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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 11.02.2018

Unternehmen Lapua in Sachsen-AnhaltBeliebte Munition aus Schönebeck

Von Christoph Richter

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Wettkampfpatronen aus der Produktion der Lapua GmbH in Schönebeck (Salzlandkreis). Sportschützen, Biathleten und Jäger aus 60 Ländern schießen mit Schönebecker Munition. Seit 1829 wird in der Elbestadt Munition hergstellt. In der Kältekammer des Munitionsherstellers Lapua GmbH können Sportler aus der ganzen Welt ihre Waffen und Munitionen bei Temperaturen von bis zu minus 22 Grad aufeinander abstimmen. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Wettkampfpatronen aus der Produktion des Munitionsherstellers Lapua GmbH. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

85 Prozent aller Patronen, die bei den Olympischen Spielen Pyeongchang verschossen werden, stammen aus einem kleinen Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Die Lapua GmbH in Schönebeck ist Deutschlands älteste Munitionsfabrik.

Nur mit dem kleinen Finger zieht ein Mitarbeiter der Munitionsfabrik Lapua – der zum norwegischen Rüstungskonzern Nammo gehört - am Abzughahn eines Gewehrs. Das hat man in einen Schraubstock eingespannt.

"Wir messen hier den Trefferkreis. Der rote Schuss ist immer der letzte Schuss, der jetzt gerade abgefeuert wurde. Und der Kollege bekommt visuell gezeigt, wo der Schuss auf der Scheibe gewesen wäre. Uns ist es wichtig, den Trefferkreis zu bestimmen."

Denn eine breite Streuung darf die Munition nicht haben, das wäre für die Biathleten fatal. Haben doch die Scheiben für Biathleten gerademal einen Durchmesser von 4,5 Zentimetern, erzählt Christoph Tolonitz. Zusammen mit mehreren Mitarbeitern steht er im Munitions-Testlabor.

Dort ist es mächtig kalt, der Atem kondensiert, denn die Patronen werden in einer Kältekammer getestet. Damit werden die realen Wintersport-Bedingungen simuliert, denn die Patronen müssen kälteunempfindlich sein.

"Wir können hier auch im Hochsommer arktische Bedingungen simulieren. Arktische Bedingungen heißt im IBU-Regelwerk, dass ein Biathlon-Wettkampf bis maximal minus 20 Grad stattfinden darf. Und diese Temperaturen können wir auch im Sommer – bei 30, 35 Grad, wie sie in Mitteldeutschland vorkommen – auch simulieren. So können wir optimal für den Winter testen."

Wer mit den Patronen schießt, ist Firmengeheimnis

Christoph Tolonitz war 2007 Mannschafts-Europameister im Kleinkaliber-Gewehr. Jetzt leitet der ausgebildete Büchsenmacher den Sportservice beim Schönebecker Unternehmen.

"Die Kältekammer ist zwei mal zwei Meter groß. Da können wir die Waffe, die Munition herunterkühlen."

Damit sich die Sportler wohlfühlen, hat man direkt auf dem Firmen-Gelände ein kleines Gästehaus angeschlossen, wo die Teams während der mehrtägigen Testphasen auch unterkommen können. Der Deutsche Arnd Peiffer, die Slowakin Anastasya Kuzmina, der Norweger Johannes Thingnes Bö – Goldkandidaten der Spiele – sie alle schießen mit Patronen aus dem kleinen Schönebecker Unternehmen. Im Sommer waren sie in Sachsen-Anhalt, um ihre Munition zu testen, erzählt Tolonitz. Bei den letzten Olympischen Spielen im russischen Sotschi wurden 32 von 33 Medaillen mit der Munition Marke Polar Biathlon geschossen. Made in Schönebeck.

"Wir wissen natürlich ganz genau welche Mannschaften bei uns waren. Wir haben sehr viele Biathlon-Weltcups dieses Jahr schon besucht. Haben mit den Trainern Rücksprache gehalten, wissen welche Athleten unsere Patronen schießen. Wer genau damit schießt, ist ein Firmengeheimnis. Aber wir führen interne Statistiken, damit wir auch wissen, wer mit unserer Munition Medaillen gewonnen hat. Um auch die Trainer dann mal anzurufen, um zu sagen, schön dass es so geklappt hat."

Pro Jahr verlassen rund 200 bis 250 Millionen Patronen das Werk, das in einem Industriegebiet am Rande von Schönebeck 15 Kilometer südlich von Magdeburg liegt.

"Seit der Einführung des Biathlon bzw. der Umstellung vom Großkaliber auf das Kleinkaliber, ist es so, dass wir seitdem für diese Wettbewerbe die Munition herstellen."

Mitarbeiter verfolgen Olympia im Pausenraum

Gegründet wurde die Firma, die heute 100 Mitarbeiter beschäftigt, 1829. Heute ist sie die älteste Munitionsfabrik Deutschlands. An den Wänden der Werkshallen hängen Autogrammkarten. Von Uschi Disl, Kati Wilhelm, Magdalena Neuner auch von der norwegischen Ski-Legende Ole Einar Björndalen. Allesamt Top-Athleten, die auf die Munition aus Schönebeck gesetzt und damit Goldmedaillen gewonnen haben.

"Wir, alle Mitarbeiter, sind sehr stolz darauf. Gerade weil wir wissen, dass es über 80 Prozent der Medaillen sind, die mit unserer Munition errungen werden."

Im Pausenraum werde man während Olympia, einen Fernseher aufstellen, erzählt Marketing-Chef Jörg Melcher. Damit die Angestellten mitfiebern können. Und wenn dann in Südkorea dieser Tage die Schüsse bei den Biathlon-Wettbewerben knallen, dann knallt es auch in Schönebeck. Doch das sind keine Schüsse, sondern Sektkorken.

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