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Fazit | Beitrag vom 17.10.2019

Uffizien-Chef Schmidt bleibt in FlorenzHoffnung auf weitere Reformen

Eike Schmidt im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Eike Schmidt steht im Profil vor einem Gemälde Raphaels. (Sergei Savostyanov / TASS / picture alliance / dpa)
Eike Schmidt, Direktor der Florentiner Uffizien, sieht neue Möglichkeiten im alten Job und vollzieht eine Kehrtwende. (Sergei Savostyanov / TASS / picture alliance / dpa)

Eigentlich sollte er am 1. November sein Amt als Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien antreten. Vor zwei Wochen hat Eike Schmidt dann kurzfristig abgesagt und dort für großen Unmut gesorgt. Im Interview erklärt er seine Beweggründe.

Der deutsche Historiker Eike Schmidt leitet seit 2015 mit großem Erfolg die Uffizien in Florenz. 2017 wurde er zum neuen Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien berufen. Sein Amt sollte er Anfang November dieses Jahres antreten, sagte aber einen Monat vorher ab und löste damit Ärger und Empörung in Österreich aus. 

Rückkehr des vorherigen Kulturministers

In der italienischen Museumslandschaft habe sich in den letzten Wochen einiges radikal geändert, begründet Schmidt seine Entscheidung. Nach einigen Wochen italienischer Regierungskrise und der Bildung einer neuen Regierung sei auch der vorherige Kulturminister Dario Franceschini überraschend wieder im Amt. 

"Er hat 2014 die große Museumsreform angestoßen und in die Wege geleitet, die dazu geführt hat, dass die großen italienischen Museen eine Teilautonomie bekommen haben. Das Ganze war in Italien in den letzten zwölf bis 16 Monaten stark in der Schwebe. Es sah aus, als würde das alles zurückgefahren werden", sagt Schmidt. 

Gefahr für die Museumslandschaft abgewendet

Die ersten Maßnahmen, um den Museen diese Autonomie zu nehmen, seien auch schon eingeleitet gewesen. Nun sei aber der Minister, der alles ermöglicht hatte, wieder zurück. Seine Entscheidung beruhe also auf den Arbeitsmöglichkeiten, die ihm von der Politik vorgegeben würden. Er lehne aber die Schwarz-Weiß-Malerei ab, die er von außen wahrnehme. 

"Es gab durchaus auch in der vorangegangenen Regierung kooperative und fähige Leute, mit denen ich sehr gut zusammengearbeitet habe." Es habe aber eine Idee der Zentralisierung der Verwaltung gegeben, die sehr im Vordergrund gestanden und Forschung, Vermittlung und Erziehung marginalisiert habe. Das sei jetzt wieder anders, denn Kulturminister Franceschini habe angekündigt, mit seinen Reformen fortfahren zu wollen und da wolle er dabei sein, so Schmidt.

Mangelnde Kommunikation führte zu Unmut

Die Irritationen und den Ärger in Wien führt Schmidt zum Teil auf die Kommunikation zurück: "Es war eigentlich geplant, eine gemeinsame Exit- und Kommunikationsstrategie zu entwickeln." Zu diesem Zweck sei er vor ein paar Wochen in Wien gewesen.

"Dazu kam es dann aber nicht, denn die Nachricht ging unmittelbar raus, als ich das entschieden habe. Man muss aber auch sagen: Wären sie nicht wütend geworden, dann hätte das bedeutet, dass sie von mir gar nichts erwartet hätten."

In Wien gebe es derzeit keine große Unruhe, was die tägliche Abwicklung angehe, meint Schmidt. "Denn ich hatte das Programm für das kommende Jahr dort schon auf die Schiene gesetzt. Ich hoffe wirklich, dass die Wellen sich dort mittlerweile gelegt haben."

(rja) 

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