann über militärische Hilfe zu entscheiden, ist jedenfalls auf den Kopf gestellt worden. Das ist der Beginn einer längeren Intervention, in deren Rahmen die USA Hilfe für die irakische Regierung und die Kurden leisten muss."

Unterdessen kündigte die Regierung an, sie werde den Kongress in Kürze formal informieren. Die sogenannte "War Powers Resolution" aus dem Jahr 1973 legt fest, dass der Präsident das Parlament innerhalb von 48 Stunden formal über ein militärisches Vorgehen in Kenntnis setzen muss. Spätestens nach 60 Tagen muss der Kongress dem Einsatz zustimmen. Bislang hat kein amerikanischer Präsident die "War Powers Resolution" anerkannt.

Das Weiße Haus teilte unterdessen mit, dass Obama trotz der Luftangriffe wie geplant heute seinen Sommerurlaub auf der Insel Martha's Vineyard antreten werde. Der Präsident werde auch an seinem Urlaubsort mit seinen Beratern konferieren und Entscheidungen treffen können, versicherte sein Sprecher Josh Earnest.

Mehr zum Thema

Irak - Kurden kämpfen für ihren eigenen Staat (Deutschlandfunk, Eine Welt, 09.08.2014)
Jesiden im Irak - Eine Minderheit als Verhandlungsmasse (Deutschlandfunk, Themen der Woche, 09.08.2014)
Nordirak - Neue Kämpfe zwischen Kurden und IS-Miliz (Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 09.08.2014)
Irak - "Amerikaner haben damals nur Chaos angerichtet" (Deutschlandfunk, Interview, 09.08.2014)
Grenzregion Irak - "Ein Flüchtlingstreck neben dem nächsten" (Deutschlandfunk, Interview, 09.08.2014)
Nach US-Luftangriffen im Irak - Atempause für Kurden-Kämpfer (Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 09.08.2014)
Nach Intervention im Irak - US-Debatte über Ausmaß und Ziele (Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 09.08.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

Tsitsi Dangarembga: "Überleben"Verinnerlichte Verachtung
Cover des Buchs "Überleben" von Tsitsi Dangarembga. (Deutschlandradio / Orlanda)

Mit "Überleben" schließt die simbabwische Autorin Tsitsi Dangarembga ihre Trilogie um Tambudzai Sigauke ab. Für diese gibt es kein Entrinnen aus einem Leben, in dem Frauen weniger Wert sind als Männer. Das Schlimmste aber: Tambu glaubt selbst daran.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur