Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 15.10.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.11.2018

Uraufführung am Deutschen Theater BerlinWider den Trübsinn

Matthias Dell im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Podcast abonnieren
Das Bild zeigt den Schauspieler Peter Kurth, sitzend auf der Bühne, in dem Stück "Die stillen Trabanten" von Clemens Meyer. (Arno Declair)
Peter Kurth in "Die stillen Trabanten" im Deutschen Theater Berlin. (Arno Declair)

Der Regisseur Armin Petras bringt Geschichten von Clemens Meyer auf die Bühne des Deutschen Theaters in Berlin. Die Erzählungen sind trübsinnig und melancholisch – auf der Bühne herrscht Wildheit und Komik. Wie passt das zusammen?

Der Autor Clemens Meyer ist preisgekrönt, jetzt hat der Regisseur Armin Petras seine Geschichten auf die Bühne gebracht. Das Stück "Die stillen Trabanten" basiert auf sechs Geschichten des Leipziger Schriftstellers.

Es geht um einsame Menschen, etwa um einen Wachmann, der an einem Ausländerwohnheim glaubt eine verflossene Jugendliebe wiederzuerkennen. Oder eine Zugreinigerin, die in einer Bar eine Friseurin kennenlernt.

Klischeehaft und kitschig

Überschaubare Geschichten, sehr klischeehaft und kitschig, "und auch nicht so richtig interessant, weil die Figuren selber bei Meyer gar nicht richtig scharf werden,", sagt unser Kritiker Matthias Dell.

Im Gegensatz zu den Erzählungen, die Trübsinn und Melancholie verbreiteten, gehe es auf der Bühne sehr wild zu, so Dell. Die Schauspieler agierten komisch, das Publikum lache. "Schauspielerisch ist das schön, obwohl es keinen richtigen Sinn macht", so Dell.

Langweilt sich Petras?

Mit Alexander Khuon und Peter Kurth seien bekannte Schaupieler auf der Bühne, von denen man den Eindruck habe, sie improvisierten. "Man merkt aber auch, wie weit sie von diesen Figuren weggehen und machen, was sie wollen."

Er habe den Eindruck, Regisseur Petras langweile sich mit den Geschichten, da sie auf Dauer schwer auszuhalten seien wegen ihrer Trübsinnigkeit, sagte Dell. "Gleichzeitig ist das einzige, was man machen kann, Komik, die wiederum das verfehlt, was dem Meyer in seiner Verlorenheit und Melancholie so wichtig zu sein scheint."

Mehr zum Thema

Theaterfestival in Stuttgart - "Den anderen Europäern mit Hochachtung begegnen"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 06.06.2018)

Neu im Kino: "In den Gängen" - Mit tiefem Blick in die Seele
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 23.05.2018)

Drehbuchautor Clemens Meyer über "In den Gängen" - Liebe und Tod im Großmarkt
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 23.02.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWenn dem Joker die Lache vergeht
Schauspieler Joaquin Phoenix schminkt sich als Joker vor einem Spiegel. Man sieht ihn von hinten und zweimal von vorne als Spiegelbild. (imago images / Cinema Publishers Collection / Niko Tavernise)

Auch ein Genie ist vor Erwartungsdruck nicht gefeit: Joaquin Phoenix berichtet in der "SZ" wie ihm beim Casting das Lachen im Halse stecken blieb. Die Rolle hat er glücklicherweise trotzdem bekommen. Außerdem beginnt die Buchmesse in Frankfurt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur