Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kulturnachrichten

Dienstag, 27. Dezember 2016

US-Astronomin Vera Rubin gestorben

Rubin erforschte Dunkle Materie

Die US-Astronomin Vera Rubin ist tot. Die Forscherin, die mit Arbeiten zur Rotation von Galaxien und zu Dunkler Materie bekannt wurde, sei am Sonntag im Alter von 88 Jahren in der Gegend von Princeton gestorben, teilte ihr Sohn Allan mit. Rubin hatte herausgefunden, dass Galaxien nicht mit der aufgrund vorheriger Beobachtungen angenommenen Geschwindigkeit um ihr Zentrum rotieren. Dies galt als starkes Argument für die Richtigkeit der Theorie der unsichtbaren Dunklen Materie. Diese macht bis zu 27 Prozent des Universums aus - nur fünf Prozent sind normale Materie. Rubins wissenschaftliche Arbeiten wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Unter anderem wurde sie in die US-Akademie der Wissenschaften aufgenommen - als zweite Frau überhaupt.

Lenin-Denkmäler in Ukraine abgerissen

Keine Spuren der kommunistischen Vergangenheit

In der Ex-Sowjetrepublik Ukraine sind im ablaufenden Jahr 1320 Denkmäler des sowjetischen Staatsgründers Lenin abgerissen worden. 51 500 Straßen hätten neue Namen bekommen, die nicht mehr an die kommunistische Vergangenheit erinnern, teilte das staatliche Institut für nationales Gedenken am Dienstag in Kiew mit. Parlament und Regierung setzen darauf, strikt sowjetische und russische Relikte in der Ukraine zu tilgen. Viele Einzelfälle sind aber umstritten, so die Umbenennung der Millionenstadt Dnipropetrowsk in Dnipro. In Kiew wurde die wichtige Straße Moskauer Prospekt in Bandera-Prospekt umbenannt. Der nationalistische Politiker Stepan Bandera (1909-59) gilt vielen in der Westukraine als Nationalheld des Widerstands gegen die Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkriegs, bei anderen Ukrainern ist er als Nazi-Kollaborateur verfemt.

"Folkwang-Raum" für Essen gesichert

Museum Folkwang kauft Arbeit von Wolfgang Tilmans

Das Museum Folkwang hat für seine renommierte Fotografische Sammlung einen Werkkomplex von Wolfgang Tillmans erworben. Mit Unterstützung von Stiftungen und Förderern sei der "Folkwang Raum" von Tillmans für die Essener Sammlung gesichert worden, teilte das Museum mit. Der Fotokünstler hatte den Raum mit 15 Originalarbeiten aus den Jahren 1985 bis 2014 eigens für das Museum Folkwang konzipiert. Im "Folkwang Raum" findet sich das Motiv des Entdeckens und des Vergrößerns wieder. Für Tillmans selbst stelle der Raum einen "spezifischen Querschnitt" durch sein Werk dar. Wolfgang Tillmans gehört weltweit zu den wichtigsten Fotokünstlern.

Teheran-Ausstellung in Berlin abgesagt

Kunstaustausch wurde zum Politikum

Die Ausstellung mit Schlüsselwerken einer spektakulären iranischen Kunstsammlung aus dem Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst kommt nicht nach Berlin. Der Iran habe bislang immer noch keine Ausfuhrgenehmigung für die Kunstwerke erteilt, erklärte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Die Stiftung habe deshalb den Kooperationsvertrag mit dem Teheran Museum of Contemporary Art gekündigt. "Weitere Verzögerungen in der Ausstellungsplanung der Staatlichen Museen zu Berlin waren jetzt nicht mehr vertretbar." Die Ausstellung sollte 30 Werke der westlichen und iranischen Avantgarde in der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum zeigen. Ein erster Eröffnungstermin Anfang Dezember war bereits verschoben worden. Zuletzt hatte die Stiftung gehofft, die Sammlung ab Januar zeigen zu können. Für die Schau in Berlin sollte die Sammlung erstmals den Iran verlassen. Sie beinhaltet unter anderem Werke von Jackson Pollock, Mark Rothko und Francis Bacon, aber auch Werke der iranischen Moderne, etwa von Faramarz Pilaram, Mohsen Vaziri Moghadam oder Behjat Sadr.

Gründerin der "Sibylle" gestorben

Ihre Modezeitschrift war "zu französisch" für die DDR

Die Gründerin der DDR-Modezeitschrift "Sibylle", Sibylle Boden-Gerstner, ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Das teilte die Kunsthalle Rostock unter Berufung auf die Familie mit. In Rostock ist derzeit eine Ausstellung über die "Sibylle" zu sehen. Boden-Gerstner war Malerin, Kostümbildnerin und Autorin. Sie wurde 1920 in Breslau als Tochter einer deutsch-jüdischen Familie geboren. Sie studierte in Berlin und Paris Mode, Malerei und Illustration. Später arbeitete sie auch für die DEFA und schuf unter anderem die Kostümentwürfe für den Film "Die Geschichte vom kleinen Muck". 1956 erhielt sie den Auftrag, die Konzeption für eine international orientierte, anspruchsvolle DDR-Mode- und Kunstzeitung zu entwickeln. Nach Kritik an ihrer Modekonzeption als "zu französisch" verließ sie die Redaktion 1961.

Journalistin in Bagdad entführt

Kritik an Korruption im Irak

In Bagdad ist eine Journalistin und Aktivistin entführt worden. Die bewaffneten Täter drangen nach Angaben des irakischen Innenministeriums in das Haus von Afrah Schauki al-Kaisi ein. Sie ist seit langem als Journalistin tätig und eine Angestellte des irakischen Kulturministeriums. Al-Kaisi gilt als vehemente Kritikerin der grassierenden Korruption im Land. Am Montag hatte sie in einem Artikel einen Beamten des Innenministeriums kritisiert, der in der südirakischen Stadt Nassirijah einen Schulleiter vor Schülern und Lehrern heftig geschlagen hatte. Der Schulleiter hatte sich geweigert, einen Schüler zu bestrafen, der sich mit der Tochter des Beamten gestritten hatte. Unter Berufung auf Aussagen ihrer Familie erklärte die Beobachtungsstelle für journalistische Freiheiten mit Sitz in Bagdad, acht Bewaffnete in mindestens zwei Fahrzeugen hätten sich als Sicherheitskräfte ausgegeben und eine Hausdurchsuchung eingefordert. Im Haus hätten sie dem 16-jährigen Sohn Al-Kaisis Handschellen angelegt und Gold, Geld, Telefone, Laptops und ihr Auto mitgenommen. Ihren nebenan wohnenden Schwager hätten die Bewaffneten verprügelt. Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi wies die Sicherheitskräfte an, alles zu tun, um Al-Kaisi zu retten. Der Irak gilt als eines der weltweit gefährlichsten Länder für Journalisten. Seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003 gerieten dort zahlreiche Medienvertreter ins Visier von Extremisten.

Buchbranche für Freilassung von Asli Erdogan

Vor Prozessbeginn in Istanbul

Als "Farce" hat der Dachverband der deutschen Buchbranche den bevorstehenden Prozess gegen die inhaftierte türkische Autorin Asli Erdogan kritisiert. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verlangte in Frankfurt erneut die Freilassung der Schriftstellerin. Zugleich wurden die Bundesregierung und die EU-Kommission aufgefordert, die Meinungsfreiheit in der Türkei kompromisslos einzufordern. Die Verhandlung gegen die seit August wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation inhaftierte Erdogan soll am 29. Dezember in Istanbul beginnen. Die Autorin schrieb unter anderem Kolumnen für die per Notstandsdekret geschlossene prokurdische Zeitung "Özgür Gündem". Anfang November hatte Asli Erdogan in einem Brief aus der Haft an den Sender Deutsche Welle die Situation in der Türkei als "extrem besorgniserregend" beschrieben. "Europa unterschätzt die Gefahren des totalen Verlusts der Demokratie in der Türkei", mahnte die Schriftstellerin.

Hackerkongress ruft zu Vernetzung auf

Gegen Hass und Rechtspopulismus

Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Vorgehen gegen Hass und Ignoranz hat der Chaos Computer Club (CCC) den größten europäischen Hackerkongress eröffnet. Die Bloggerin Anna Biselli forderte die 12 000 Teilnehmer dazu auf, sich zu vernetzen und gemeinsam für eine bessere Welt einzutreten. Man könne sich nicht "unter einer gemütlichen Decke verstecken", sagte Biselli. Die Freiheiten der Menschen würden zunehmend eingeschränkt, kritisierte sie. Die Aktivistin Elisa Lindinger, die in der Open Knowledge Foundation für freies Wissen eintritt, sprach mit Bezug auf das Kongressmotto "Works for Me" ("Funktioniert für mich") von einer Welt voller Fehler. Nichts scheine mehr zu funktionieren. Statt mit den Ideen einer vernetzten Welt sei man mit Isolation, Depression und Hass konfrontiert. Die Veranstalter wollen mit dem diesjährigen Motto eine typische Haltung von Software-Entwicklern und anderen Gruppen infrage stellen: Wenn für sie selbst etwas funktioniert, kümmern sie sich nicht weiter um mögliche Probleme. Der 33. Chaos Communication Congress geht noch bis Freitag und ist seit Wochen ausverkauft. Neben aktuellen Problemen wie Cyberangriffen oder Datenklau beschäftigt die Hacker auch das Thema Rechtspopulismus, zu dem mehrere Vorträge geplant sind.

Britische Schauspielerin Liz Smith gestorben

Karrierebeginn mit 50 Jahren

Die britische Schauspielerin Liz Smith ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Noch mit weit über 80 Jahren spielte sie sowohl komödiantische als auch ernste Rollen im Fernsehen und auf der Bühne. Nach Angaben eines Sprechers der Familie starb Smith bereits an Heiligabend. Für ihre Leistungen war sie mehrfach geehrt worden. Smith trat in populären TV-Serien auf, etwa in der Komödie "The Royle Family". Im Kinofilm "Charlie und die Schokoladenfabrik" mit Johnny Depp in der Hauptrolle spielte sie die Großmutter Georgina. Erst mit knapp 50 Jahren hatte die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern mit der Schauspielerei begonnen. Im Alter von 87 Jahren kündigte sie nach einem Schlaganfall an, in Rente gehen zu wollen.

Bavariathek dokumentiert Bombenentschärfung

Neues Regensburger Museum ab 2018

Im künftigen Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg soll die jüngste Entschärfung der britischen Fliegerbombe in Augsburg dokumentiert werden. Das sagte der stellvertretende Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Peter Wolf, dem Bayerischen Rundfunk. Um die 1,8 Tonnen schwere Bombe zu entschärfen, waren am ersten Weihnachtsfeiertag rund 54.000 Menschen aus der Innenstadt evakuiert worden. Es handelte sich um die größte Aktion dieser Art in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Für die Bavariathek im Museum, das 2018 eröffnet werden soll, wird eine Reihe von Fernseh- Hörfunk- und Online-Berichten zusammengestellt. Ob die Fliegerbombe selbst zum Ausstellungsstück werde, blieb offen. Wegen des Gewichts könnte es statische Probleme geben, selbst wenn der Sprengstoff beseitigt werden würde.

Thierse: Gemeinsam gegen Hetze im Internet

"Echoraum" Internet solle man nicht sich selbst überlassen

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat die Opfer von Gewaltandrohungen und Hassparolen aufgerufen, sich zu wehren. Streit gehöre zwar zum Wesen der Demokratie, auch dass Menschen wütend oder aggressiv ihre Meinung sagten, aber einen Hetzer könne man auch "Hetzer" nennen, sagte Thierse. Feigheit und Leisetreterei würden nicht helfen. Es sei wichtig, sich gemeinschaftlich gegen Hetze zu stellen. Jeder Demokrat habe das Recht, sich gegen Hass und Gewalt zu wehren. Der Rechtsstaat solle "das Seinige" dazu tun. Der SPD-Politiker warnte davor, den "großen Echoraum" Internet mit seinem "unerhörten Verstärkungseffekt" sich selbst zu überlassen; das sei gefährlich. Wo gehetzt werde, sollten die Verursacher zur Verantwortung gezogen werden, also auch die großen Unternehmen. Die Regeln des Rechtsstaats müssten auch im Internet durchgesetzt werden, forderte Thierse. Und wo Recht und Gesetz nicht ausreichten, müssten die Regeln verändert werden.

Kein Feuerwerk um bayerische Schlösser

Böllerfreie Zone

Rund um die staatlichen Schlösser, Burgen und Residenzen in Bayern dürfen aus Sicherheitsgründen keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden. Wegen des Funkenflugs würden die historischen Gebäude erheblich gefährdet, teilte die Schlösserverwaltung in München mit. Betroffen sind zum Beispiel Schloss Nymphenburg in München, die Nürnberger Kaiserburg und der Domplatz in Bamberg. Wegen der Brandgefahr sind einige Schlossplätze und Anlagen außerdem komplett gesperrt. Darunter sind der Dachauer Schlossplatz, die Zufahrt zur Befreiungshalle in Kelheim und die Festung Marienberg in Würzburg.

Städel soll komplett digitalisiert werden

33 000 Kunstwerke sollen in fünf Jahren geschafft werden

Der neue Städel-Direktor Philipp Demandt will in den nächsten fünf Jahren alle eigenhändig geschaffenen Kunstwerke der Sammlung digitalisieren. Das wären rund 33 000 Unikate. "Mein Vertrag läuft fünf Jahre. Mein Anspruch ist, das bis dahin zu schaffen", sagte Demandt. Insgesamt befinden sich nach offiziellen Angaben in der Städelschen Sammlung derzeit 3100 Gemälde, 660 Skulpturen und 4600 Fotografien. Etwa 1500 Gemälde, Fotos und Skulpturen seien bereits digitalisiert und verschlagwortet. Pro Unikat würden bis zu 130 Schlagworte in die Datenbank eingepflegt und ergänzend mit weiteren Inhalten wie Videos, Audiodateien oder Texten versehen.

Kunstpreise jenseits von Gut und Böse

Sammler Frieder Burda kritisiert Kunstmarkt

Der Baden-Badener Sammler und Kunstmäzen Frieder Burda blickt verständnislos auf den überhitzten Kunstmarkt. "Die derzeitigen Preise sind jenseits von Gut und Böse. Wo soll das enden?", sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auf Dauer könne das nicht gut gehen, warnt er. Wer Kunst als Spekulationsobjekt kauft, kann nach seiner Meinung böse erwachen: "Da genügt ein kleines Beben, und die ganzen Spekulationen entpuppen sich als Blase." Zugleich kündigte er an, sich auf Dauer ganz aus der Arbeit des von ihm gegründeten Museums Frieder Burda in Baden-Baden zurückziehen. Im Laufe des nächsten Jahres will er den Stiftungsvorstand abgeben und seine Sammlung verjüngen.

Kulturnachrichten hören

Dezember 2016
MO DI MI DO FR SA SO
28 29 30 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur