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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.01.2019

Umweltethiker zum Artenschutz"Die Biene wird das letzte Insekt sein, das ausstirbt"

Martin Gorke im Gespräch mit Dieter Kassel

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Übereinander wuselnde Bienen. (EyeEm / Pitt)
Die Biene ist nett, darum bekommt sie Aufmerksamkeit. (EyeEm / Pitt)

Mit Biene oder Eisbär wird gern für Artenschutz geworben. Doch wie halten wir es mit "unsympathischen" Arten? Und sollten wir auf Bauvorhaben verzichten wegen eines geschützten Insekts? Der Biologe Martin Gorke führt ein Argument dafür ins Feld: die Moral.

In Bayern ist ein Volksbegehren für mehr Artenvielfalt angelaufen: "Rettet die Bienen". Der Biologe und Umweltschützer Martin Gorke findet das Motto kaum verwunderlich, schließlich sei die Biene ein populärer Sympathieträger. Aber: "Die Honigbiene ist nicht wirklich bedroht", sagt er im Deutschlandfunk Kultur. "Das wird wohl das letzte Insekt sein, das ausstirbt. Es hat ja die Imker hinter sich." Anders sehe es mit Wildbienen aus: Von den mehr als 530 Arten stehe die Hälfte auf der roten Liste.

Luxusinteressen der Spezies Mensch

Zum Schutz der "weniger sympathischen" Tiere als etwa des Eisbären und der Biene sagt der Professor an der Universität Greifwald: "Die nicht netten Tiere haben in der Natur auch oft eine verborgene Bedeutung. Wenn wir die dann unterschätzen und keine Rücksicht auf die Tiere nehmen, die uns unsympathisch sind, dann fällt uns das irgendwann auf die Füße." Nach Ansicht des Biologen sollten auch wirtschaftliche Interessen wie der Bau von Brücken zugunsten des Artenschutzes hintanstehen - auch wenn es im Einzelfall teuer sei: 

"Aber wenn man es moralisch betrachtet, dann ist es eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Luxusinteressen unserer Spezies kann man nicht prinzipiell vorordnen gegenüber den existentiellen Interessen anderer Arten. Wir sind einfach nicht allein auf diesem Planeten. Sondern eine Art unter vielen - natürlich eine ganz besondere Art insofern, als wir moralfähig sind und fähig zu objektiver Erkenntnis. Die beiden Eigenschaften sollten uns in die Lage versetzen, auch freiwillig Rücksichtnahme gegenüber der Natur vorzunehmen, also auf etwas auch mal verzichten."

(bth)

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