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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 31.03.2014

UmweltBlick in den Abgrund

Wenn der Klimawandel nicht bekämpft wird, drohen Unruhen und Kriege

Von Georg Ehring

Eine Hand hält einen Globus. (AP)
Die Welt ist in in Gefahr und alle tragen die Verantwortung. (AP)

Der Sachstandsbericht des Weltklimarats liest sich wie eine Horrorvision. Georg Ehring, Redakteur von Deutschlandradio Kultur, appelliert alle, ihn ernst zu nehmen und warnt vor unvergleichbaren Zerstörungen.

Klar, die Energiewende kostet viele Milliarden Euro - und die Kosten haben die Bürger, die die Umlage für erneuerbare Energien und die Privilegien für Aluminiumindustrie, Stahlwerke und andere Großverbraucher von Strom aufbringen müssen. Allen, die die Umstellung auf Erneuerbare Energien zu teuer finden, sei ein Blick in den heute veröffentlichten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC zu den Folgen des Klimawandels empfohlen – oder mindestens in die gut 40 Seiten starke Zusammenfassung für Entscheidungsträger.

In vorsichtigen Worten und mit der Zurückhaltung von Wissenschaftlern gibt er den Blick in das Horrorkabinett einer Zukunft im von Menschen gemachten Klimawandel. Die Zukunft wird ziemlich düster, wenn wir uns für ein "Weiter so" entscheiden – sprich weiter kaum gebremst Strom mit umweltschädlicher Kohle erzeugen, spritdurstige Autos und Flugzeuge benutzen, in schlecht gedämmten Häusern leben und mehr Fleisch konsumieren als die Landwirtschaft auf nachhaltige Weise produzieren kann.

Keine apokalyptischen Wissenschaftler

Der IPCC, das ist nicht irgendeine Gruppe von Wissenschaftlern mit Neigung zu apokalyptischen Szenarien – es handelt sich um einen weltweiten Wissenschafts-Verbund im Auftrag der Vereinten Nationen. Er hat zum fünften Mal den Kenntnisstand der Menschheit zum Klimawandel zusammengetragen – und bestätigt auf besserer Datenbasis, was schon früher vorhergesagt wurde: Die Erwärmung lässt ohnehin schon trockene Regionen  weiter verdorren und  schickt noch stärkere Regengüsse in Gebiete, die schon heute häufig überschwemmt sind. Ernten werden unsicherer. Gerade in den Tropen, also in vielen ärmeren Ländern wird es Regionen geben, die für die Landwirtschaft nicht mehr zu gebrauchen sind. Hungersnöte und das Auswandern vieler Menschen sind die absehbaren Konsequenzen. Unruhen und Kriege können folgen.

Hitzewellen ungeahnten Ausmaßes

Die Erwärmung beschädigt durch Hitzewellen ungeahnten Ausmaßes die Gesundheit vieler Menschen. Die Küsten sind durch den steigenden Meeresspiegel bedroht, Korallen, Fische und Muscheln durch die Versauerung der Meere. Wenn die Erwärmung begrenzt wird bleiben die Schäden im Rahmen und sind durch eine kluge Strategie der Anpassung zu schultern.  Bei mehr als zwei Grad Erwärmung jedoch wird es drastisch teurer. Derzeit sind wir auf dem Weg, diese Latte zu reißen. Wenn die Emission von Treibhausgasen weiter wächst wie bisher, sind sogar mehr als vier Grad drin, mit katastrophalen Folgen.

Im nächsten Jahr will die Weltgemeinschaft in Paris einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll abschließen, um die Erwärmung in den Griff zu bekommen. Es sieht derzeit nicht so  aus als ob dies gelingt. Den nötigen Ehrgeiz dafür hat zuletzt auch Deutschland vermissen lassen. Morgen trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder zusammen, um über die Zukunft der Energiewende zu reden. Die Runde muss auch die Begrenzung der Kosten im Blick haben. Wichtiger ist aber, die Energiewende zu beschleunigen, um viel größere Schäden und Kosten in Zukunft zu vermeiden. 

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