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Fazit | Beitrag vom 11.12.2019

Umstrittene Arno-Breker-SkulpturFür eine zeitgenössische Auseinandersetzung

Berit Hempel im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Arno Breker im Juni 1983 im Garten seines Hauses in Düsseldorf-Lohhausen. Die Hände verschwinden in den Manteltaschen, mit einem nachdenklichen, nach unten gerichteten Blick. (imago images / teutopress)
Der Bildhauer Arno Breker in einer Aufnahme von 1983. Sein Monumentalstil begeisterte die Nationalsozialisten, später saßen hochrangige Politiker der Bundesrepublik in seinem Atelier. (imago images / teutopress)

Darf eine Skulptur eines von den Nationalsozialisten gefeierten Künstlers weiter im öffentlichen Raum stehen, oder sollte sie entfernt werden? Es geht um Arno Brekers Athene-Skulptur vor dem Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium.

Der Monumentalstil des Bildhauers Arno Breker begeisterte die Nationalsozialisten. Hitler schenkte ihm ein Schloss und geräumige Staatsateliers. Brekers Name wurde auf die sogenannte Gottbegnadeten-Liste gesetzt. Als Künstler war er nun unersetzlich. Man stellte ihn vom Kriegsdienst frei und schickte ihn nach Paris, wo er in "arisierten" Stadtpalais weiter modellierte und nicht-deutsche Künstler traf. 

Auf diese konnte er sich nach dem Krieg berufen, als es darum ging, bei der "Entnazifizierung" mit einer Einstufung als "Mitläufer" davon zu kommen. Das klappte und in Brekers Atelier saßen bald wieder hochrangige Politiker wie Konrad Adenauer Modell.

Öffentliche Diskussion

Überlebensgroß, aber nicht monumental, ist auch seine Skulptur der antiken Göttin Pallas Athene. 1957 wurde sie vor dem Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium aufgestellt. Nach einer kompletten Sanierung und Neugestaltung will die Schule nun Brekers Athene entfernen lassen, doch die Stadt Wuppertal stellt sich dagegen.

Nun fand eine öffentliche Diskussion statt, in der es letztlich um die Frage ging: Darf eine Skulptur eines von den Nationalsozialisten gefeierten Künstlers weiter im öffentlichen Raum stehen, oder sollte sie entfernt werden? Noch dazu, wenn sie vor einer Schule steht.

Berit Hempel hat die Diskussion verfolgt und berichtet von einer erstaunlich ruhigen Diskussion, der man einen allgemeinen Einigungswillen angemerkt habe. Lehrerinnen und Schüler hätten argumentiert, die Skulptur passe schlicht nicht mehr zum neu gestalteten baulichen Ensemble sowie zu dem, wie die Schule sich zeigen möchte - als Schule ohne Rassismus, als Schule mit Courage.

Die Skulptur ist fehl am Platz

"Da wirkt diese kriegerische Figur einfach fehl am Platz." Sie hat nämlich einen Helm auf dem Kopf und einen Speer in der Hand, der sogar nach unten zielt, also auf diejenigen, die auf sie zugehen.  

Felix Krämer ist Generaldirektor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf und berichtet auf dem Podium, dass es interessanterweise kaum andere Athenen gebe, die in dieser kriegerischen Funktion, dieser Abwehrhaltung, gezeigt werden. Eine habe er aber doch ausfindig machen können, dabei handle es sich bezeichnenderweise um ein faschistisches Denkmal aus dem Jahr 1932 in Italien.

Eine Frage des Denkmalschutzes

Die einzige Referenz, die es im öffentlichen Raum also noch gebe, sei ein von den Faschisten errichtetes Denkmal: "Ich finde, man kann schon zu Recht fragen: Ist das wirklich der Kontext, der zu einer Schule passt?"

Der Beigeordnete der Stadt Wuppertal, Matthias Nocke, hingegen habe auf den Denkmalschutz hingewiesen, der für die Statue samt Sockel seit 1997 gelte, berichtet Hempel. Und einige Schüler hätten betont, sie sähen in der Skulptur kein heroisches, sondern vielmehr ein humanistisches Menschenbild verkörpert, sie fühlten sich eher beschützt als bedroht von dieser Figur.
 
Arno Breker neben einer seiner Büsten. (imago images / ZUMA / Keystone)Die Nationalsozialisten liebten ihn: Arno Breker. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er nahtlos an seine Karriere anknüpfen. (imago images / ZUMA / Keystone)

Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen indes habe gesagt, wie hässlich diese Skulptur sei. Und Brigitte Franzen, die Vorständin der Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung, machte drei Vorschläge, wie man mit der Plastik umgehen sollte:

Die Skulptur um einen künstlerischen Kommentar ergänzen

Man könne die Skulptur mittels einer Tafel kommentieren bzw. die bereits bestehende Tafel aktualisieren, oder die Skulptur ins Museum bringen und dort kommentieren, oder, als letzte Möglichkeit, sie um einen künstlerischen Kommentar ergänzen.

Eine Einigung scheint jedenfalls möglich. Diese dreht sich mehr um eine zeitgenössische Auseinandersetzung und weniger um eine Verlegung der Skulptur.

Kulturpresseschau

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