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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.01.2017

Ultraschall Berlin 2017Der Balkanroute abgelauscht

Live aus dem Heimathafen Neukölln

Der Posaunist und Dirigent Vinko Globokar bei Konzertproben. (picture-alliance / dpa / Berliner-Zeitung / Fröhling Mike)
Ein Werk des Posaunisten und Komponisten Vinko Globokar steht am Ende dieses Konzerts von Ultraschall Berlin 2017 (picture-alliance / dpa / Berliner-Zeitung / Fröhling Mike)

Das Vokalensemble PHØNIX16 begibt sich auf eine Klangreise entlang der Balkanroute - Musik für Stimmen und Elektronik aus den letzten Jahrzehnten aus Griechenland, Serbien, Kroatien und Slowenien erklingt im Heimathafen Neukölln.

Mehr als jedes Instrument ist die Stimme Träger individuellen, unverwechselbaren Ausdrucks, und das nicht nur im rein musikalischen Kontext. Seine Stimme zu erheben oder auch jemandem eine Stimme zu geben, bedeutet, sich als autonomes Subjekt zu äußern. Das Festival Ultraschall Berlin, veranstaltet von Deutschlandradio Kultur und kulturradio vom rbb, stellt in diesem Jahr die Stimme in den Mittelpunkt. Durch das Programm zieht sich - in denkbar unterschiedlicher Weise - die Stimme als roter Faden. Sie knüpft als schön geführte Stimme an die große Tradition des Liedgesangs an, sie wagt sich weit vor in die experimentelle Stimmbehandlung, die die Übereinkunft des Belcanto zur Disposition stellt.

Der Balkan verbindet Orient und Okzident, auf ihm liegt die Wiege der europäischen Demokratie. Zugleich ist er seit Jahrhunderten auch Schauplatz für Kriege und Diktaturen - und in jüngster Zeit für ein die Welt erschütterndes Flüchtlingsdrama. Die Balkanroute des Berliner Vokalensembles PHØNIX16 beginnt in der Türkei und führt über Griechenland, Serbien und Kroatien nach Slowenien. Sie erzählt von Tod, Leid, Vertreibung und Unterdrückung, von Heimatlosigkeit, sie erzählt aber auch vom Widerstand gegen Terror und letztlich sogar von trotziger Lebenslust und der utopischen Hoffnung auf Gemeinsamkeit und Glück. Vokalwerke von Iannis Xenakis, Ivo Malec, Branimir Sakac und Vinko Globokar werden konfrontiert mit elektronischer Musik der 1970er-Jahre aus Balkan-Ländern. Und so wird dieses Konzert auch zu einer musikalischen Expedition auf ein hierzulande unbekanntes musikalisches Terrain und in eine Epoche, die, obwohl sie noch gar nicht so lange zurückliegt, doch weitgehend unbekannt ist. Zu hören sind Werke, die wie Vor-Echos der jüngsten Erschütterungen wirken.

Ultraschall Berlin - Festival für neue Musik
Live aus dem Heimathafen Neukölln

Ilhan Mimaroğlu
"Agony" für Tonband (1965)

Iannis Xenakis
"Nuits" für zwölf Stimmen (1967)

Vladan Radovanović
"Voice from the Loudspeaker" (1975)

Ivo Malec
"Triola 1: Turpituda" für fixed Media (1977)

Ivo Malec
"Dodecameron" für zwölf Stimmen (1970)

Branimir Sakač
"Umbrana" für zwölf Stimmen (1973)

Ivo Malec
"Triola 3: Nuda" für fixed Media (1977)

Vinko Globokar
"Airs de voyages vers l'intérieur" für acht Stimmen, Klarinette, Posaune und Elektronik (1978)

Solistenensemble PHØNIX16
Leitung: Timo Kreuser

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