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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.10.2016

"Uniting Backgrounds" am Gorki TheaterDie Welt der Demokratie

Von Eberhard Spreng

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Das Maxim Gorki Theater, aufgenommen am 29.10.2012 in Berlin. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)
Das Maxim Gorki Theater in Berlin (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)

Für zwei Wochen lädt das Gorki Theater in Berlin zum Festival "Uniting Backgrounds" mit Theatermachern und Künstlern. Es gibt Stücke, Lesungen und Diskussionen - "Atlas des Kommunismus" eröffnet das Festival mit Arbeiten aus diversen Ländern.

Ein Frauenensemble, der als LGBT-Beigabe die "Polittunte" Tucké Royal beigesellt worden ist, erzählt von Kernerlebnissen aus der Geschichte und Nachgeschichte der DDR. Neun ist die Jüngste, Vierundachtzig die Doyenne im Dokumentartheater der Biografien: Salomea Genin erzählt von Judenverfolgung im Hitler-Deutschland, von ihrem Exil in Australien, von der Begeisterung für den Kommunismus und wie aus dieser die Mitarbeit bei der Stasi wurde. Oder Jana Schlosser, die in der DDR-Punkband "die Namenlosen" den Song "Nazis wieder in Ost-Berlin" sang und in den Knast kam.

Oder die Dolmetscherin Monika Zimmering, der es am 9. November 1989 die Sprache verschlug, als sie Günter Schabowski in seiner legendäre Pressekonferenz simultan übersetzte, als der von Reisefreiheit sprach, und zwar sofort.

Oder Gorki-Schauspielerin Ruth Reinecke, der einzigen Verbliebenen als dem alten Ensemble, wenn sie von der Uraufführung von Volker Brauns "Übergangsgesellschaft" spricht, die 1988 auf eben jener Bühne stattfand, auf die das Publikum jetzt von zwei einander gegenüber liegenden Tribünen schaut. Gesungen wird in der reichlich videographierten Show auch, ein Hauch Ostalgie schwebt vorüber, ein wenig Trauer über Verrat am und Untergang des Kommunismus.

Süffige Sammlung von Sketchen

Aber aus den disparaten, ja anekdotischen Erinnerungssplittern entsteht kein erhellendes Bild, in dem sich der große historische Strom, von der Reichspogromnacht am 9. November 1938, über die Maueröffnung, bis hin zur Besetzung der Gerhard-Hauptmann-Schule offenbaren würde. Die argentinische Regisseurin Lola Arias, die vor zwei Jahren ebenfalls am Gorki mit "Audition for a Demonstration" mit ihrem historischen Dokumentartheater einen ungleich präziser gefassten Gegenstand behandelte, kommt über eine süffige Sammlung von Sketchen nicht hinaus.

"Atlas des Kommunismus" eröffnet das Festival "Uniting Backgrounds – Theater zur Demokratie" mit Arbeiten aus diversen Ländern. Es versteht sich als "Theater der Biografien in ihren politischen Kontexten".

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