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Interview | Beitrag vom 22.04.2019

Ukraine nach der WahlWer steht hinter Wolodymyr Selenski?

Florian Kellermann im Gespräch mit Axel Flemming

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Der ukrainische Komiker Selenski freut sich über sein Ergebnis bei der Präsidentschaftswahl. (imago/ITAR-TASS)
Mit Wolodymyr Selenski hat die Ukraine mal wieder einen russischsprachigen Präsidenten gewählt. Über den Kurs des Politneulings ist bisher allerdings wenig bekannt. (imago/ITAR-TASS)

Politisch ist Wolodymyr Selenski ein unbeschriebenes Blatt. Auch wer hinter ihm steht, ist unklar: Man müsse jedoch davon ausgehen, dass nun ein TV-Oligarch erheblichen Einfluss auf die Politik gewinnen werde, sagt Korrespondent Florian Kellermann.

Vom Präsidentendarsteller in einer Fernsehserie zum echten Präsidenten: Was nach dem Stoff für eine TV-Soap klingt, ist in der Ukraine Wirklichkeit geworden. Und viele fragen sich, wofür der Wahlsieger Wolodymyr Selenski politisch eigentlich steht und wer die Kräfte hinter ihm sind.

Die Leute aus dem Umfeld seien "weithin unbekannte Namen", die größtenteils bisher keine bedeutsame Rolle in der ukrainischen Politik gespielt hätten, sagt unser Korrespondent Florian Kellermann. "Aber es gibt eben auch Leute, die früher schon politisch aktiv waren, zumindest im Hintergrund."  

Und dann ist da der Kontakt zum Oligarchen Ihor Kolomojskij, in dessen Fernsehkanal Selenskis Show gelaufen sei und dessen Leute den neuen Präsidenten auch im Wahlkampf unterstützt hätten. "Man muss also davon ausgehen, dass dieser Oligarch erheblichen Einfluss auf die Politik gewinnen wird", meint Kellermann.

Neue Leute, alte Probleme?

Zwar haben offenbar Überdruss und Wut angesichts von Korruption und Vetternwirtschaft zu Selenskis Wahlsieg geführt. Dennoch sei zu befürchten, dass die alten Probleme blieben. "Obwohl Selenskyi natürlich verspricht, dass er mit all dem, mit der Korruption aufräumen wird."

Immerhin gebe es auch leise positive Signale: So habe Selenski zwei Reformer im Team, die zuvor bei Poroschenko gescheitert seien. "Wenn diese in der Mannschaft von Selenskyi etwas zu sagen bekämen, dann könnte er tatsächlich doch etwas bewegen", sagt unser Korrespondent.

Ein prorussischer Kandidat?

Unklar sei der Kurs des künftigen Präsidenten gegenüber Russland. Im Wahlkampf sei Selenski von seinem Kontrahenten vorgeworfen worden, eigentlich ein prorussischer Kandidat zu sein und dass Russland auf ihn setze. "Ich denke, das ist zu weit gegriffen", meint Kellermann.

Dennoch sei klar: "In Russland besteht die Hoffnung, dass Selenskyi ein weicherer Präsident sein würde, der Kompromisse eingeht, an denen Russland gelegen ist."

(uko)

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