Das Feature, vom 07.05.2021, 20:05 Uhr

Über den Auflagenkönig Heinz G. KonsalikDer Schund der frühen Jahre

Von Rolf Cantzen und Michael Reitz

Über 150 Romane, in einer Gesamtauflage von über 83 Millionen, in mehr als 45 Sprachen übersetzt: Der Literaturkritik galt Konsalik als Trivialautor, in Zeiten des Kalten Krieges bediente er die gängigen rassistischen und sexistischen Klischees. Weil es das Publikum verlangte?

Szene aus dem Film 'Wer stirbt schon gerne unter Palmen' von 1974. (Imago / United Archives)
1974 entstand angelehnt an den Roman ein Kinofilm, allerdings vor anderer Kulisse gedreht. (Imago / United Archives)

Konsalik (1921-1999) begann seine Karriere als Autor von Komödien, Liebesgeschichten und Krimis. Erfolgreich wurde er mit "Der Arzt von Stalingrad", einem, wie Konsalik reklamierte, "Tatsachenroman". Seine Helden hier und in zahlreichen anderen Kriegsromanen: Warmherzige Stabsärzte, unschuldig-hilfsbereite Landser. Die Gegenspieler: "schlitzäugige" Russen, leidenschaftlich und brutal. 

Der Vorwurf, seine Romane seien faschistoid und frauenfeindlich, bewirkten tatsächlich einen Themenwechsel: Für seine späteren Arzt- und Liebesromane wählte Konsalik exotische Kulissen. Die Klischees indes blieben.

Es ist keine einfache Aufgabe, einem Menschen auf die Spur zu kommen, der sich selbst bis in die Anfänge seiner Biografie erfand - als ehemaligen Kriegsberichterstatter, Verwundeten und Gestapo-Mitarbeiter. Er machte sich selbst älter, um von einer Jugend im Krieg zu erzählen.

Die Germanistik ignorierte Konsalik größtenteils. Im Gespräch mit Weggefährten und den wenigen Literaturwissenschaftlern, die sich ernsthaft mit dem Phänomen Konsalik auseinandersetzten, versucht die Sendung nicht nur, sich dem Menschen Konsalik zu nähern. Möglichweise spiegelt sich in seinem Werk auch ein Stück Mentalitätsgeschichte der frühen BRD.

Der Schund der frühen Jahre
Über den Auflagenkönig Heinz G. Konsalik
Von Rolf Cantzen und Michael Reitz

Regie: Matthias Kapohl
Es sprachen Judith Jakob, Jean Paul Baeck und Florian Seigerschmidt
Ton und Technik: Wolfgang Rixius und Hanna Steeger
Redaktion: Tina Klopp
Produktion: Deutschlandfunk 2021

Michael Reitz, geboren 1957 in Köln, studierte Philosophie und Kunstgeschichte. Er lebt und arbeitet in Köln seit 1996 als freier Hörfunkjournalist und Publizist u.a. für das Deutschlandradio und den Österreichischen Rundfunk.

Rolf Cantzen studierte in Hannover und Berlin Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik, er arbeitet als freier Autor und Journalist und lebt in der Nähe von Berlin

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