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Lesart / Archiv | Beitrag vom 26.08.2020

Übersetzerin Iryna HerasimovichWie Kulturschaffende die Proteste in Belarus unterstützen

Iryna Herasimovich im Gespräch mit Frank Meyer

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Die belarussische Autorin Swetlana Alexijewitsch gibt vor ihrer Anhörung bei der belarussischen Staatsanwaltschaft Interviews. (picture alliance / Tass / Natalia Fedosenko)
Swetlana Alexijewitsch wurde am Mittwoch von der belarussischen Staatsanwaltschaft zum Verhör einbestellt und gab sich kämpferisch. (picture alliance / Tass / Natalia Fedosenko)

Der Widerstand gegen den belarussischen Machthaber Lukaschenko hat vor allem auch in der Kulturszene seinen Ursprung. Übersetzerin und Kuratorin Iryna Herasimovich spricht darüber, wie der Protest Eingang in die Kunst findet.

Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Menschen in Belarus gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko - teilweise zu Hunderttausenden. Die Kulturszene unterstütze die Proteste, beobachtet Iryna Herasimovich, die als Übersetzerin, Lektorin und Kuratorin in Minsk arbeitet. Im Gespräch schildert sie, dass Musiker bei den Demonstrationen auftreten und Schriftsteller dort lesen. Andere versuchten, die aktuell sehr unübersichtliche Lage zu reflektieren und in Worte zu fassen.

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Eine besondere Rolle könnte dabei der belarussischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch zukommen. Sie ist Teil des Koordinationsrats der demokratischen Opposition und wurde am Mittwoch von der belarussischen Staatsanwaltschaft zum Verhör einbestellt. Der in Berlin lebende russische Schriftsteller Wladimir Kaminer äußerte am Dienstag die Hoffnung, Alexijewitsch könne als "moralische Größe" eine vermittelnde Rolle zwischen Opposition und Regime einnehmen.

"Wir tun nichts, was dem Gesetz widersprechen würde"

Die 72-jährige Autorin selbst äußerte sich vor ihrem Verhör kämpferisch optimistisch in einem Telefonat: "Ich lasse mich nicht einschüchtern – und das gilt auch für die anderen Mitglieder des Koordinationsrats. Wir tun nichts, was dem Gesetz widersprechen würde." Vielmehr sei es ihr Ziel, die politische Krise beizulegen und die Gesellschaft zu einen. "Wir wollen keinen Staatsstreich oder eine gewaltsame Machtübernahme", sagte Alexijewitsch.

Überraschend habe es Belarus geschafft, "die Lethargie von sich abzuschütteln", sagte sie weiter. "Wir haben riesige Demonstrationen gesehen mit über 200.000 Menschen - das gibt mir Kraft. Unsere Kulturelite insgesamt steht in diesen Tagen auf der richtigen Seite."

(ako)

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