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Länderreport | Beitrag vom 20.05.2020

Urlaub in Schleswig-HolsteinDie Rückkehr der Touristen an Nord- und Ostsee

Von Johannes Kulms

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Am menschenleeren Strand von St. Peter-Ording stehen Strandkörbe auf einem Podest.  (picture alliance / dpa / Wolfgang Runge)
Bereit für neue Besucher: In St. Peter-Ording warten Gastwirte und Hoteliers auf Touristen, auch wenn wegen Corona neue Regeln gelten. (picture alliance / dpa / Wolfgang Runge)

Urlaub in Deutschland - für viele ist das während der Coronapandemie naheliegend. An den Küsten Schleswig-Holsteins richtet man sich nun wieder auf Touristen ein und hofft auf die kommenden Feiertage.

In Heiligenhafen herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Während draußen kräftig der Wind pustet, laufen drinnen im Beach Motel die letzten Vorbereitungen für die nahende Wiedereröffnung.

Der Verdienstausfall der vergangenen zwei Monate kann nicht mehr aufgeholt werden. Denn ein Zimmer lässt sich nicht zweimal vermieten, sagt Hoteldirektorin Alexandra Rojas. Sie hofft auf einen Boom, der die Saison noch ein bisschen retten könnte:

"Wir sehen, wie viele Buchungen gerade getätigt werden. Und dass die Leute jetzt einfach auch schon für den Sommer planen."

Leider habe die Politik ständig neue Ansagen gemacht. Immerhin: Das Hotel darf alle seine 115 Zimmer und "Suiten" auch in Coronazeiten vermieten.

Doch dafür muss es Auflagen erfüllen: Die Zimmer dürfen während des Aufenthalts nur noch alle drei Tage gereinigt werden, bevor nach der Abreise die Endreinigung erfolgt.

Essen gibt es nicht mehr am Buffet, sondern à la carte. Und Gäste werden im Vorfeld und bei der Ankunft nach Covid-19-Symptomen befragt.

Die Branche braucht Normalität

Ein Corona-Ausbruch in einer Hotelanlage wäre ein Alptraum. Ein zweiter Shutdown eine wirtschaftliche Katastrophe.

In der gesamten Branche gebe es derzeit sehr viel Unsicherheit, heißt es vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Entscheidend sei die Frage, wie schnell die Hoteliers und Gastronomen wieder zu den Arbeitsbedingungen vor Corona zurückkehren können.

Doch das kann dauern. Viele Gäste dürften derweil aufatmen, dass sie überhaupt wieder nach Schleswig-Holstein einreisen dürfen. Hatte doch die Landesregierung wochenlang ein Betretungsverbot verhängt.

Kitesurfer Sven Schneider aus Hamburg ist froh, dass er nun wieder kommen darf.

"Ja, auf jeden Fall. Ich meine, in Mecklenburg-Vorpommern kann man immer noch nicht surfen gehen. Wenigstens in Schleswig-Holstein – ist schon ganz cool."

Inzwischen werde es eng auf dem Wasser, das sei fast schon zu gefährlich zum Surfen, meint der 36-Jährige.

Keine Masken, aber Mindestabstand

Viele Gemeinden ahnen, dass der Neustart des Tourismus auch seine Risiken hat. Aus Angst vor Überfüllung hat der Kreis Nordfriesland daher an den anstehenden Feiertagen ein Betretungsverbot für Tagesgäste auf den Nordseeinseln verhängt. Auch die Küstengemeinde St. Peter-Ording ist davon betroffen.

Ein Anruf bei Ronny Stepken. Er betreibt in St. Peter-Ording ein Bed & Breakfast mit zwei Zimmern:

"Wenn man zwei Monate Stillstand gehabt hat und es eigentlich gewohnt war, dass der Betrieb durchgängig quasi fast jeden Tag belegt ist, ist es sehr ungewöhnlich, wieder die ersten Gäste - und dann noch im Hintergrund Corona - zu haben."

Da Stepken in seiner Unterkunft nur zwei Zimmer und keine Gemeinschaftsräume hat, bietet er den Gästen an, auf das Maskentragen zu verzichten, solange der Mindestabend eingehalten wird.

Dass sowohl an Himmelfahrt wie auch an Pfingsten Tagesgäste nicht nach St. Peter-Ording kommen dürfen, sei die richtige Entscheidung.

"Ich fände es schön, wenn sie kommen könnten. Aber man hat natürlich auch Sorge, dass durch diese Überfüllung dann nachher wirklich vermehrt Coronafälle auftreten."

Platz für 20.000 bis 30.000 Gäste

Für Stepken ist die Vermietung an die Urlauber nur ein Nebenerwerb. Für viele Hoteliers und Gastronomen geht es dagegen ums Überleben.

St. Peter-Ording ist ein reiner Tourismusort. Ginge der Stillstand weiter, würde es mehr Pleiten in der Nordseegemeinde geben, sagt Stepken.

Die Ruhe im 4.000-Einwohnerort habe auch etwas Gespenstisches. Schließlich sei St. Peter-Ording dafür ausgelegt, 20.000 bis 30.000 Menschen zu beherbergen.

"Wenn keine Gäste da sind, dann wird es den Leuten langweilig, dann fangen die an, sich zu sehr mit sich selber zu beschäftigen. Ist gar nicht so gut, manchmal."

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