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Interview | Beitrag vom 16.07.2021

Überschwemmungen und GebäudeschädenNicht einmal jeder zweite Hausbesitzer ist ausreichend versichert

Anke Heyer im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Eine Gruppe von Menschen schaut in dem Ort im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter auf die Zerstörungen.  (picture alliance / dpa | Harald Tittel)
Viele von den Überflutungen betroffene Menschen wissen derzeit nicht, ob ihnen der Wiederaufbau ihrer Häuser gelingen wird. (picture alliance / dpa | Harald Tittel)

Angesichts der schweren Überschwemmungen appelliert die Verbraucherschützerin Anke Heyer an Hausbesitzer, sich nicht auf Spenden und staatliche Hilfe zu verlassen. Sie hofft, dass nun eine umfassendere Versicherungspflicht für Gebäude kommt.

Auch die erste Jahrhundertflut in Sachsen fiel 2002 in das Jahr einer Bundestagswahl, erinnert sich Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale in Sachsen. Damals habe es eine umfangreiche Spendenbereitschaft gegeben, aber auch staatliche Hilfe und vergünstigte Kredite für die betroffenen Menschen. Sachsen erlebte 2002 und dann noch einmal 2013 umfangreiche Überschwemmungen.

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Jetzt werde es wieder Hilfe vom Staat geben, erwartet Heyer. Aber sie geht zugleich davon aus, dass dies nicht bei jeder weiteren, zukünftigen Katastrophe automatisch erneut so sein wird. Es gebe darauf auch keinen Rechtsanspruch.

Zu wenig Versicherungsschutz 

Nach Angaben der Versicherungswirtschaft seien im April dieses Jahres nur 37 Prozent aller Gebäude in Rheinland-Pfalz ausreichend versichert gewesen, sagt Heyer: "Bundesweit ist nicht mal jedes zweite Gebäude gegen Naturgefahren versichert." Das sei viel zu wenig.
 
Viele Menschen glaubten, dass sie mit einer Wohngebäudeversicherung auch gegen Feuer, Wasser und Sturm geschützt seien, so Heyer: "Das ist aber nicht die ganze Wahrheit." Wer gegen Überschwemmungen versichert sein wolle, müsse eine Zusatzvereinbarung, die Elementarschadenversicherung, abschließen.

Der Ruf nach einer Pflichtversicherung

In Baden-Württemberg seien die meisten Menschen gegen Überschwemmungen versichert: 94 Prozent. Dort habe es bis in die 1990er-Jahre eine Versicherungspflicht gegeben und viele Menschen hätten diese Verträge beibehalten, sagt die Verbraucherschützerin. Auch in Ostdeutschland sei die Versicherungsquote etwas höher als anderswo, weil in der DDR die Überschwemmungen mitversichert gewesen seien. In Norddeutschland sei die Versicherungsquote hingegen besonders niedrig. Das hänge damit zusammen, dass Sturmfluten bisher gar nicht mitversichert würden.

Die Verbraucherzentrale Sachsen setzt sich schon seit 2002 dafür ein, dass die Elementarversicherung für Gebäude eine Pflichtversicherung wird. "Wir sind damit aber noch nicht durchgedrungen", so Heyer. Das werde bisher von der Versicherungswirtschaft blockiert. Doch sie hoffe darauf, dass die Politik nun endlich die richtigen Schlussfolgerungen ziehe. Die Menschen benötigten mehr Sicherheit mit Blick auf eine mögliche Reparatur oder sogar den Wiederaufbau ihres Hauses.

Starkregen kann überall Schäden verursachen

Es sei im Übrigen ein Trugschluss zu glauben, dass Starkregen einen nur treffen könne, wenn ein Gewässer in der Nähe sei. "Da muss ich nicht an der Elbe oder an einem kleinen Fluss wohnen." Sie habe auch Bilder von Berlin in Erinnerung, wo es zu Schäden durch Starkregen gekommen sei.

(gem)

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