Freispiel, vom 22.10.2020, 22:03 Uhr

Unfreiwillige Unterbringung an Europas GrenzeIt’s not a secret anymore

Ruine auf Leros als Unterkunft für Geflüchtete (Lenny Rothenberg)
In den Ruinen der ehemaligen Psychiatrie auf Leros suchen heute Geflüchtete Schutz. (Lenny Rothenberg)

Auf der griechischen Insel Leros befindet sich einer der fünf EU-Hotspots, die zur Registrierung und Unterbringung von geflüchteten Menschen vor knapp fünf Jahren errichtet wurden. Containercamps mit Stacheldraht und viel Polizei – im Falle von Leros: alles auf dem Areal einer alten Psychiatrie. Dieser Ort wurde nicht zufällig gewählt. Eine komplexe Sozialgeschichte der unfreiwilligen Unterbringung großer Menschengruppen prägt die Insel und ihre Bewohner*innen.

BildergalerieLeros, eine griechische Insel im Ägäischen MeerDer Hafen in Lakki auf Leros: Die große Fähre die nach Athen fährt legt an, links ein Seenotrettungsschiff der NGO "OpenArms". Der EU-Hotspot auf Leros ist ein quadratisch angelegtes Container Camp mit viel Überwachung. Geflüchtete müssen hier auf engem Raum zusammen leben. Pro Container im Hotspot sind 8-15 Menschen untergebracht. Der gesamte Bereich ist eingezäunt mit Stacheldraht. UNHCR-Zelte aufgestellt auf den wenigen Freiflächen im Hotspot-Camp. Im Hintergrund ragt die früher größte psychiatrische Abteilung hervor. Alle Informationen erfahren Geflüchtete im Hotspot über Lautsprecher. Dies zwingt sie dazu in unmittelbarer Nähe zu bleiben, um wichtige Informationen zu erhalten. Die Bucht: Im Vordergrund das alte Psychiatriegebäude und dahinter der heutige EU-Hotspot.Mit Blick aus dem alten Psychiatriegebäude auf den Vorhof. Zu sehen ist der EU-Hotspot auf Leros.

Die Autorin Dinah Rothenberg wählte ihren Aufenthalt freiwillig und entschied sich für ein halbes Jahr auf der griechischen Insel. Der Autor Mohammed Ashour lebte über ein Jahr auf Leros: Unfreiwillig war er dort festgehalten und durchlief das zähe Asylverfahren. 

In Gesprächen mit Zeitzeug*innen, Geflüchteten, Mitarbeiter*innen der NGO, Inselbewohner*innen, Tourist*innen und weiteren Akteur*innen auf Leros versuchen die Autor*innen, die vielschichtige Geschichte und die Zusammenhänge mit der gegenwärtigen Situation der Insel nachzuvollziehen.

Weitere FotosDie Caserma Avieri wurde um 1930 als Kaserne für italienische Luftwaffensoldaten errichtet. Anschließend zahlreiche Umnutzungen, bis in die 90er Jahre als Psychiatrie. Heute ist das Gebäude von Geflüchteten bewohnt. Die letzten Zeichen einer anderen Zeit in der ehemaligen Psychiatrie auf Leros. Ein notdürftiger Schlafplatz in den Ruinen der alten Psychiatrie. "Kämpfe für deine Freiheit" geschrieben an die Wand einer Ruine neben dem Hotspot-Camp.

Vielen Dank an Paula Bohm, Mailin Mengeringhaus und die Organisation ECHO100Plus.

Online-Veranstaltung: Gespräch zum Feature am 29.10.20 um 19.00 Uhr

Gäste sind die Autorin Dinah Rothenberg und der Autor Mohammed Ashour, Catharina Kahane von der NGO ECHO100Plus sowie dem Migrations- und Grenzwissenschaftler Bernd Kasparek. Moderation: Massimo Maio.


Ursendung
It’s not a secret anymore
Ein Feature zur unfreiwilligen Unterbringung an Europas Grenze
Von Mohammed Ashour und Dinah Rothenberg
Regie: Dinah Rothenberg
Mit: Samir Fuchs, Oliver Urbanski, Birgitt Dölling sowie Autor und Autorin
Komposition: Timothy Crombie
Ton und Technik: Alexander Brennecke und Sonja Rebel
Dramaturgie: Julia Gabel und Johann Mittmann
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020
Länge: 55'22


Dinah Rothenberg (privat)Dinah Rothenberg (privat)Dinah Rothenberg lebt als freie Autorin in Berlin. Während ihres Studiums der Soziokulturellen Studien arbeitete sie sowohl für Radio und Fernsehen als auch für Print. Sie kuratierte diverse partizipative audio-visuelle Ausstellungen zu den Themen Migration und Flucht.

Mohammed Ashour (privat)Mohammed Ashour (privat)Mohammed Ashour war in seiner Heimat Gaza als Programmierer und Entwickler tätig. Heute lebt er in Berlin und arbeitet in verschiedenen Projekten der App-Entwicklung.

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