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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.03.2019

Urheberrechtsreform"Die Debatten der letzten Jahre wurden auch über Memes geführt"

Andreas Osterroth im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Demonstration gegen EU-Urheberrechtsreform und Uploadfilter nach Artikel 13 - Mehrere hundert Personen sind nach spontanen Aufrufen im Internet, vor der Landeszentrale der CDU Niedersachsen auf die Strasse gegangen. Die vor allem jungen Menschen, demonstrierten mit Schildern gegen den Uploadfilter und Artikel 13 der europäischen Urheberrechtsreform. (imago-images / Michael Trammer)
Pepe, der grüne Frosch, ist selbst ein Meme - das mit diesem Transparent auf der Demo in Niedersachsen den Sprung in die reale Welt geschafft hat. (imago-images / Michael Trammer)

Memes – oft auch Bilder mit einem Text darauf – sind für den Germanisten Andreas Osterroth ein niedrigschwelliges Mittel, um sich im Internet an politischen Debatten zu beteiligen. Er fürchtet, dass sie durch die Reform illegal werden – mit fatalen Folgen.

Zehntausende gingen am Wochenende in ganz Europa auf die Straße, um gegen die geplante Reform des Urheberrechts zu protestieren. Sie wehren sich vor allem gegen Uploadfilter, eine Software, die Netzinhalte zensieren könnte - besonders Memes. Für Memes werden popkulturelle Motive aus Film, Politik und Zeitgeschehen "geremixt" - zwei Schriftzeilen befinden sich darauf, die immer wieder neu formuliert werden können, von jedem Nutzer.

"Sie sind elementarer Teil der Internetkommunikation"

Auch gifs oder Videos können so behandelt werden, meistens sind es aber Bilder. "Memes sind eine eigene Kommunikationsform", sagt Andreas Osterroth vom Institut für Germanistik an der Uni Koblenz/ Landau. "Sie sind elementarer Teil der Internetkommunikation." Gleichzeitig seien sie auch sehr subversiv und politisch, meint er. "Die großen Debatten der letzten Jahre wurden sehr stark über Memes geführt." 

Als Textsorte würden Memes das Urheberrecht durchaus verletzen, meint Osterroth, weil Bilder aus popkulturellen Werken genommen würden wie Filmen. "In Deutschland ist das abgedeckt durch die Satire", sagt er, und das wäre das, was durch die Uploadfilter gefährdet würde. Die sollen zwar in der Lage sein, Satire zu erkennen, "aber technisch ist das wahrscheinlich nicht möglich." Das könnte dann dazu führen, dass man in diesem kommunikativen Bereich mundtot gemacht würde, befürchtet er. 

Memes sind in China stark reglementiert 

Memes sind für ihn mehr als bloße Witzeleien. "Sie sind ein sehr demokratisches Mittel, sich auszudrücken." Der Zugang zu politischen Debatten sei dadurch sehr niedrigschwellig, sagt der Sprachwissenschaftler: Politische Beteiligung in Meme-Form stünde vielen Menschen zur Verfügung. "Nicht umsonst ist es so, dass in Russland oder Nordkorea Memes teilweise verboten sind und in China extrem reglementiert." 

In der Debatte um die Urheberrechtsreform hat er einen klaren Standpunkt: "Die Politiker, die momentan die Entscheidungsträger sind, wissen gar nicht genau, worum es geht", meint er. Er befürchtet, dass man dadurch eine ganze Generation für diesen politischen Diskurs verlieren würde. 

(inh) 

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