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Lesart | Beitrag vom 17.09.2021

Umgang mit RassismusBesser informieren, weniger skandalisieren

Aladin El-Mafaalani im Gespräch mit Frank Meyer

Aladin El-Mafaalani sitzt in einem blauen Anzug auf dem Sofa. Im Hintergrund sind Bilder an der Wand erkennbar. (Mirza Odabasi)
Der Migrationsforscher Aladin El-Mafaalani beschäftigt sich an der Universität Osnabrück mit Rassismus, Diskriminierung und sozialer Ungleichheit. (Mirza Odabasi)

Es gebe Überbleibsel eines strukturellen Rassismus in der deutschen Gesellschaft, sagt der Migrationsforscher Aladin El-Mafaalani. In seinem neuen Buch "Wozu Rassismus?" plädiert er für mehr Gelassenheit im Umgang damit.

Das Thema Rassismus ist im Mainstream angekommen – im Radio, in den Nachrichten, in Dokumentarfilmen und zunehmend auch in Spielfilmen, sagt Aladin El-Mafaalani. Als Professor für Migrationsforschung beschäftigt er sich mit Rassismus, Diskriminierung und sozialer Ungleichheit.

Texte und Befunde aktualisieren

"Wenn so ein Thema im Mainstream ankommt, führt es dazu, dass das Niveau des Diskurses abfällt", sagt er. Deshalb habe er sich damit beschäftigt, wie sich der Umgang mit diesem Thema in den letzten Jahren verändert hat – vor allem vor dem Hintergrund aktueller Fälle, wie George Floyd oder den Anschlägen von Hanau und Halle. In diesem Licht müssten Texte und Befunde aktualisiert werden.

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Bis heute existiere in unserer Gesellschaft ein struktureller Rassismus, sagt El-Mafaalani. Das ließe sich historisch herleiten, denn vor etwa 100 Jahren sei Rassismus noch in Gesetzen verbrieft und strukturell in der Gesellschaft verankert gewesen. "Das wurde zunehmend gelockert. Heute haben wir in den Strukturen der Gesellschaft nur noch Überbleibsel davon", sagt El-Mafaalani, "aber nach diesen Überbleibseln müssen wir suchen."

Plädoyer für mehr Gelassenheit

Das bedeute nicht, dass unsere Gesellschaft heute schrecklich und negativ sei, sondern im Gegenteil, es habe soziale Fortschritte gegeben, die dieses Problem überhaupt erst erkennbar gemacht haben. Noch in seiner Jugend sei der Rassismus in der Gesellschaft viel stärker ausgeprägt gewesen, aber man konnte das Problem damals noch nicht thematisieren, sagt El-Mafaalani. "Heute sind wir enorm viel weiter, denn wenn man über ein Thema sprechen kann, hat man auch verstanden, dass es dieses Problem gibt."

Deshalb, so El-Mafaalani, gebe es auch gute Gründe für mehr Gelassenheit. Wenn man weiß, dass es Überbleibsel des strukturellen Rassismus gibt, sollte nicht jedes Mal ein Skandal daraus gemacht werden, wenn dieser Rassismus zu Tage tritt. "Wir sollten damit informiert umgehen", so El-Mafaalani. Übertriebene Skandalisierungen und aufgeregte Diskussionen zeigten nur, dass die Gesellschaft noch nicht informiert ist. Er plädiert daher dafür, sich nüchtern, gelassen und sachlich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

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