Montag, 24.02.2020
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 24.11.2018

Unfallforscher zu NeuentwicklungBlinksystem mit Wärme-Sensoren gegen Radunfälle mit Lkw

Siegfried Brockmann im Gespräch mit Shanli Anwar

Podcast abonnieren
Niedersachsen, Garbsen: Das neue Warnsystem "Bike-Flash" hängt an einem Mast in einem Gewerbegebiet an einer Kreuzung.  (picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Niedersachsen, Garbsen: Das neue Warnsystem "Bike-Flash" hängt an einem Mast in einem Gewerbegebiet an einer Kreuzung. (picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Achtung, Unfallgefahr! Lkw-Fahrer in ihrer Führerkabine können Radfahrer im toten Winkel nicht sehen. Immer wieder gibt es deswegen oft tödliche Unfälle. Ein neues Blink-System, das Radfahrer schützen soll, kann aber noch nicht überzeugen, meint Unfallforscher Siegfried Brockmann.

"Bike Flash", so heißt ein neues System, dass Fußgänger und Radfahrer im Verkehr schützen soll - nämlich dann, wenn sie neben einem Lkw stehen. 

Das System überwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch Wärmesensorik. Wird ein Radfahrer oder ein Fußgänger von dem System erkannt, blinken vier Leuchten in unterschiedlichen Höhen. Lkw-Fahrer werden auf diese Weise gewarnt, ebenso die Radfahrer und Fußgänger, die sich im toten Winkel befinden.

"Sich ständig bewegende Wärmequellen"

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, hält dieses System für noch nicht ausgereift: 

"Das Problem ist natürlich, wenn Sie jetzt viele Radfahrer haben. Und auch Fußgänger, die sich ja auch im innerstädtischen Beriech bewegen, dann haben sie ständig sich bewegende Wärmequellen, und das würde ja letztlich bedeuten, dass das Ding unaufhörlich blinkt – mit anderen Worten: überhaupt keinen Informationsgehalt mehr hat."

Bei der Unfallverhütung sei geschlafen worden, sagt Brockmann, die Politik sei gefragt, denn insbesondere die schweren Radfahrunfälle "möchte man einfach nicht sehen", sagt Brockmann und legt folgende Zahlen vor:

"Wir haben 400 getötete Radfahrer in Deutschland. Davon sind im letzten Jahr 77 bei Kollisionen mit Lkw getötet worden, davon nun wiederum im letzten Jahr 28 mit rechtsabbiegenden Lkw. Und diese Zahl schwankt so zwischen 25 und 30 in den verschiedenen Jahren. Also durchaus ein relevantes Problem, was aber noch viele schlimmer ist, ist natürlich die Art der Verletzungen: in der Regel sehr schwere Verletzungen."

"Im Zweifel warte ich lieber - manchmal kann auch das helfen"

Zwischen Lkw-Fahrer und Radfahrer gebe es eben leider keine "direkte Sichtbeziehung", sagt Brockmann, deshalb sei es besonders schwierig, geeignete Lösungen zu finden. Insgesamt hätten die Kommunen oft den Umstieg von der autogerechten Stadt zur eher radfahrer- oder fußgängerfreundlichen Stadt verpasst. Hier geben es einen "riesigen Planungsnachlauf".

Zudem seien aber auch die Radfahrer selbst in der Verantwortung, so der Unfallexperte: 

"Natürlich will ich niemanden zum Täter machen, der Opfer definitiv ist: Aber manchmal, und das sehen wir in unseren Forschungen, wenn wir diese Kreuzungen beobachten, sind Radfahrer auch sehr mutig, wenn sie dann einen schon angefahrenen Lkw vorne noch umrunden wollen."

Im eigenen Interesse sei es im Zweifel besser zu warten, das könne auch helfen.

(huc)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur