Hörspiel, vom 08.10.2016, 20:05 Uhr

UrsendungEvangelium Pasolini

1964 überraschte Pier Paolo Pasolini die Kirche wie das Publikum mit seinem Film "Das 1. Evangelium des Matthäus". Anders als in zahlreichen vergleichbaren Werken, stellt Pasolini Jesus als realistische, menschliche Figur dar und setzt zugleich kompromisslos die biblische Vorlage um, ohne Auslassungen und ohne Hinzufügungen.

Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini bei Dreharbeiten 1962 in Rom (dpa / picture alliance / UPI)
Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini bei Dreharbeiten 1962 in Rom (dpa / picture alliance / UPI)

Angesichts von Pasolinis Homosexualität und seiner kommunistischen Überzeugungen hat dies sowohl in katholischen als auch in linken Kreisen Verwunderung hervorgerufen. Das Hörspiel von Arnold Stadler und Oliver Sturm erzählt das Matthäus-Evangelium aus verschiedenen Perspektiven. Einerseits aus der des Films von Pasolini, andererseits aus der des Schriftstellers Arnold Stadler, der diesen Film betrachtet. Stellt man in Rechnung, dass das Evangelium seinerseits das Leben Christi erzählt, so entsteht im Hörspiel eine zwiebelartige Verschachtelung einer Erzählung in der Erzählung in der Erzählung. Das Evangelium, der Film, das Drehbuch und der nacherzählte Film formulieren ein vielperspektivisches Bild der ursprünglichen Geschichte von der Jungfrauengeburt bis zum Kreuzestod.

Von Arnold Stadler und Oliver Sturm
Regie: Oliver Sturm
Mit Tilo Werner, Udo Schenk

Produktion: HR/DLF 2016
Länge: ca. 70
Ursendung

Arnold Stadler, geboren 1954, studierte katholische Theologie in München, Rom und Freiburg, anschließend Literaturwissenschaft. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche bedeutende Literaturpreise, darunter der Georg-Büchner-Preis. Zuletzt erschienen "Komm, gehen wir", "Salvatore", "Einmal auf der Welt. Und dann so" und "New York machen wir das nächste Mal".
Oliver Sturm, geb. 1959, promovierte über Samuel Beckett, arbeitete als Lektor, Dramaturg und Redakteur, war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Literatur in Hannover, ist seit 1996 freier Regisseur, lebt in Berlin.

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