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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 13.12.2011

Unbegreifliches begreifbar machen

Marcus Weeks: "Wie viele Elefanten wiegt ein Blauwal", Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, 128 Seiten

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Alleine die Zunge eines Blauwals wiegt so viel wie ein Elefant - und 25 Elefanten so viel wie ein Wal. (AP)
Alleine die Zunge eines Blauwals wiegt so viel wie ein Elefant - und 25 Elefanten so viel wie ein Wal. (AP)

Wie laut ist ein Donnerschlag? Etwa so laut wie 76 Posaunen. So schlagkräftig und doch anschaulich erklärt das Sachbuch von Marcus Weeks Dimensionen, die wir uns nur schwer vorstellen können. Er sucht dabei nach einfachen Vergleichsmitteln.

Haben Sie schon mal einen Blauwal gesehen? Wahrscheinlich eben so wenig wie der Rezensent. Riesig soll er sein. Doch wie riesig ist riesig? Erfährt man aber, dass allein die Zunge des Blauwals so groß ist wie ein Elefant, dann begreift man, dass der Blauwal ein echtes Monstrum von Tier ist - oder anders ausgedrückt 25 Elefanten groß.

Der Blauwal ist nicht allein. Oft genug stößt man in Büchern oder Zeitungen auf Dinge, die so groß oder klein, so schnell oder langsam, so schwer oder leicht sein sollen, dabei fällt es schwer, sie sich vorzustellen. Der Vergleichsmaßstab fehlt. Da kommt das Buch "Wie viele Elefanten wiegt ein Blauwal - Nützliche Antworten auf Fragen, die niemand stellt" des Engländers Marcus Weeks gerade recht. Mit typisch englischem Sinn für Skurriles und Humor hat er 11 verschiedene Maßeinheiten in handliche und sinnliche Vergleiche übersetzt. Eine genial einfache Idee, denn sobald gesagt wird "etwas ist so lang wie ... " oder "es entspricht der Größe von ... " weiß man sofort Bescheid.

Um eine gute Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Wasser eine Badewanne schluckt, hat der Autor ihre Füllung in Weinflaschen ausgerechnet. Immerhin 666 passen rein. 5000 Badewannen passen in ein Olympisches Schwimmbecken und 12.000 Badewannen stürzen in jeder Sekunde die Niagarafälle runter.

Oder da ist die australische Maßeinheit für riesige Wassermengen: das Sydharb - das Wasservolumen des Hafenbeckens von Sydney. Der Wasserverbrauch der Australier beträgt danach rund 7,65 Sydharb im Jahr. Das entspricht 38.250 Gigalitern oder nach Weeks-Methode 1,5 Millionen Olympische Becken.

Natürlich sind die Beispiele, die Marcus Week aufführt, stets nur Annäherungswerte. Aber sie helfen unserer oftmals beschränkten Vorstellungskraft bei Zahlen und Maßen auf die Sprünge. Der Autor nutzt Alltagsgegenstände und Erfahrungen, um Unvorstellbares anschaulich zu machen. Ob Gewicht oder Geschwindigkeit, Entfernung oder Temperatur, Bevölkerung oder Speicherkapazitäten - für alles nennt das Buch einen Vergleich.

Dabei ist Weeks' beste Idee die selbst ausgedachten Maßeinheiten: Len zum Beispiel, benannt nach Leonardos Zeichnung eines Mannes mit ausgestreckten Armen. Diese Spannbreite kennt jeder. Ein Albatros kann seine Flügel demnach zwei Len weit ausbreiten. Oder Kat anstelle von Kilogramm: Kat steht für Kater. Ein Durchschnittsmensch wiegt danach rund 20 Kat, also soviel wie 20 Kater.

Weeks Buch ist reich bebildert: Alle Vergleiche sind in Fotos oder Zeichnungen umgesetzt. Die Texte kommen als Bilderklärungen daher. So sieht man oftmals mit einem einzigen Blick, was gemeint ist. Auch hier kommt die Komik nicht zu kurz, wenn er zum Beispiel 21,5 rote englische Telefonzellen aus einem Container quellen lässt. Es ist natürlich kein Buch, das man in klassischem Sinne lesen kann. Es ist ein kleines Nachschlagewerk zum Schmökern, das uns durch seine gelungenen Vergleiche immer wieder zum Staunen bringt.

Besprochen von Johannes Kaiser

Marcus Weeks: Wie viele Elefanten wiegt ein Blauwal - Nützliche Antworten auf Fragen, die niemand stellt
Aus dem Englischen von Peter Wittmann
Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011
128 Seiten, 19.95 Euro

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