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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.06.2019

Uraufführung "Oceane“ von Detlev GlanertDer kalte Sog des Meeres

Moderation: Stefan Lang

Ein Mann kniet am Strand, eine Frau steht neben ihm und wendet sich von ihm ab Richtung Meer. (Deutsche Oper Berlin / Bernd Uhlig)
Das kalte Wasser symbolisiert die emotionale Kälte, gegen die Oceane nicht angehen kann. (Deutsche Oper Berlin / Bernd Uhlig)

"Oceane von Parceval" ist eine Novellen-Skizze Theodor Fontanes, die nun Grundlage für Detlev Glanerts neue Oper wurde. Es ist die Geschichte einer Meerfrau, die sich nach den Menschen sehnt - aber die Kälte des Wassers in sich trägt.

Die Figur der "fremden Frau vom Meer", die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert hinweg Schriftsteller, Komponisten und Bildende Künstler inspiriert.

Auch Theodor Fontane beschäftigte dieses Thema: Das 1882 entstandene Fragment "Oceane von Parceval" ist einer von vielen Versuchen, die Gestalt der Melusine zu fassen. In ihrer Geschichte liegt die die Mischung aus den Gefühlen von Bedrohung und Faszination - sie ist eine Frau, die sich in einer männlich dominierten Gesellschaft einen Platz sucht.

Doch ihre erotisch freizügige Natürlichkeit mag sich nicht einfügen. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zusätzlich durch ihr Unvermögen betont, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Liebe oder Tod berühren sie nicht. Und darin liegt auch ihre Unfähigkeit, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Dircksen einzugehen. Das Meer zieht sie magisch an und verschlingt sie. 

Jubiläumswerk

Für das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel zusammen gearbeitet. Sie setzen damit ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort, die 2006 mit "Caligula" begonnenen hat.

Deutschlandfunk Kultur hat die neue Fontane-Oper in der Deutschen Oper Berlin aufgezeichnet.

(cdr)

Aufzeichnung der Oper vom 17. Mai 2019 in der Deutschen Oper Berlin

Detlev Glanert 
"Oceane" (Uraufführung)
Ein Sommerstück für Musik in zwei Akten
Libretto von Hans-Ulrich Treichel frei nach "Oceane von Parceval" von Theodor Fontane

Maria Bengtsson, Sopran - Oceane von Parceval
Nikolai Schukoff, Tenor - Martin von Dircksen
Christoph Pohl, Bariton - Dr. Albert Felgentreu
Nicole Haslett, Sopran - Kristina
Albert Pesendorfer, Bass - Pastor Baltzer
Doris Soffel, Alt - Madame Louise
Stephen Bronk, Bassbariton - Georg

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Leitung: Donald Runnicles

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