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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.10.2013

Unmissverständliche Wut und kalkulierte Schmeichelei

Kolja Mensing über die programmatischen Eröffnungsreden auf der Frankfurter Buchmesse

Moderation: Eckhard Roelcke

Luiz Ruffato hielt eine starke emotionale Rede über die Zustände in seinem Heimatland. (picture alliance / dpa / Thomas Maier)
Luiz Ruffato hielt eine starke emotionale Rede über die Zustände in seinem Heimatland. (picture alliance / dpa / Thomas Maier)

Zuckerbrot und Peitsche bekam Brasilien zu Beginn der Buchmesse zu spüren: Außenminister Guido Westerwelle und der brasilianische Autor Luiz Ruffato zeichneten ein völlig konträres Bild des diesjährigen Gastlandes, berichtet Kolja Mensing.

Der Autor und Vertreter des diesjährigen Gastlandes Brasilien Luiz Ruffato habe seine Eröffnungsrede für eine wütende, unmissverständliche Rede genutzt, sagte Kolja Mensing. Brasilien, habe Ruffato erklärt, das sei nicht nur Karneval, Capoeira und Fußball, sondern auch Gewalt gegen Minderheiten, krasse soziale Ungerechtigkeiten und Kinderprostitution.

Guido Westerwelle hingegen habe ein dazu völlig konträres Bild vermittelt. Er schlug einen überaus freundlichen Ton an, sagte Mensing, stellte vor allem die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Brasilien heraus - und bereitete so den Boden für eine gute Zusammenarbeit mit dem wirtschaftlichen Aufsteiger. Seine Rede gipfelte in der Forderung, dass Lateinamerika oder präziser Brasilien endlich einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekommen müsse, so Mensing weiter.

Die letztmalige Rede von Gottfried Honnefelder, der den Vorsitz des Börsenvereins des deutschen Buchhandels nach der Buchmesse abgeben wird, schilderte Kolja Mensing als gewohnt bedächtig und pathetisch. Honnefelder habe erneut den Graben zwischen den "bösen Internetgiganten" und den "guten deutschen Buchverlegern" aufgemacht. Mensing wertete das als Heuchelei, denn immerhin seien nicht nur Google und Co., sondern auch Honnefelder als Branchenvertreter vor allem an Umsätzen interessiert. Dieser kam in seiner Rede auch auf das Angstthema der Messe, nämlich den möglichen Fall der Buchpreisbindung durch das neue Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA zu sprechen. Eine berechtigte Sorge, so Mensing, allerdings werde in der Diskussion außen vor gelassen, dass mit zunehmender E-Book-Verbreitung, die Buchpreisbindung sowieso ausgehöhlt werden wird.

Das vollständige Gespräch mit Kolja Mensing können Sie mindestens bis zum 8.5.2014 als MP3-Audioin unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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