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Interview | Beitrag vom 12.09.2020

Umgang mit Flüchtlingen auf Lesbos"Das ist tatsächlich beschämend"

Peter Neher im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Flüchtlingsfamilie, die jetzt auf der Straße campiert.  (picture-alliance/Eurokinissi)
Viele Flüchtlingsfamilien campieren nach dem Brand in Moria auf Kartons und Decken unter freiem Himmel. (picture-alliance/Eurokinissi)

Als beschämend beschreibt der Caritas-Präsident Peter Neher die mangelnde Aufnahmebereitschaft gegenüber Flüchtlingen aus dem abgebrannten Lager in Moria auf Lesbos. Es müsse angesichts der dramatischen Lage in Griechenland schnell gehandelt werden.

Bis zu 12.000 Menschen sind nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos obdachlos geworden. Die Bundesregierung erlaubt nun 150 Kindern und Jugendlichen die Einreise nach Deutschland. Das sei nur ein erster Schritt, sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Opposition findet das viel zu wenig und es hagelt Kritik.  

Ein Zeichen setzen

"Das ist tatsächlich beschämend", sagt Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Er erinnert daran, dass es auch 16 CDU-Abgeordnete gibt, die gerne 5000 Flüchtlinge aufnehmen wollten. Auch Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) habe von 2000 Flüchtlingen gesprochen. Er glaube, es wäre dringend notwendig, ein eindrucksvolles Zeichen zu setzen – gerade weil Deutschland derzeit die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, so Neher.

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Neher räumte ein, dass es das Bemühen um eine europäische Lösung gebe. "Aber europäische Lösungen scheinen im Moment gescheitert." Es seien jetzt dringende Maßnahmen notwendig und dann müsse die Bundesregierung mit den EU-Staaten zusammenarbeiten, die dazu bereit sind, sich aktiv einzubringen. "Alles andere ist nur ein Verschieben." Einige EU-Staaten weigerten sich nun mal, für eine gemeinsame Migrationspolitik zur Verfügung zu stehen. Da macht es keinen Sinn, gebetsmühlenartig deshalb eine europäische Politik zu verlangen.

Moria sei eine "Katastrophe mit Ansage", so der Prälat. Auf den griechischen Inseln gebe es derzeit rund 27.000 Asylsuchende, die in Lagern lebten, die für viel weniger Menschen gedacht gewesen seien. Deshalb seien Evakuierungen wichtig und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in diesen Lagern. "Dann wird auch die Sorge vor weiteren Brandstiftungen abnehmen, wenn die Bedingungen menschenwürdig sind."

Hilfeschrei der Flüchtlinge 

Die Zustände seien unvorstellbar, wenn sich beispielsweise in Moria 80 Menschen eine Toilette oder eine Dusche teilen müssten. "Das ist die Ursache, es ist nicht einfach mutwilliges Abfackeln." Er sehe das eher als Hilfeschrei. Allerdings sei bisher unklar, ob es Brandstiftung gewesen sei. "Aber mich würde es nicht wundern." 

Entscheidend für eine Lösung seien außerdem weitere Bemühungen um Frieden in den verschiedenen Ländern, so Neher. Die Flüchtlinge stammten aus Syrien, aus Afghanistan und anderen Konfliktgebieten.

(gem) 

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