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Thema / Archiv | Beitrag vom 15.04.2010

Umstrittene Vermittlungsinstanz

Ehemalige Heimkinder kritisieren Runden Tisch

Von André Zantrow

Ehemalige Heimkinder erinnern bei einer Demonstration mit einer "Prügel-Nonne" an die Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen.
Ehemalige Heimkinder erinnern bei einer Demonstration mit einer "Prügel-Nonne" an die Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen.

Nachdem in den letzten Jahren immer mehr Fälle von Misshandlungen in Kinderheimen öffentlich gemacht wurden, richtete der Bundestag einen Runden Tisch Heimerziehung ein. Doch mit dem sind die ehemaligen Opfer nicht einverstanden.

Die Heimkinder haben lange geschwiegen. Erst nachdem 2006 das Buch "Schläge im Namen des Herrn" von Peter Wensierski erschien, fassten mehrere Betroffene den Mut, über die systematischen Misshandlungen in westdeutschen - meist kirchlich betriebenen - Kinderheimen in den 50er und 60er-Jahren zu sprechen.

"Als ich in das Heim eingeliefert wurde, sagte der Direktor wortwörtlich zu mir: 'Schulunterricht gibt es hier nicht. Wir brauchen hier flinke und tüchtige Arbeitskräfte und keine schlauen Gelehrten.' Mir wurde also die Schulbildung verweigert, ebenso auch die berufliche Ausbildung. Wir mussten in dem Heim arbeiten, am Tag bis zu zwölf Stunden unter unmöglichen Umständen, fast unmenschlichen Bedingungen."

Wie Dietmar Krone gingen nun zahlreiche ehemalige Heimkinder mit ihren Misshandlungserfahrungen in die Öffentlichkeit. Vor gut einem Jahr richtete der Bundestag dann einen Runden Tisch zu dem Thema ein, unter dem Vorsitz von Antje Vollmer.

Die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin sah sich aber schnell mit Kritik konfrontiert. Wegen ihrer Vergangenheit als Pastorin sei sie für die Vermittlung zwischen den Kirchen und ihren Opfern ungeeignet. Später monierte der "Verein Ehemaliger Heimkinder" seine Anwälte seien am Runden Tisch nicht zugelassen.

Zuletzt meldeten sich Betroffene, die in DDR-Kinderheimen misshandelt worden waren, und forderten, auch diese Vorfälle am Runden Tisch einzubeziehen.

Derzeit wird vor allem über Kindesmissbrauch an Schulen und Internaten diskutiert. Aber auch aus Kinderheimen werden erneut Fälle gemeldet. So steht der heutige Augsburger Bischof Walter Mixa inzwischen unter Verdacht. Sieben ehemalige Heinkinder haben eidesstattliche Erklärungen abgegeben, von Mixa, damals Stadtpfarrer von Schrobenhausen, in den 70er- und 80er-Jahren geschlagen worden zu sein. Mixa bestreitet jedoch die Vorwürfe.

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