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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 03.08.2021

Umwelt"Klimaschutz ist Außenpolitik"

Gabor Steingart im Gespräch mit Anke Schaefer

Braunkohle Tagebau Garzweiler II, Absetzer Bagger füllt am Ostrand des Tagebau die Grube auf, Windpark im Hintergrund. (imago / Jochen Tack)
Klimaschutz geht nur zusammen: Wenn die einen auf erneuerbare Energien setzen und die anderen fossile Brennstoffe weiter fördern, funktioniert es nicht, sagt der Journalist Gabor Steingart. (imago / Jochen Tack)

Die Grünen haben ihr Klimaschutzsofortprogramm vorgestellt. Auch der Journalist Gabor Steingart ist davon überzeugt, dass das Thema in der nächsten Regierung eine zentrale Rolle spielt. Wichtig sei es dabei, andere Staaten mit einzubinden.

Die Pläne des Klimaschutzsofortprogramms der Grünen sehen unter anderem einen schnelleren Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie einen Kohleausstieg schon 2030 vor. Bisher ist er für spätestens 2038 geplant. Auch von einem Klimaschutzministerium mit einem Vetorecht ist die Rede.

Rund acht Wochen vor der Bundestagswahl dürfe man die Grünen nicht abschreiben, sagt der Berliner Journalist Gabor Steingart: "Klimaschutz wird eine Rolle spielen müssen in der nächsten Regierung."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Die Wähler wollten einen Wechsel, einen neuen ökologischen Akzent. "Das beginnt beim Rasen auf der Autobahn und geht über die Tierhaltung und die Förderung der Häuser mit anderer Energieversorgung. Das sind alles lebensnahe Themen", so Steingart. "Die heutigen Grünen sind pragmatisch."

Schlüsselkompetenz Außenpolitik

Allerdings: Egal, wie gut ein Programm sei, Klimaschutz funktioniere alleine nicht, sondern man müsse mit anderen Staaten einen Konsens finden. "Wir dürfen nicht nationalistisch werden, nur weil es ums Klima geht. Gerade Klimaschutz ist was für Internationalisten und für Europäer", sagt Steingart.

Den Wunsch der Grünen, den Außenminister oder die Außenministerin zu stellen, findet Steingart interessant. "Ich glaube, Klimaschutz ist Außenpolitik." Über das Thema könne man mit anderen Staaten ins Gespräch und ins Geschäft kommen. "Denn die Welt ist keinesfalls so grün, wie wir uns das in Deutschland denken", sagt Steingart. Viele Staaten setzten nach wie vor auf Kohle und auch die Ölscheichs erhöhen die Förderquoten und denken nicht an Ausstieg. 

Alternativen bieten

Was Deutschland für Klimaschutzgesetze habe, interessiere die Ölscheichs nicht, glaubt Steingart. Deswegen müsse man den Ölförderländern auch Alternativen anbieten. Mit Ländern wie Russland müsse man über Wachstumspfade jenseits der fossilen Brennstoffe sprechen und dort andere Industrien aufbauen.

Der Journalist Gabor Steingart sitzt mit gefalteten Händen auf einem Stuhl (picture alliance / dpa / Fabian Sommer)Gerade Klimaschutz ist was für Internationalisten und für Europäer, sagt Steingart. (picture alliance / dpa / Fabian Sommer)

"Die Emission der fossilen Brennstoffe beginnt an der Quelle. Man muss mit diesen Ländern sprechen und auch Geschäfte machen", sagt Steingart. Den Bau der umstrittenen Gaspipeline Nordstream 2 hält er für falsch. "Das ist der große Widerspruch. Die CDU verspricht 2045 sind wir klimaneutral in Deutschland. Und dann wird der größte fossile Deal in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende gebaut", so Steingart. "Das ist absolut widersprüchlich und gehört aus meiner Sicht im Wahlkampf auch mal thematisiert."

Allerdings dürfe man auch nicht glauben, dass man große, mächtige Länder wie Russland "austrocknen" könne. "Insofern ist Klima tatsächlich sehr komplex", sagt Steingart.

Der Journalist Gabor Steingart betreibt in Berlin ein eigenes Online-Angebot, mit dem er jeden Morgen über das Weltgeschehen informiert, einen eigenen Newsletter sowie einen Podcast anbietet. Er war zuvor Herausgeber und Chefredakteur der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt", Washington-Korrespondent des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und leitete mehrere Jahre dessen Berliner Hauptstadtbüro.

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