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Fazit | Beitrag vom 26.04.2021

Ulrich Matthes zur Aktion #allesdichtmachen"Bei allen liegen die Nerven blank"

Ulrich Matthes im Gespräch mit Vladimir Balzer

Schauspieler Ulrich Matthes spricht beim Kongress zum 70-jährigen Bestehen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Der Schauspieler Ulrich Matthes kritisierte die Aktion #allesdichtmachen scharf - die Kritik an der Aktion geht ihm aber auch zu weit. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)

Forderungen nach Berufsverboten, Todesdrohungen: Der Schauspieler Ulrich Matthes findet manche Reaktion auf die umstrittene Videoaktion #allesdichtmachen "skandalös". Er plädiert dafür, "abzurüsten" und miteinander zu sprechen.

Der Schauspieler Ulrich Matthes empfindet die Debatte um die satirisch-ironisch gemeinte Aktion #allesdichtmachen als "furchtbar", auch wenn er die Videoaktion immer noch für "misslungen" hält. "Ich finde es schrecklich, wie meine Kolleginnen und Kollegen jetzt bedroht werden", sagt Matthes: "Die Rufe nach irgendwelchen Berufsverboten sind grotesk."

Unter dem Motto #allesdichtmachen kommentierten 52 deutschsprachige Schauspielerinnen und Darsteller Ende April die Corona-Politik und die Berichterstattung darüber. Darunter sind Stars wie Volker Bruch, Jan Josef Liefers und Heike Makatsch. Außerdem machten sich die Beteiligten über Corona-Leugnerinnen, Querdenker und Impfgegnerinnen lustig.

"Ich schmeiße mich vor meine Kollegen"

Innerhalb von wenigen Stunden brach nach der Veröffentlichung eine Welle der Kritik und im Internet ein Shitstorm über die Aktion herein. Verbände von Ärztinnen und Patienten kritisierten die Aktion scharf. Sie sei pietätlos gegenüber den Toten und ihren Angehörigen und helfe nicht weiter.

Menschen forderten in den sozialen Medien, die Beteiligten sollten ihre Jobs verlieren oder einen Tag auf einer Covid-Intensivstation arbeiten. Sogar Todesdrohungen äußerten manche Nutzer.

Matthes meint, auch bei einer missglückten Aktion müssten die Beteiligten das Recht haben, sie zu veröffentlichen. Genauso seien jedoch auch die Zweifel und die vorgetragene Kritik sinnvoll. "Beides muss seine Berechtigung haben", sagt Matthes.

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Auch er selbst sei massiv angefeindet worden, nachdem er seine Kritik an der Aktion geäußert habe. Nach eigenen Angaben kamen die Anfeindungen alle von Männern. In einem Interview für den Fernsehsender "3sat" griff Matthes die Beteiligten von #allesdichtmachen scharf an und sagte, ihm komme bei den Videos "die Galle hoch".

Natürlich habe er sich aufgeregt, aber die Rufe nach beruflicher Ächtung und die Gewaltandrohungen finde er "skandalös". "Da schmeiße ich mich vor meine Kollegen, die ich für ihre Videos kritisiere", sagt Matthes.

Rede und Gegenrede in einer Demokratie

Trotzdem hätte es seinen Kolleginnen und Kollegen bewusst sein müssen, dass andere Menschen "das doof finden" könnten - auch wenn die Videos satirisch und ironisch gemeint gewesen seien und als Kunst angesehen werden müssten.

Jede Äußerung und jede künstlerische Äußerung werde in einer Demokratie mit einer Gegenäußerung konfrontiert. "Dann muss man zivilisiert miteinander reden, sich auch mal streiten, und anschließend trinkt man auch wieder ein Bier miteinander", findet Matthes.

Er plädiert für ein Zusammenkommen: "Ich kann wirklich nur geradezu flehentlich darum bitten, auf beiden Seiten abzurüsten, miteinander im Gespräch zu bleiben oder überhaupt wieder ins Gespräch zu kommen." Die Coronakrise habe alle Menschen getroffen. "Nach über einem Jahr liegen bei allen Menschen die Nerven blank. Wir alle haben die Schnauze von Corona voll", sagt Matthes.

(sbd)

Die Journalistin Svenja Flaßpöhler warnt im "Studio 9"-Gespräch davor, mit dem Verweis auf den Schutz von Gesundheit und Leben Freiheitsrechte undiskutiert aufzugeben: "Wenn wir das nackte Leben auf diese absolute Weise schützen wollen, dann leben wir nicht mehr."

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