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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 04.10.2017

Ulrich Greiner zur Steinmeier-Rede "Heimat ist der Raum, in dem man sich zu Hause fühlt"

Moderation: Anke Schaefer

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Hirschbrunft  (imago/Arnulf Hettrich)
Hirschbrunft im Naturpark Scheonbuch in Baden-Wuerttemberg (imago/Arnulf Hettrich)

Der Literaturkritiker und Journalist Ulrich Greiner hat begrüßt, dass sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner jüngsten Rede mit dem Begriff der Heimat auseinandergesetzt hat. Angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierung sei eine solche Besinnung wichtig.

"Heimat ist der Raum, in dem man sich zu Hause fühlt  und das ist ja nicht nur der Raum, in dem man aufgewachsen ist oder geboren ist, sondern das ist auch ein geistiger Raum, ein kultureller Raum", sagte der Literaturkritiker und Journalist Ulrich Greiner im Deutschlandfunk Kultur. Deshalb müsse man Heimat nicht neu definieren, wie das Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gefordert hatte. Steinmeier sagte unter anderem: "Ich glaube, Heimat weist in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Heimat ist der Ort, den wir als Gesellschaft erst schaffen." Greiner entgegnete, es sei zwar eine schöne Aufgabe diesen Raum zu schaffen, aber unnötig, da es ihn bereits gebe. "Wenn jeder von uns ein bisschen mithilft, dass dieser Raum erhalten bleibt, dann ist schon viel gewonnen."

Lob für Steinmeier-Rede

Der frühere Zeit-Feuilletonchef sagte, es sei gut, dass jetzt über Heimat gesprochen werde. "Früher war doch Heimat ein ganz klarer Fall von Heimatfilm und Musikantenstadl." Doch durch die Globalisierung werde Vieles fragwürdig und man komme ganz anders mit fremden Kulturen, fremden Sprachen und fremden Lebensweisen in Kontakt. "Da wird plötzlich die Besinnung auf das, wo man herkommt und was einem wertvoll ist, die kommt wieder in Gang und insofern ist das, was Steinmeier sagt, völlig richtig und plausibel."  

Der Literaturkritiker Ulrich Greiner in einem Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)Der Literaturkritiker Ulrich Greiner in einem Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Konservatives Bekenntnis

Für sein Buch "Heimatlos" habe er vielleicht einen übertriebenen und einen pathetischen Titel gewählt. Aber er finde nur noch wenige andere Menschen, mit denen er einen bestimmten kulturellen Teil noch teilen könne, sagte Greiner. Als Beispiel nannte er, dass ein Werk wie Goethes "Faust" in vielen deutschen Schulen nicht mehr gelesen werde. "Wobei mir völlig klar ist, dass das, was ich da in diesem Buch schreibe, nicht mehrheitsfähig ist", sagte Greiner über sein eigenes Werk. "Das muss auch gar nicht die Mehrheit sein." Er wolle nur, dass er durch die konservativen Gedanken, die er in dem Buch äußere, sei es zum Thema Flüchtlinge oder zum Euro, nicht in die rechte Ecke abgeschoben werde. "Das passiert ja sehr schnell."  Deshalb rede er von einer gewissen Linkslastigkeit der tonangebenden Medien. Wer noch vor fünf Jahren über Heimat gesprochen habe, wäre als Rechtspopulist bezeichnet worden.  (gem)

Ulrich Greiner: "Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen"
Rowohlt Verlag 2017,
19,95 Euro

Die ganze Sendung mit Ulrich Greiner finden Sie hier: 

Die Rede von Frank Walter Steinmeier im Wortlaut finden Sie hier.

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