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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.11.2017

Uraufführung von "Versetzung" am DT Manisch-depressiv im Schulbetrieb

Eva Behrendt im Gespräch mit Britta Bürger

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Daniel Hoevels, Christoph Franken, Judith Hofmann und Helmut Mooshammer in der Inszenierung "Versetzung" am DT (Arno Declair / arno@iworld.de / DT)
Daniel Hoevels, Christoph Franken, Judith Hofmann und Helmut Mooshammer in der Inszenierung "Versetzung" am DT (Arno Declair / arno@iworld.de / DT)

In "Versetzung" geht es um einen bipolaren Lehrer, dessen Krankheit öffentlich wird und der sich schließlich vor seinen Kollegen rechtfertigen muss. Geschrieben hat das Stück der Schriftsteller Thomas Melle, der ebenfalls bipolar ist und auch schon einen autobiographischen Roman dazu verfasst hat.

Der Schriftsteller Thomas Melle hat für seinen autobiographischen Roman "Die Welt im Rücken" viel Aufmerksamkeit bekommen und stand damit im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Darin erzählt er von seiner eigenen bipolaren Störung und durchleuchtet sein manisch-depressives Leben. Jetzt hat er für das Deutsche Theater Berlin einen Lehrer mit ähnlichem Schicksal in den Mittelpunkt eines Theaterstücks gestellt. "Versetzung" heißt es und wurde am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt. 

Der Autor Thomas Melle und sein Roman "Die Welt im Rücken" (Deutschlandradio / Rowohlt Verlag )Der Autor Thomas Melle und sein Roman "Die Welt im Rücken" (Deutschlandradio / Rowohlt Verlag )

Regie geführt hat Brit Bartkowiak, die zuletzt in Göttingen, Würzburg und Heidelberg inszenierte. Jetzt ist sie ans Deutsche Theater zurückgekehrt, wo sie ab 2009 einige Jahre Regieassistentin war und später bekannt wurde mit der Uraufführung von Sasha Marianna Salzmanns Stück "Muttersprache Mameloschn".

Das Stück widme sich der philosophischen Frage, wer als Auslöser für den manischen Schub zu gelten habe, sagte unsere Kritikerin Eva Behrendt im Deutschlandfunk Kultur über die Uraufführung. Der Autor spiele in seinem Stück "Versetzung" alle Möglichkeiten durch und lasse mehreren Fäden zusammen laufen. "Es gibt wahrscheinlich keine eindeutige Antwort darauf", sagte Behrendt. "Alles spielt zusammen."

Schwankendes Spiel

Die Regisseurin Brit Bartkowiak greife die von Melle geschaffene Mixform auf, in der die Sprache hin und wieder ins Vershafte abgleite. "Das ist auch Teil des Symptoms dieses Lehrers, der fängt dann im manischen Schub an in Versen zu reden oder zu reimen", sagte Behrendt. Es gebe in dem Stück Elemente, die weit über Realismus hinausgingen.

Die Regisseurin sei allerdings zwischen dem Geschichten erzählen und dem Abdriften etwas unentschieden geblieben. "Das schwankt auch im Spiel der Schauspieler hin und her", sagte Behrendt. Der Hauptdarsteller Daniel Hoevel beginne mit einer Lehrerparodie im braunen Rollkragenpullover und beigefarbenen Hosen, habe später im Theater aber große Momente. In einer Szene erkläre er von der Bühne herab dem Publikum wie einer fiktiven Schülerschaar, was ein Sonett ist und lege einen wahnsinnigen Monolog hin.

Weitere Informationen zu "Versetzung" am Deutschen Theater 

Thomas Melle: Die Welt im Rücken
Rowohlt Verlag, Reinbek 2016, 19,95 Euro.

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