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Interview | Beitrag vom 20.12.2019

Uraufführung im Radialsystem BerlinDer Ring des Nibelungen als Peking-Oper

Anna Peschke im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Auf der Bühne rechts im Vordergrund steht ein chinesischer Darsteller mit weiß geschminktem Gesicht in einem üppigen silbernen Kostüm mit Lanze in der Hand, im Hintergrund links eine Darstellerin im goldenen Kleid mit langen blonden Haaren (Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V.)
Von Wagner inspiriert: der "Ring" in der Inszenierung von Anna Peschke. (Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V.)

Ein urdeutscher Mythos und eine urchinesische Kunstform: "Der Ring des Nibelungen" kommt mit Elementen der Peking-Oper auf die Bühne des Berliner Radialsystems. Regisseurin Anna Peschke erklärt das west-fernöstliche Wagnis.

Ihr sei es um eine neue Perspektive auf den "Ring des Nibelungen" gegangen, sagt Anna Peschke über ihre Inszenierung. Mit Kombinationen deutscher und chinesischer Kulturtraditionen hat die Regisseurin Erfahrung: Sie inszeniert öfter Musiktheater mit Einflüssen der Peking-Oper, Büchners "Woyzeck" oder auch Goethes "Faust". Der "Ring" nun wird mit einem deutsch-chinesischen Ensemble im Radialsystem Berlin uraufgeführt. 

Über die Bühne in der Bildmitte springt ein rot kostümierter Darsteller mit ausgebreiteten Armen durch die Luft, links schwingt ein anderer Darsteller ein verschwommmenes blaues Tuch  (Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V.)Nur die Requisiten sind karg: Im "Ring" Anna Peschkes gibt es Akrobatik, Tanz, Pantomime und Kampfkunst. (Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V.)

Original-Klänge aus Richard Wagners berühmtem "Ring" wird man dabei nicht hören: Eine chinesische und eine usbekische Komponistin haben neue Musik geschrieben. Auf der Bühne wird deutsch und chinesisch gesprochen und gesungen - jeweils mit Übertiteln.

Ringen um die Macht

Aktuelle politische Bezüge zu China findet Anna Peschke "langweilig", wie sie sagt. Das begrenze eher: "Mir geht es um die Kunst und nicht um die Politik. Das Thema 'Ringen um die Macht' ist natürlich Teil vom Stück." Es gebe aber auch einen zeitlosen Mythos mit Riesendrachen, Zwergen und Göttern: "Derjenige, der da etwas sehen möchte, der findet etwas", so die Regisseurin.

Später wird "Der Ring des Nibelungen – Peking-Oper trifft auf Musiktheater" auch in China zu sehen sein.

(bth)


Unser Kritiker Uwe Friedrich sprach in der Sendung Fazit mit Sigrid Brinkmann über die Uraufführung:

"Der Ring des Nibelungen – Peking-Oper trifft auf Musiktheater"
Uraufführung am 20. Dezember 2019, Radialsystem Berlin, 20 Uhr

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