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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 04.06.2015

Unabhängiger Ölproduzent unter DruckLes Texas und das Fracking

Von Andreas Horchler

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Erdölförderpumpe zur Erdölförderung am Abend  (imago)
Erdölförderpumpe zur Erdölförderung (imago)

Der Geologe Les Texas gab sich seinen Namen, als 1956 über Umwege in die USA kam. Der gebürtige Ungar stieg ins Ölgeschäft ein und wurde ein unabhängiger Ölproduzent. Sein Geschäft war schon immer risikoreich - doch seitdem es Fracking gibt, ist er noch stärker unter Druck.

Ein Bohrer dringt in die texanische Erde ein, um Gas und Öl aus dem Schiefer in der Tiefe zu fördern. Der Krach ist Musik in den Ohren von Les Texas. Er hat das Geräusch in den letzten drei Jahren oft gehört. Aber er war selten an den Bohrungen beteiligt.

Leute wie Les werden im texanischen Ölgeschäft "Wildcatter" genannt. Sie bohren auf eigene Faust und oft an Orten, wo die großen Firmen kein Öl und kein Erdgas vermuten.

Aber im modernen Ölgeschäft wird nichts dem Zufall überlassen. Die Unabhängigen haben in Zeiten des "Hydraulic Fracturing" oder "Fracking" keine Chance gegen die großen Ölgesellschaften. Nur sie haben die Mittel, große Landflächen zu pachten, die Schürfrechte zu erwerben, senkrecht tief in die Erde zu bohren und unter der Erde horizontal weiter zu graben, um an das im Schiefer eingeschlossene Öl zu kommen. Eine Millioneninvestition. Les träumt:

"Ich möchte einen richtig schönen Schnitt machen, wenn ich auf Öl stoße. Aber das wird nie passieren, weil das Risiko hoch ist."

Das Risiko war schon immer hoch, aber die Chancen, als unabhängiger Produzent schnell viel Geld zu verdienen, waren vor einigen Jahrzehnten erheblich höher. Der kleine, drahtige Geologe mit schlohweißem Haar erzählt Geschichten von Ölquellen, aus denen mehrere 100 Fass Öl pro Tag sprudelten, vom schnellen Reichtum, dem Rolls Royce und dem Privatflugzeug, von schlechten Verträgen mit den Ölmultis, den Schulden, der Pleite, den Neuanfängen.

"My name was Laszlo Sicz."

Gern erzählt Les die Geschichte, wie aus Laszlo Les wurde. Er wächst in Ungarn auf, studiert Geologie. Der Volksaufstand 1956 scheitert, der Großvater schwärmt dem Jungen Laszlo von Amerika vor. Der setzt sich in den 60er-Jahren über das ehemalige Jugoslawien nach Italien ab, arbeitet als Handlanger und Elektriker, kommt schließlich nach Texas. Er hat sich geschworen: Wenn ich es nach Amerika schaffe, nehme ich den Namen des Ortes an, an dem ich wieder als Geologe arbeiten kann. Dazu muss man stehen, um glaubwürdig zu bleiben.

Bei der Erkundung neuer Ölfelder kann Les Texas nicht mehr mithalten

Beim Amtsgericht fragt ihn der Richter, ob er wirklich "Texas" heißen will. Die Yankees im Norden mögen "Texas" nicht. Ja, sagt er, ich habe drei Jahre Karate und Taek Won Do gelernt, ich komme schon klar. Und der Richter: Ja, das glaube ich auch.

Und dann erzählt Les, wie das Ölgesellschaft in den 1960er- und 70er-Jahren lief, wie jemand mit dem richtigen Gespür Millionen verdienen konnte - oder verlieren.

Rechtsanwalt Hilmar Zeissig ist vor über 30 Jahren von einem deutschen Konzern nach Houston entsandt worden. Und er ist geblieben, berät Ölfirmen, setzt internationale Verträge für die Erschließung, Förderung und Vermarktung von Öl und Gas auf.

Selbst wenn der Ölpreis kurzzeitig unter 50 Dollar pro Barrel gefallen ist, selbst wenn die Branchenriesen Halliburton, Baker Hughes und BP mehr als 20.000 Stellen streichen, wenn sich für den Moment weniger Bohrer in die texanische Erde fressen, Zeissig meint: Houston kann das nichts anhaben. Die Stadt lebt zwar vom Öl, aber noch mehr von den Raffinerien. Und die erhalten immer Nachschub Nachschub.

Bei Les Texas im Garten lässt ein Ochsenfrosch in einem Weiher seinen Bass ertönen. Les lebt ein wenig außerhalb der hektischen, ständig wachsenden Öl- und Raffinerie-Metropole Houston, in der sich wegen des geringen Gaspreises auch immer mehr deutsche und internationale Chemieunternehmen mit Zweigstellen niederlassen.

Das Motto des alten "Wildcatters": Abwarten, was der Markt bringt. Bei der Erkundung neuer Ölfelder kann der Geologe schon längst nicht mehr mithalten.

"Die Erkundung ist ein Spiel, bei dem man einen Dollar investiert und 35 zurückbekommt. Wenn es funktioniert. Ansonsten verliert man alles. Heutzutage hat ein kleiner Spieler wie ich null Chancen, ein Erkundungsprojekt zu verkaufen."

 

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