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Zeitfragen | Beitrag vom 06.08.2019

US-Handelskrieg mit ChinaDie amerikanischen Farmer leiden

Von Thilo Kößler

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Ein Mann mit Basecap und brauner Jacke, der von hinten zu sehen ist,  steht auf einem riesigen Feld mit Sojapflanzen. (imago images / Design Pics / Scott Sinclier)
Ein Farmer in Iowa schaut über sein Sojafeld: Die Preise sind seit Mai 2018 um 20 Prozent gesunken. (imago images / Design Pics / Scott Sinclier)

Abgeschiedene Farmer, die vom Weltmarkt abhängig sind: Für die Sojabauern im US-Bundesstaat Iowa sieht es wegen des von Präsident Donald Trump angezettelten Handelskrieges gerade nicht gut aus – weil große Teile ihrer Ernte nach China gehen.

Ein Hof im Südwesten Iowas, gelegen an einem kleinen Sträßchen, das nach Nodaway führt. Das ist ein Dorf mit 100 Einwohnern, das zweimal am Tag vom Güterzug auf der Strecke von Burlington nach Santa Fé aufgeschreckt wird.

Bill Shipley steigt aus dem Führerhaus seines Traktors: 59 Jahre alt, Bauchansatz unter dem karierten Hemd. Getönte Brille, eine Schirmmütze über dem freundlichen runden Gesicht.

Bill Shipley ist hier geboren und aufgewachsen. Er sei Farmer aus Leidenschaft, sagt er. Er liebe den Blick über seine Felder, die Abgeschiedenheit. Andere brauchten vielleicht Berge, er brauche das hier: die Weite seines Ackerlandes unter dem blauen Himmel von Iowa.

Abhängig vom globalen Sojamarkt

Abgeschieden, aber vom Weltmarkt abhängig: Ganz Iowa lebt mit und von diesem Widerspruch. Auch Bill Shipley baut Soja an, wie die meisten Farmer in diesem Agrarstaat. Und ein bisschen Mais. Seine Sojaernte geht in alle Welt – vor allem nach China. 1300 Acres, etwa 500 Hektar, bewirtschaftet er mit seinem Sohn Trevor, der nebenbei ein paar Schweine hält. Mais für die Viehzucht. Und Soja für die Welt.

Diese doppelte Monokultur rächt sich jetzt. Seit einem Jahr gebe es nur noch ein Thema bei den Farmern, sagt Bill Shipley.  Die Farmer seien in allergrößter Sorge, sagt er und bezieht sich selbst mit ein. Seit Mai 2018 sind die Sojapreise um 20 Prozent gesunken.

Damals begann der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Doch Bill Shipley hält weiterhin zu seinem Präsidenten. Allerdings beschleichen ihn erste Zweifel, weil der Konflikt jetzt schon so lange dauert.

Handelskrieg auf Kosten der Agrarindustrie

Bill Shipley ist selbst von der Krise betroffen – wie sehr und existentiell, will er nicht sagen. Aber Donald Trumps Handelskrieg habe alle Farmer in Mitleidenschaft gezogen, sagt Chad Hart, Agrarökonom von der State University of Iowa.

Man liege mit 300 Millionen Bushel – das ist die Maßeinheit für Sojabohnen – hinter der früheren Exportrate zurück. Allerdings sind nicht nur die Sojabauern betroffen. Mit dem Sojapreis seien auch die übrigen Getreidepreise gefallen, sagt Chad Hart: Die ganze Agrarindustrie sei wegen dieses Handelskonflikts in Mitleidenschaft gezogen worden.

Unlängst kündigte Trump weitere Strafzölle gegen China an – in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Güter im Wert von 300 Milliarden Dollar. Erst gestern reagierte China und setzte den Kauf von US-Agrarprodukten aus. Chad Hart spricht von einem beispiellosen Handelskrieg, der zwischen den USA und China tobe.

Nur Verlierer, keine Gewinner

Dabei wisse jeder, dass es bei Handelskriegen nur Verlierer gebe, aber niemals Gewinner. Und dass die Folgen langfristig seien. Der Handelsaustausch werde nachhaltig unterbrochen, erklärt Chad Hart. Verlorene Märkte ließen sich niemals ganz wieder zurückgewinnen.

Nachdem die Trump-Administration im vergangenen Jahr der US-Landwirtschaft bereits 11 Milliarden Dollar an Subventionszahlungen zukommen ließ, um die erlittenen Verluste der Farmer auszugleichen, sollen nun noch einmal 16 Milliarden an Bundesmitteln nachgeschossen werden.

Hoffen auf Trumps großen Plan

Das sei ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Bill Shipley auf seinem Hof im Südwesten Iowas. Im Übrigen wolle er auf dem Weltmarkt Geschäfte machen – und nicht alimentiert werden. Insgeheim setzt Bill Shipley darauf, dass Donald Trump einen großen Plan hat, der am Ende aufgehen wird.

Und wenn nicht? Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten, sagt Bill Shipley. Entweder man komme besser aus dieser Krise heraus, als man hineingegangen sei. Oder es drohe eine absolute Katastrophe.

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