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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 30.12.2014

Ursula und Heiner PietzschWie haben Sie Ihre Kunstsammlung geschaffen?

Moderation: Katrin Heise

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Die Kunstsammler Ursula und Heiner Pietzsch stehen im Oktober 2010 nach der Verleihung des Berliner Landesorden im Roten Rathaus in Berlin. (picture alliance / dpa / Marcel Mettelsiefen)
Die Kunstsammler Ursula und Heiner Pietzsch stehen im Oktober 2010 nach der Verleihung des Berliner Landesorden im Roten Rathaus in Berlin. (picture alliance / dpa / Marcel Mettelsiefen)

Ulla und Heiner Pietzsch haben sich in den vergangenen Jahrzehnten eine international herausragende Kunstsammlung aufgebaut. 20 ihrer Bilder sind noch bis 31. Dezember in der Berliner Neuen Nationalgalerie zu sehen. Im Gespräch über seine Leidenschaft für Kunst verrät das Ehepaar, wer entscheidet, welches Bild gekauft wird.

Erst 16 Jahre alt war Heiner Pietzsch, als er 1946 in Dresden die erste gesamtdeutsche Kunstausstellung nach dem Krieg besuchte, Untertitel der Ausstellung: "Ist das entartet?" - und Pietzsch, beeinflusst durch seine Jugend unter dem Hakenkreuz des NS-Regimes, fand: "Darüber kann man eigentlich nicht streiten, das ist entartete Kunst."

Ungeachtet dessen zog es ihn noch ein halbes Dutzend Mal in die Ausstellung, er begann, sich ernsthaft und intensiv mit Kunst, den Künstlern und seinen eigenen Sehgewohnheiten auseinanderzusetzen.

Max Ernst hat Ulla Pietzsch becirct

Seit Mitte der 60er-Jahre betätigt sich das Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch als Kunstsammler. Heute zählt die Sammlung Pietzsch zu den herausragenden internationalen Privatsammlungen der Klassischen Moderne. Ursprünglich hatte das Paar unterschiedliche Sammlervorlieben: Ulla Pietzsch bevorzugte die Surrealisten, Heiner Pietzsch liebäugelte mit amerikanischen Künstlern wie Jackson Pollock oder Barnett Newman. Sie konnte ihn schließlich überzeugen.

"Die Entscheidung, dass wir Surrealisten sammeln, hat meine Frau getroffen", sagte Heiner Pietzsch mit einem Schmunzeln. "Und zwar nachdem sie Max Ernst kennen gelernt hat und er sie über eine Stunde mit seinen blauen Augen angestrahlt hat und offensichtlich gar nicht gemerkt hat, dass ich daneben stand. Da war die Sache entschieden."

Ein neuer Museumsbau für die Sammlung

Anfänglich, sagte Heiner Pietzsch, seien er und seine Frau von Freunden für ihren Kunstgeschmack belächelt worden und gefragt worden, warum sie sich denn so hässliche Bilder in die schöne Wohnung hängen würden. Mittlerweile hätten diese Freunde von damals die gleichen "hässlichen" Bilder in ihren Wohnungen hängen.

Vor einigen Jahren entschlossen sich Ulla und Heiner Pietzsch, ihre  Sammlung der Stadt Berlin zu schenken – unter der Bedingung, dass die hochkarätigen Gemälde auch gezeigt werden. Das ist nach wie vor ein Streitpunkt, weil es an Platz fehlt. Die Auseinandersetzungen darum empfindet das Ehepaar als "Schande" und "Peinlichkeit". Den sachlich besten Vorschlag habe der damalige Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin, Peter Klaus Schuster, gemacht: die Alten Meister der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel zu verlagern und aus der Gemäldegalerie statt dessen ein Museum des 20. Jahrhunderts zu machen, in dem die Sammlung Pietzsch Platz fände.

Ulla Pietzsch ergänzte: "Wir haben in den letzten Jahren so manches Mal gedacht: Jetzt reicht's." Beiden hofften, dass die gefallene Entscheidung für einen Museumsneubau am Kulturforum in Berlin-Mitte nicht "verwässert" werde.

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