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Kulturnachrichten

Montag, 28. September 2020

UNO will Aufhebung von Blasphemie-Todesurteil

Die Vereinten Nationen (UN) fordern die sofortige Freilassung eines nigerianischen Sängers, der wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde. Die Organisation schreibt in einer Erklärung, die mutmaßlich abfälligen Äußerungen über den Propheten Mohammed in einem Lied zu kriminalisieren, sei rechtswidrig. Künstlerischer Ausdruck von Meinung und Glaube sei durch internationales Recht geschützt. Der 22-jährige Sänger Yahaya Sharif-Aminu war im August in der nordnigerianischen Stadt Kano zum Tod durch Erhängen verurteilt worden. Ein Scharia-Gericht sah als erwiesen an, dass er in einem seiner Texte einen Imam über alle Maßen gelobt und ihn damit über den Propheten gestellt habe; das sei Gotteslästerung.

Mendelssohn-Preis für Historiker Hermann Simon

Der Historiker und Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, Hermann Simon, wird in diesem Jahr mit dem Moses-Mendelssohn-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte laut Mitteilung Simons Einsatz als Historiker, Museumsdirektor und engagiertes Mitglied der Jüdischen Gemeinde für die Erforschung und Veröffentlichung der jüdischen Geschichte in Berlin während und nach der Teilung. "Ohne ihn wäre die Neue Synagoge, das repräsentativste Bauwerk des Berliner Judentums, kaum gerettet worden und als Centrum Judaicum wiedererstanden." Die mit 10 000 Euro dotierte Ehrung wird alle zwei Jahre durch das Land Berlin vergeben. Die Preisvergabe ist für den 18. November angekündigt.

Autorin Alexijewitsch will nach Minsk zurückkehren

Die politisch engagierte Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch will nach ihrer Ausreise nach Deutschland bald in ihre Heimat Belarus zurückkehren.
Das sagte die Assistentin der 72-Jährigen einem belarussischen Nachrichtenportal. Es handele sich nicht um eine Emigration. Ihre Rückkehr sei aber abhängig von der Lage in Belarus. Die international bekannte Autorin hatte Machthaber Lukaschenko mehrfach zum Rücktritt aufgefordert und war bereits von der belarussischen Polizei verhört worden. Die Schriftstellerin wolle sich medizinisch behandeln lassen, außerdem werde sie in Sizilien eine Auszeichnung entgegennehmen, hieß es. Alexijewitsch hatte heute überraschend ihre Heimat verlassen und war in Berlin gelandet.

Ai Weiwei protestiert gegen Auslieferung von Assange

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat in London gegen eine Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange an die USA demonstriert. "Lasst ihn frei. Lasst ihn einen freien Mann sein", forderte Ai vor dem Londoner Gericht Old Bailey. Der Staat müsse die Freiheit der Presse schützen. Die USA werfen Assange Spionage in 17 Fällen und Computermissbrauch vor und verlangen seine Auslieferung. Im Fall eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Ai sagte, Assange vertrete einen Grundwert. "Warum sind wir frei? - Weil wir die Freiheit der Presse haben", sagte Ai, der Assange zuvor im Gefängnis besucht hatte.

Annette Frier erhält Deutschen Lesepreis

Die Schauspielerin Annette Frier wird mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet. Dieser Sonderpreis sei mit 2500 Euro dotiert, teilte die Stiftung Lesen in Mainz mit. Die 46 Jahre alte Schauspielerin ("Ella Schön") unterstütze die Stiftung in ihrer Eigenschaft als "Lesebotschafterin" seit vielen Jahren "vehement und mit großem Ehrgeiz". Frier erhalte die Auszeichnung im Rahmen einer digitalen Preisverleihung im November. Es ist das dritte Mal, dass der Lesepreis vergeben wird. Die Namen der weiteren fünf Preisträger seien noch nicht bekannt, so die Stiftung.

"Innovationspreis Soziokultur" für Theatergruppe

Die Theatergruppe "Das Letzte Kleinod" in Geestenseth bei Bremerhaven bekommt in diesem Jahr den Hauptpreis des bundesweiten Wettbewerbs "Innovationspreis Soziokultur". Der Preis wird für das dokumentarische Theaterstück "Kabul - Homeland and Hell" vergeben. In ihm berichten deutsche Soldaten und afghanische Geflüchtete aus dem Landkreis Cuxhaven von ihren persönlichen Erfahrungen im Krieg in Afghanistan. Das Projekt sei eine äußerst mutige Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff, der neben Annäherung ebenso Gewalt, Angst und Abstand meinen kann, urteilte die Jury. Der Wettbewerb, mit dem insgesamt 18.000 Euro vergeben werden, beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem Thema "Heimat". Nominiert waren elf Produktionen aus ganz Deutschland.

Denkmalschutz-Preisträger bekanntgegeben

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz zeichnet unter anderen den Heimatbund Bad Dürrenburg für sein ehrenamtliches Engagement zum Erhalt des Gradierwerks aus. Der Verein gehöre zu den zehn Preisträgern des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2020, teilte das Nationalkomitee mit. Der Heimatbund kümmere sich seit 25 Jahren um die längste Gradieranlage Deutschlands, eine Anlage zur Salzgewinnung. Der Heimatbund mache die "salzige Geschichte" des Ortes durch Schausiederei, eine Heimatsammlung und ehrenamtliche Gradierwerksführungen lebendig und erlebbar. Weitere Preisträger sind unter anderen das Studentendorf Schlachtensee in Berlin und Viadukt e. V. - Verein zur Nutzung des Baulichen Erbes der Industrialisierung Chemnitz.

Kinobranche will Abstandsregeln lockern

Die Kinobranche hat in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel gefordert, die Abstandsregelungen in den Kinosälen zu lockern. In dem Schreiben plädieren die Branchen-Vertreter für eine bundesweit einheitliche Regel. Sie sollte lauten: Ein Sitz frei zwischen Besuchergruppen, ohne Maske am Platz. Das zitiert die Deutsche Presse Agentur aus dem Brief der AG Kino-Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Derzeit sei es in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, wie die Zuschauer im Kino sitzen dürfen. In der Realität liege der Mindestabstand am Sitzplatz deutlich über 2 Meter. Das bedeute für die Betreiber eine maximale Auslastung von lediglich 20 Prozent.

Internetplattform gegen Diskriminierungen in der Kirche

Eine neue Initiative will mit einer Internetplattform gegen Diskriminierungen innerhalb der katholischen Kirche vorgehen. Die Seite mit dem Titel "meinGottdiskriminiertnicht.de" will Gleichgesinnte, Initiativen und Verbände digital vernetzen. Zusammen wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem gegen Geschlechterungerechtigkeit protestieren. Auf der Plattform können Menschen ihre Erfahrungen mit Diskriminierung in der Kirche veröffentlichen. Gegründet wurde die Initiative von drei Theologie-Studentinnen und Promovierenden aus Freiburg.

TikTok darf in USA wieder runtergeladen werden

Ein US-Richter hat das Downloadverbot gegen die Video-App TikTok außer Kraft gesetzt. Der Bundesrichter in Washington gab damit einem Antrag von TikTok statt. Die Begründung wurde noch nicht veröffentlicht. Das ab dem 12. November verfügte Komplettverbot von TikTok in den USA ließ der Richter aber unangetastet.
Damit will US-Präsident Trump den chinesischen Eigentümer Bytedance zwingen, die Kontrolle über sein US-Geschäft abzugeben. Trump verdächtigt Bytedance, Nutzerdaten an die chinesische Regierung weiterzuleiten. Tiktok hat in den USA rund einhundert Millionen Nutzer.

Jüdischer Versöhnungstag Jom Kippur hat begonnen

Für Juden in aller Welt hat am Sonntagabend der höchste Feiertag, der Versöhnungstag "Jom Kippur" begonnen. Er wird in Israel als strenger Ruhe- und Fastentag begangen; das öffentliche Leben einschließlich des Flugverkehrs kommt vollständig zum Erliegen. Auch nicht-religiöse Juden begehen mehrheitlich Jom Kippur. An diesem Tag wird man von Sünden befreit. Durch den zweiten Lockdown in Israel sind in diesem Jahr auch während Jom Kippur die Bewegungsfreiheit sowie das gottesdienstliche Leben stark eingeschränkt. Nur in bestimmten Ausnahmefällen dürfen sich Menschen maximal 1.000 Meter von ihrem Wohnort entfernen. Dies gilt auch für die Besuche von Gottesdiensten.

Der Bund stützt Galerien mit 16 Millionen Euro

Galerien für Gegenwartskunst in Deutschland erhalten 16 Millionen Euro Soforthilfe aus dem Corona-Rettungspaket "Neustart Kultur" der Bundesregierung. Die Gelder sind zum Einkauf von Kunstwerken gedacht. Man wolle erreichen, dass Künstler aus ganz Deutschland zum Zuge kommen. Die Kunstwerke sollten später in Ausstellungen öffentlich gezeigt und Museen als langfristige Leihgaben angeboten werden, sagte Kulturstaatsministerin Grütters der "Welt am Sonntag". Die Fördersumme liegt zwischen 5.000 und 35.000 Euro. Zehn Prozent der Fördersumme müssten selbst aufgebracht werden. Eine unabhängige Jury entscheide über die Vergabe, hieß es.

Schlöndorff will sein Archiv möglicherweise verlagern

Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff denkt darüber nach, sein Archiv aus dem Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main abzuziehen. Sowohl seine Heimatstadt Wiesbaden als auch das Filmmuseum Potsdam interessierten sich verständlicherweise für seinen Vorlass, sagte Schlöndorff der Nachrichtenagentur dpa. Schlöndorff wurde 1939 in Wiesbaden geboren und lebt in Potsdam. 1980 war er mit der Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel" zu Weltruhm gelangt. 1992 hatte der Regisseur alle noch vorhandenen Unterlagen zu seinen Filmen ans Deutsche Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main gegeben. Das Institut sei in intensiven Gesprächen mit Volker Schlöndorff. Ziel sei der dauerhafte Verbleib der Sammlung in Frankfurt, sagte DFF-Direktorin Ellen Harrington.

Kulturwissenschaftler Kaschuba warnt vor zu großen Beschränkungen

Der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Kaschuba hat vor zu großen Einschränkungen in der Corona-Pandemie gewarnt. Die Gesellschaft müsse unbedingt einen Teil ihrer Freiheiten erhalten, sagte er im Deutschlandfunk. Viele der Dinge, die derzeit eingeschränkt würden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, gehörten zum festen Lebensstil der Menschen. Insbesondere in den Städten hätten sich in den letzten Jahrzehnten viele Freiheiten etabliert, unter anderem die Möglichkeit, täglich auszugehen und miteinander zu feiern oder sich durch Umarmungen zu begrüßen. Wenn die Politik diese Freiheiten nun einschränke, dann sei das ein Balanceakt, betonte Kaschuba. Es sei falsch, dabei nur auf das Urteil von Epidemiologen zu hören.

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