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Interview | Beitrag vom 22.07.2019

Ukraine auf Reformkurs?Mit Sabotage und Widerständen muss Selenskyj rechnen

Kateryna Mishchenko im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Der gewählte ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskiy auf dem Weg ins Parlament.  (Getty Images / Brendan Hoffman)
Reformer Selenskyj beim Marsch in die ukrainischen Institutionen - vor ihm liegt ein weiter Weg, meint seine Landsfrau Kateryna Mishchenko. (Getty Images / Brendan Hoffman)

Auf Wolodymyr Selenskyjs "Diener der Zukunft" warten als Regierungspartei große Herausforderungen, meint die ukrainische Autorin Kateryna Mishchenko. "Die Hauptsache ist zu sehen und zu spüren, dass etwas passiert", sagt sie über die politische Stimmung im Land.

Im Kiewer Parlament hat jetzt Wolodymyr Selenskyjs eilig gegründete Partei "Diener der Zukunft" die absolute Mehrheit - eine komfortable Ausgangslage für den Präsidenten, der versprochen hat, mit der Korruption in seinem Land aufzuräumen. Allerdings sind viele der neuen Abgeordneten ohne nennenswerte politische Vorerfahrung. Können sie das Land verändern?

Es seien größtenteils jüngere Menschen mit eigenen Impulsen und einem gewissen Eifer - "auf jeden Fall noch keine Zyniker", sagt die ukrainische Autorin und Übersetzerin Kateryna Mishchenko. Sie zeigt sich "vorsichtig optimistisch", rechnet allerdings mit Beharrungskräften gegen Selenskyjs Reformagenda, mit "Sabotage und Widerständen" von Profiteuren des alten politischen Stils.

Korruption beenden? "Das finden viele nicht so schön"

Es gebe ja nicht nur das Parlament, sondern auch lokale Gouverneure oder "feudale Kräfte", die sich an Schmuggel oder Waffenhandel bereicherten, sagte Mishchenko. "Es gibt sehr viele halb kriminelle, halb politische Subjekte im Land." Um wirklich erfolgreich zu sein, müssten der neue Präsident und die neue Partei den gesamten Sicherheitsapparat des Landes "umformatieren".

Werden die Ukrainer die nötige Geduld aufbringen, die ein so großer nationaler Reformprozess benötigt? "Die Hauptsache ist, zu sehen und zu spüren, dass etwas passiert", sagt Mishchenko. "Wir sind seit vielen Jahren wirklich in einem Zustand des Erwartens. Wir warten immer auf etwas, und es passiert nichts", fasst sie die Situation und Frustration der Bevölkerung zusammen.

"Sein Wunsch, etwas zu unternehmen, ist authentisch"

Selenskyjs "Wunsch, etwas zu unternehmen, ist authentisch", meint die Ukrainerin. Insbesondere beim Konflikt mit den abgespaltenen Regionen und dem Nachbar Russland sei aber die Frage, "inwieweit er die russischen Kräfte, die russische Regierung beeinflussen kann, überzeugen kann".

(fmay)

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