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Fazit | Beitrag vom 16.04.2018

Umstrittene Echo-AuszeichnungKulturrat zieht Konsequenzen aus "Fehleinschätzung"

Christian Höppner im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Die Rapper Kollegah (li.) und Farid Bang (re.) bei der Echo-Verleihung 2018 (Jörg Carstensen/dpa)
Die Rapper Kollegah (li.) und Farid Bang (re.) bei der Echo-Verleihung 2018 (Jörg Carstensen/dpa)

Der Deutsche Kulturrat zieht sich aus dem Beirat des Echo-Musikpreises zurück. Er reagiert damit auf die Vergabe des Echos an die Rapper Kollegah und Farid Bang. Zuvor hatte man die kontrovers diskutierte Entscheidung noch mitgetragen.

Die Verleihung des Musikpreises Echo an die Rapper Kollegah & Farid Bang hat ein Beben ausgelöst: Einige ihrer Textzeilen wurden als antisemitisch kritisiert. Jetzt geben Preisträger geben ihre Echos zurück, darunter der Pianist Igor Levit. Die Vergabe an die beiden Rapper sei für ihn "ein vollkommen verantwortungsloser, unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unsere Gesellschaft", schrieb Levit auf Twitter. "Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich." Levit hatte 2014 einen Echo-Klassik erhalten.

Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf, Sänger Wolfgang Niedecken sagte, man habe ihn bei der Verleihung "ins Messer laufen lassen".

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, gab jetzt bekannt, dass sich der Kulturrat aus dem Echo-Ethikbeirat zurückziehen werde. Zuvor hatte der Kulturrat die Echo-Entscheidung noch mitgetragen.

Eine Fehleinschätzung

Im Deutschlandfunk Kultur argumentierte Höppner den nachträgliche Rückzug mit dem Ringen um die Kunstfreiheit. Man habe sehr hart gerungen und sei zu einer Fehleinschätzung gekommen:

"Das war ein Fehler, diese Entscheidung, auch wenn die wirklich sehr ernsthaft getroffen wurde, aber es ist ein Fehler gewesen, und deswegen ziehen wir uns zurück."

Beim künstlerischen Format des Gangsta-Rap sei die Abwägung eben besonders schwer gefallen: "Natürlich, diese Texte finden wir alle widerlich, aber es geht hier nicht um den Geschmack. Es ist ja ein künstlerisches Format. Und die Frage ist, ob man es innerhalb dieses Formates zulassen kann oder nicht."

"Unglaublich diffizile Abgrenzung"

Weiter sagte Höppner: "Der Antisemitismus ist natürlich etwas, was überhaupt nicht vorkommen darf, aber genauso die Gewaltverherrlichung, die nicht vorkommen darf. Andererseits ist das Genre des Gangsta-Rap seit über 30 Jahren genau darauf angelegt, diese Überschreitungen, diese Grenzüberschreitungen vorzunehmen. Und das ist eine unglaublich diffizile Abgrenzung, bei der man nur durch einen breiten gesellschaftlichen Dialog einen besseren Konsens kriegen kann, als wir ihn derzeit in unserer Gesellschaft haben."

Der Bundesverband Musikindustrie habe eine umfassende Reform des Echo angekündigt, sagte Höppner, dennoch steige der Kulturrat aus:

"Ich bin überzeugt, dass es in der derzeitigen Konstruktion, - also Verkaufszahlen, dann Juryentscheidung, gegebenenfalls Beiratsanrufung und dann letztendlich ja doch die Entscheidung des Bundesverbandes der Musikindustrie, ob jemand auftritt und den Preis kriegt oder nicht, - das ist gesellschaftlich nicht mehr tragfähig."

Kulturpresseschau

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