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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.10.2016

Umzug der "Berliner Zeitung""Eine Art Operation am offenen Herzen"

Brigitte Baetz im Gespräch mit Julius Stucke

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Werbung für den Berliner Kurier und die Berliner Zeitung am Gebäude des Berliner Verlags in Berlin im Bezirk Mitte, aufgenommen im November 2011 (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Weg vom bisherigen Standort in Berlin-Mitte: "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" ziehen demnächst um. (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Wie viele Kündigungen wird es geben? Die Medienjournalistin Brigitte Baetz erwartet, dass die Redaktion der "Berliner Zeitung" an einem gemeinsamen News-Desk mit dem "Berliner Kurier" in neuen Räumen stark verkleinert wird – als Teil des Sparkurses des Kölner Stammverlages DuMont.

Heftig wird zurzeit über die Zukunft der "Berliner Zeitung" spekuliert. Die "Zeit" schreibt von einem drohenden "brutalen Neuanfang" der nichts weniger als "Sprengstoff für Berlin" darstelle.

Die "Berliner Zeitung" sei ja nicht irgendein Blatt, sagt die Medienjournalistin Brigitte Baetz im Deutschlandradio Kultur: "Das ist zwar in erster Linie, das muss man so sagen, eine Regionalzeitung. Aber sie sollte ja sogar einmal zu einer Art deutschen 'Washington Post' werden. Es ist eine Hauptstadtzeitung und nun soll in einer Art Operation am offenen Herzen die Redaktion extrem verschlankt werden."

Gemeinsam mit dem "Berliner Kurier" habe die "Berliner Zeitung" aktuell unter dem Dach des Berliner Verlages 160 Redakteure, so Baetz. Nach einem Umzug weg vom Hochhaus am Alexanderplatz solle es in neuen Räumen dann einen gemeinsamen Newsdesk geben: "Eventuell sogar, und das wäre für die soziale Absicherung der Belegschaft katastrophal, könnte eine ganz neue Gesellschaft die Verlagskonstruktion ablösen."

DuMont schweigt zu den Spekulationen

Die Vorhaben könnten auch Auswirkungen auf den Stammverlag in Köln - die DuMont Mediengruppe - haben, vermutet die Medienjournalistin. Diese betreibe dort in einer ähnlichen Konstellation den "Kölner Stadt-Anzeiger" und das Boulevardblatt "Express", die sie nach Berliner Vorbild mit vergleichbaren Personaleinsparungen umbauen könnte. Eine weitere Option bestehe darin, die Boulevardberichterstattung zukünftig ausschließlich online stattfinden zu lassen, erläuterte Baetz.

Statt die Spekulationen zu beenden, schweigt DuMont bisher zu seinen Plänen. "Man will zuerst die Belegschaft informieren, das ist ja auch verständlich", kommentierte die Journalistin das Vorgehen. Da aber in der neuen Redaktion einfach weniger Platz vorhanden ist, sei klar, dass Entlassungen oder Auslagerungen in andere Gesellschaften mit entsprechenden finanziellen Einbußen unumgänglich seien. Sie habe Informationen, dass bereits vor Wochen Korrespondenten der "Berliner Zeitung" geraten worden sei, noch vorhandenen Urlaub zu nehmen. 

Teil einer Gesamtstrategie des Stammverlages

Der Vorstandsvorsitzende der DuMont Mediengruppe, Christoph Bauer, habe im Zusammenhang mit dem geplanten Berliner Umzug von einer "konsequenten Weiterentwicklung eines innovativen digitalen Medienhauses" gesprochen. Dies bedeute nichts anderes, als dass neue Strukturen über die Grenzen einzelner Medientitel der Mediengruppe hinaus geschaffen würden, so Baetz.

(hum)

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