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Echtzeit | Beitrag vom 16.11.2019

Urinal für FrauenSchluss mit der Schlange vor dem Damenklo

Bettina Möllring im Gespräch mit Mandy Schielke

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Weibliche Rennbahnbesucher warten vor der Toilette. (imago/ Zuma Press)
Der übliche Anblick: die Frauen-Schlange vor den öffentlichen Toiletten. (imago/ Zuma Press)

"Frau" steht vor den wenigen Toiletten an. "Mann" muss keine WC-Schlange fürchten, denn er geht schnell aufs Urinal. Ziemlich ungerecht. Die Industriedesignerin Bettina Möllring wollte da Abhilfe schaffen – und hat Urinale für Frauen entworfen.

Auf Toilette geht man, aber man redet nicht über sie. Ganz anders Bettina Möllring. Die Professorin für Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel hat sich ganz dem Thema Toiletten und Urinale verschrieben – und fordert diesbezüglich nicht weniger als "eine komplett neue Kultur".

Denn bezüglich des "Stillen Örtchens" gibt es aus ihrer Sicht noch ziemlich viel Nachholbedarf. "Das Design ist uralt. Da ist nichts passiert in der Zwischenzeit und da hätte sehr viel passieren müssen." Überhaupt gebe es "Sehr, sehr wenig schöne Toiletten".

Mehr Schönheit für das "Stille Örtchen"

Daher müsse endlich erkannt werden: "Das sind wichtige Orte, die Toiletten." Komfortabel, schön und angenehm müssten sie gestaltet werden, so Möllring. Schließlich sei die Toilette "ein Ort, wo wir uns entkleiden, wo wir schutzlos werden. Umso mehr brauchen wir das Gefühl von Sicherheit."

Ein Wandurinal als Designelemente im Bad. (Bettina Möllring)Einfach Hinhocken: das Wand-Urinal - entworfen von Bettina Möllring. (Bettina Möllring)

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es bei öffentlichen Toiletten in Deutschland ganz anders aus. So oder so sind diese Mangelware – und findet sich eine, dann mag "Frau" sich ganz sicher nicht darauf setzen.

Deswegen möchte Möllring mit einem Urinal für Frauen Abhilfe schaffen – und hat gleich zwei unterschiedliche Varianten entworfen.

Das Hock-Urinal für Frauen

Das eine: ein in den Boden eingelassenes Hockurinal. Ein kleines tiefes Becken mit einer Öffnung, durch die auch problemlos Toilettenpapier durchpasst. Der steigende Beckenrand garantiere "wenig Rückspritzer", so Möllring. Links und rechts vom Becken befinden sich Stehflächen für die Füße. Ein wenig erinnert das Urinal an Steh- oder Hocktoiletten, wie sie in Südeuropa oder Asien gebräuchlich sind.

Öffentliche Toiletten für Frauen wurden designt als Bodenurinale. (Bettina Möllring)Das in den Boden eingelassene Hock-Urinal. (Bettina Möllring)

Die andere Variante: ein an der Wand befestigtes Urinal, bei dem sich Frau über die Schüssel hockt. Es sieht einem Urinal für Männer deutlich ähnlicher. Nur ist die Schüssel größer, ragt weiter – und in einem anderen Neigungswinkel – in den Raum ragt.

Das lästige Schlangenproblem vor der Damentoilette könnte damit endlich der Vergangenheit angehören.

(lkn)

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