Seit 20:03 Uhr In Concert

Montag, 16.07.2018
 
Seit 20:03 Uhr In Concert

Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.12.2017

Übersetzer Konstantinos KosmasWie sagt man "Gottesacker" auf Griechisch?

Konstantinos Kosmas im Gespräch mit Britta Bürger

Podcast abonnieren
Buchcover: Daniel Kehlmann: "Tyll" (Buchcover: Rowohlt Verlag, Foto: picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)
Buchcover: Daniel Kehlmann: "Tyll" (Buchcover: Rowohlt Verlag, Foto: picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)

Daniel Kehlmanns Roman "Tyll" begeistert Leser und Rezensenten, bald geht das Buch auf Weltreise. Dafür braucht es kundige Übersetzer – Konstantinos Kosmas besorgt die Übertragung von "Tyll" ins Griechische. Dabei gibt es viele knifflige Aufgaben zu lösen.

Britta Bürger: Derzeit steht "Tyll" auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 2 und während meiner Weihnachtseinkäufe standen in den Buchhandlungen tatsächlich immer Leute mit diesem Roman vor mir an der Kasse. Wir haben uns gefragt, wie übersetzt man eigentlich so eine Geschichte aus dem späten Mittelalter in andere Sprachen? Wörter wie Henkersgericht, Schultheiß und Humpen, Gottesacker, Wams und Halsgerichtsordnung… Zum Teil müssen wir ja selber erst mal nachschlagen, was das alles bedeutet.

Im Studio ist der Übersetzer Kostas Kosmas. Er ist am Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin zuständig für die Edition Romiosini. Seit Jahren überträgt er Daniel Kehlmanns Romane ins Griechische – "Die Vermessung der Welt", "Ruhm", "F" und einige andere. Ist dieser Kehlmann eine besondere Herausforderung?

Konstantinos Kosmas: Das ist eine sehr schöne Herausforderung. Ich habe das Bild, dass man die Sprache, den Autor tanzen sieht auf einem Terrain, und da muss man die schwierigen Figuren, die er tanzt, nachtanzen auf einem anderen Terrain. Das andere Terrain ist die Sprache, die eigene Sprache.

Britta Bürger: Vermutlich gibt es da aber schon Schwierigkeiten, oder − so viele verschiedene Stilrichtungen, die er da benutzt!

Konstantinos Kosmas: Ja. Zunächst ist es tatsächlich so, dass er in den meisten Kapiteln eine andere Stilrichtung hat. Das ist eine dritte Erzählebene, aber mal gibt es eine Volkssprache mit Gespenstern und Erzählungen, mal gibt es Märchen, wenn die Kinder im Wald sind, oder mal gibt es barockes Theater, wenn die Königin von ihrem geliebten England träumt… Es gibt aber auch tatsächlich Wörter, die es im feudalen Zentraleuropa gibt, aber nicht in Griechenland in diesem Fall.

Ich hatte eine sehr interessante Herausforderung, bis ich dachte: Na gut, die Peloponnes war auch französisch besetzt, 200 Jahre später zwar, aber die Wörter dürfte es geben. Deswegen hatte ich die Idee, zum Beispiel bei Wörtern wie "Vogt" oder "Schultheiß" im französischen Wörterbuch nachzuschlagen. Da habe ich die Wörter gefunden und mit ein bisschen Fantasie, wie das Wort auf griechisch klingen würde, in dem griechischen mittelalterlichen Wörterbuch gesucht und tatsächlich die Wörter gefunden mit dieser Bedeutung, die sehr griechisch und schön klingen. Und genau so, wie Sie nachschlagen müssen, müssen die griechischen Leserinnen und Leser zwar nachschlagen, aber diese Wörter gibt es, da war ich sehr froh.

(cre)

Mehr zum Thema:

Daniel Kehlmann: "Tyll" - Ein literarisches Schelmenstück
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 16.12.2017)

Daniel Kehlmann über "Tyll" - Der Anarchist mit der Schellenkappe
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 21.11.2017)

Daniel Kehlmann: "Tyll" - Wiederkehr eines Narren
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 19.11.2017)

Schriftsteller Daniel Kehlmann - "Der Narr kann überall hin"
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 20.10.2017)

Daniel Kehlmanns "Tyll" - Wie Unordnung auch Freiräume schafft
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 20.10.2017)

Daniel Kehlmann über "Tyll" - "Sowas habe ich noch nie geschrieben"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 20.10.2017)

Daniel Kehlmann: "Tyll" - Ein Tänzer und Schelm im Dreißigjährigen Krieg
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 17.10.2017)

Daniel Kehlmann: "Tyll" - "Ich wollte einen barocken Figurenreigen"
(Deutschlandfunk Kultur, das blaue sofa, 12.10.2017)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 6Über Gräben
Die Schrift am Luckenwalder Stadttheater liegt im Schatten. (picture alliance / dpa / Sascha Steinach)

Wie halten sie's mit den Produktionsbedingungen? Im Juni-Podcast geht es um das Verhältnis von festen Häusern und Freier Szene. Außerdem Thema: eine strittige Inszenierung in Berlin und wie Theater sich gegen rechte Übergriffe wappnen können.Mehr

Folge 5Auf der Bühne und dahinter
Der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, stellt am 21.05.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) den Spielplan für die kommende Saison vor.  (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Künstler oder Servicepersonal? Dulden oder Aufbegehren? Im Mai-Theaterpodcast geht es um die Rolle des Schauspielers im 21. Jahrhundert. Außerdem Thema: Die Proteste von Mitarbeitern der Bühnen in Cottbus und Köln.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur