Ungestillte Leidenschaft

Wiener Staatsoper © Walter Vorwerk
08.10.2011
Zu spät werden Charlotte die Selbstmordabsichten ihres leidenschaftlichen Verehrers Werther bewusst. Erst als er schon im Sterben liegt, bekennt sie ihm ihre Liebe. Der Mutter hatte sie versprochen, Albert zu heiraten und darum den jungen Dichter abgewiesen. Traurig ist nicht nur Charlotte, sondern auch ihre jüngere Schwester Sophie. Ihre sanfte Zuneigung hatte Werther gar nicht erst zur Kenntnis genommen.
Seit der Uraufführung am 16. Februar 1892 an der Wiener Hofoper gehört Jules Massenets romantisch-tragischer "Werther" hier zum Standardrepertoire. Massenet hat diese Oper nach Johann Wolfgang von Goethes ursprünglich für Paris geschrieben. Doch die Opéra comique war kurz vor der Premiere abgebrannt, und so blieb das Stück liegen. Durch Vermittlung des belgischen Tenors Ernest von Dijk wurden Kontakte zur Wiener Oper geknüpft, wo man mit "Manon" schon sehr erfolgreich gewesen war.

Für die letzten Proben reiste Massenet selbst nach Wien und schwärmt in seinen Memoiren über den herzlichen Empfang und die hoch professionelle künstlerische Leistung des gesamten Ensembles: "Das Stück war praktisch aufführungsreif. Alle Sänger trugen ihren Part auswendig vor, und ihre warmherzige Interpretation berührte mich verschiedentlich so sehr, dass mir die Tränen aus den Augen traten. Bei der Orchesterprobe sollte sich dieses Gefühl wiederholen. Man war bis zu einer selten vollendeten Darbietung gelangt, und mit seinem zärtlichen oder machtvollen Spiel folgte das Orchester in einem Maße den feinsten Nuancierungen der Singstimmen, dass ich mein Entzücken nicht zurückhalten konnte."



Wiener Staatsoper
Aufzeichnung vom 21.1.11

Jules Massenet
"Werther"
Drame lyrique in vier Akten
Libretto: Edouard Blau, Paul Milliet, Georges Hartmann
nach Johann Wolfgang von Goethe

Charlotte – Sophie Koch, Mezzosopran
Sophie – Ileana Tonca, Sopran
Werther – Jonas Kaufmann, Tenor
Albert – Adrian Eröd, Bariton
Amtmann – Janusz Monarcha, Bass
Johann – Clemens Unterreiner, Bariton
Schmidt – Benedikt Kobel, Tenor
Kinder der Opernschule, Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Frédéric Chaslin


nach dem 2. Akt ca. 20:20 Uhr Pause mit Nachrichten