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Interview | Beitrag vom 17.09.2021

UnsterblichkeitWird es jemals das Einfrieren von Menschen geben?

Christoph Englert im Gespräch mit Julius Stucke

Was auf den ersten Blick wie ein umstrittenes Kryonik Unternehmen aussah, das die Idee der Unsterblichkeit verkauft, entpuppte sich als Trick von Netflix, um eine neue Serie zu bewerben. (ZUMA Wire)
Der Traum des ewigen Lebens lässt sich vielfach verkaufen, wie hier in der Werbung für eine Serie von Netflix in Las Vegas. (ZUMA Wire)

Unsterblich sein – seit Menschengedenken, ist das für viele ein Traum. Die Forschung dazu schreitet weiter voran – von Zellerneuerung bis zum Einfrieren. Aber wie weit entwickelt und realistisch sind diese Technologien überhaupt?

Es ist ein Menschheitstraum. Für manche aber sicher auch ein Albtraum: Das Leben verlängern und den natürlichen Tod besiegen. An dem Thema wird seit Jahrzehnten geforscht und auch Menschen wie Jeff Bezos scheint es zu faszinieren, denn sie stecken ihr Geld in diese Zukunftsidee. So soll der Amazon-Gründer in das Unternehmen Altos Labs investiert haben, das an der Unsterblichkeit des Menschen forscht. Aber wie weit ist diese Forschung überhaupt?

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Jeff Bezos investiere in eine bereits etablierte Technologie, erklärt Christoph Englert vom Leibnitz-Institut für Altersforschung. Einen gesamten Organismus zu "verjüngen", das sei noch eine Utopie. Auf der Ebene der Körperzellen wisse man aber, dass diese sogenannte "Reprogrammierung" bereits gut funktioniere.

Christoph Englert erklärt die Forschung zu dem Thema mit älteren Männern, die im späteren Verlauf ihres Lebens noch einmal Vater werden. "Wir haben da eine Samenzelle, die ist 60, 70, 80 Jahre alt. Die befruchtet eine Eizelle. Normalerweise von einer erheblich jüngeren Frau und daraus entsteht ein Baby. Aus diesen beiden Zellen entsteht dann wieder ein neues Leben. In diesem Zuge werden diese beiden Zellen sozusagen verjüngt, auf null gedreht. Das funktioniert in der Natur offensichtlich, und zwar Milliarden Mal."

Diese Verjüngung der Zellen könne man mittlerweile auch im Labor nachvollziehen.

"Man gibt vier bestimmte Faktoren, für deren Entdeckung es vor ein paar Jahren den Nobelpreis gegeben hat, sogenannte Yamanaka-Faktoren, in diese Zellen. Und diese Faktoren vermögen es, diese Zellen wieder zu reprogrammieren, so nennt man das, in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen." 

"Eine total faszinierende Technologie"

Auf der Ebene der Zellen würde das wunderbar funktionieren und sei mittlerweile Routine, sagt Christoph Englert. Auf der Ebene von Organismen funktioniere es aber noch nicht. Hinzu komme, dass damit auch Risiken verbunden seien wie eine höhere Krebsrate.

Man könnte heute aber z.B. in einem Labor eine Hautzelle entnehmen, sie "reprogrammieren" und in verschiedene Gewebezelle des Körpers wie z.B. Nierenzellen wieder einfügen.

"Das ist eine total faszinierende Technologie", sagt Englert. Grundsätzlich gebe es in der Natur auch die Möglichkeit der selbstständigen körperlichen Erneuerung, wie bei dem Lurch Axolotl, dem man einen Arm abschneiden könne, der dann selbstständig nachwachse. Bei Menschen und Tieren funktioniere das aber eben nicht.

Wie schwierig ist Einfrieren?

Für ethisch problematisch hält der Molekulargenetiker zu dem Thema allerdings Akteure, die Menschen kurz vor ihrem Tod einfrieren wollen. Er bezweifelt auch, dass es jemals eine ausgereifte Technik dafür geben könnte. "Technologisch ist das eine immense Herausforderung. Ob das jemals klappt, ist, glaube ich, unklar. Aber die Technologie, die es heute gibt, ist schon ganz faszinierend."

Für ihn persönlich wäre ein ewiges Leben allerdings ein Albtraum, sagt Christian Englert und hält es wie Steve Jobs, der sinngemäß gesagt habe: Der Tod sei das Beste, was jemals erfunden worden sei, denn im Angesicht des drohenden Todes, würde der Mensch überhaupt etwas machen.

(jde)

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