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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2014

Ukraine-KriseWaffenstillstand für eine halbe Stunde

Die Lage im Bezirk Luhansk bleibt kritisch

Von Florian Kellermann

Ein brennendes Fahrzeug im Bezirk Luhansk. (picture alliance / dpa /  Evgeny Biyatov / RIA Novosti)
Ein brennendes Fahrzeug im Bezirk Luhansk. (picture alliance / dpa / Evgeny Biyatov / RIA Novosti)

Die Kämpfe in der Ostukraine gehen weiter: Ein Waffenstillstand zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee um einen Stützpunkt dauerte nur wenige Minuten. In Donezk gingen Separatisten offenbar weiter gegen kritische Bürger vor.

Nur eine halbe Stunde dauerte ein Waffenstillstand zwischen den Separatisten und der ukrainischen Armee um einen Stützpunkt der ukrainischen Grenzschutztruppen im Bezirk Luhansk. Die ukrainischen Soldaten konnten in dieser Zeit ihre bisher sieben Verletzten ins Krankenhaus bringen.

Auf der Seite der prorussischen Kämpfer seien fünf gestorben und weitere acht Menschen verletzt worden, berichteten Medien. Beide Seiten setzen unter anderem Granatwerfer ein, die ukrainische Armee wird seit den späten Morgenstunden auch von der Luftwaffe unterstützt.

Deren Aufgabe wird dadurch erschwert, dass die Separatisten von Wohngebieten aus schießen. Staatlich gelenkte russische Fernsehsender, darunter der Kanal Livenews, stellen die Kämpfe deshalb so dar, als ob die ukrainische Armee aus eigener Initiative Wohngebiete angegriffen hätte.

Der ehemaliger Leiter des Auslandsgeheimdienstes Mykola Malomusch kritisierte, die Verstärkung sei viel zu spät eingetroffen.

"Es ist ein Fehler, dass in der Nähe keine Spezialeinheit stationiert war, die rasch eingreifen kann. Inzwischen ist so eine Einheit dort eingetroffen, aber viel zu spät. Eigentlich sollte das im schlimmsten Fall nicht länger als eine Stunde dauern. Es fehlt immer noch an Koordination und deshalb an der entsprechenden Unterstützung verschiedener Truppenteile."

Explosionsursache unklar

Bisher unklar ist die Ursache einer Explosion im oder neben dem Gebäude der Bezirksverwaltung in Luhansk heute Nachmittag. Das Gebäude befindet sich seit mehreren Wochen in der Hand von Separatisten. Die Vertreter der dort ausgerufenen Volksrepublik Luhansk sprachen von mehreren Todesopfern, in ihren Reihen wie unter Zivilisten.

Sie machen die ukrainische Armee für die Explosion verantwortlich, die mutmaßlich von einer Bombe herrührte. Außerdem sei der dritte Stock des Gebäudes fast vollständig zerstört, so die Separatisten.

Anders stellten Augenzeugen die Explosion dar, berichtete die Nachrichtenagentur Unian. Ihnen zufolge hätten die Separatisten ein ukrainisches Kampfflugzeug abschießen wollen, das beim Kampf um den Stützpunkt des Grenzschutzes im Einsatz war. Die Rakete habe jedoch ihr Ziel verfehlt und sei stattdessen in die Bezirksverwaltung eingeschlagen.

Separatisten gehen weiter gegen Bürger vor

Im Nachbarbezirk Donezk gehen die Separatisten weiter gegen Bürger vor, die sich ihnen der von ihr proklamierten Volksrepublik nicht unterordnen wollen. In den Kleinstädten Amwrosijiwka und Torez nahmen sie zwei hochrangige Mitarbeiter der örtlichen Polizeidienststellen gefangen. Beim Sturm auf eine Polizeistation in einer anderer Kleinstadt Schachtarsk starb ein zufälliger Passant.

Bewaffnete in Tarnkleidung entführten außerdem drei Journalisten der Lokalzeitungen "Donbas" und "Vetschernyj Donezk", einer von ihnen ist nach jüngsten Meldungen wieder auf freiem Fuß. Redakteure sagten der Nachrichtenagentur UNIAN, die Kämpfer hätten nach ihrem Eindringen in die Redaktion verlangt, dass die Zeitungen - in ihrem Sinne - korrekt über die Ereignisse im Bezirk berichten.

Einen ähnlichen Besuch hatte schon früher die Donezker Internetseite "062.ua" bekommen, berichtet deren Chefredakteur Roman Lazorenko.

"Bei uns haben sie gefordert, dass wir sie nicht mehr als Separatisten oder Terroristen bezeichnen, sondern als Aktivisten der Volksrepublik oder als Demonstranten. Außerdem wollten sie eine direkte Zensur einführen: Wir sollten jeden Text über sie vorher mit ihnen abstimmen."

Darüberhinaus zwangen die Separatisten einen Anbieter von Kabelfernsehen in Donezk, vier ukrainische Programme abzuschalten.

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